Sjöstrands Siebenmeterparade und Boomhouwers Traumtor

MT Melsungen siegt dank Kleinigkeiten: "Das war geil heute"

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Außer Rand und Band: Die MT-Profis (hinten von links) Johannes Golla, Julius Kühn, Arjan Haenen, Dener Jannimaa sowie (vorn) Felix Danner und Jeffrey Boomhouwer feiern den Sieg über Hannover.

Kassel. Es war einer dieser Handball-Abende, die man nicht so schnell vergisst. Beobachtungen zum 31:29-Sieg der MT Melsungen gegen TSV Hannover-Burgdorf.

Auch mehr als eine Stunde nach der Schlusssirene schrieb Julius Kühn im Foyer der Kasseler Rothenbach-Halle noch Autogramme und posierte für Fotos mit den MT-Fans. Nicht weil er es musste, sondern weil er es wollte: Der Torjäger des Handball-Bundesligisten Melsungen wusste genau, wer großen Anteil am umkämpften und umjubelten 31:29-Heimsieg über den Tabellenzweiten TSV Hannover-Burgdorf hatte: „Unser Publikum hat uns nach vorn gebracht. Das war geil heute.“

Strafwurf pariert: Melsungens Johan Sjöstrand ballt die linke Faust.

Ja, es war einer dieser Handball-Abende, die kein Zuschauer so schnell vergisst. „Ein komisches Spiel“, urteilte Torwart Johan Sjöstrand mit Blick auf den kuriosen Spielverlauf. Erst führte Hannover, dann Melsungen, dann wieder Hannover und schließlich doch der Gastgeber. „Kleinigkeiten haben die Partie entschieden“, analysierte Felix Danner treffend. Der Kreisläufer meinte damit nicht nur die letzte Szene, als er am gegnerischen Kreis Hannovers Kai Häfner einen Abpraller vor der Nase wegschnappte und zum Endstand traf.

Es war vor allem das Traumtor von Jeffrey Boomhouwer zum 25:23: Mit einem Dreher fast von der Außenlinie überlistete er Hüne Malte Semisch im TSV-Gehäuse (50.). „Es war ein 50:50-Spiel“, erklärte der schnelle Niederländer, „also mussten wir etwas drauf packen, und mein Treffer war so ein Extra für uns.“

Für ein weiteres sorgte der gut disponierte Sjöstrand wenig später, als er einen Siebenmeter des ansonsten überragenden Linksaußen Casper Mortensen parierte (57.). „Wir haben schon oft gegeneinander gespielt. Ich bin froh, dass mir diese wichtige Parade gelungen ist“, sagte der Schwede.

Mortensen erhielt nach der Begegnung zumindest noch ein paar tröstende Worte von Melsungens Lasse Mikkelsen. Die beiden Dänen spielten früher zusammen in der Junioren-Nationalmannschaft und tauschten sich auf dem Feld aus, als die Autogrammjäger auf dem Feld langsam weniger wurden. Mikkelsen war stolz auf den Auftritt der eigenen Mannschaft: „Das war top. Man hat gesehen, dass wir im Rückraum gut zusammenpassen.“

Zwar waren Philipp Müller und Timm Schneider nach Verletzungspause erstmals wieder im Kader, gespielt haben aber in der Aufbaureihe fast nur Mikkelsen, Kühn und Dener Jaanimaa. Finn Lemke war noch von einem grippalen Infekt geschwächt, und bei Müller reichte es nur für einen Kurzeinsatz in der Deckung. Weil Jaanimaa in der Schlussphase eine Pause benötigte, übernahm Rechtsaußen Tobias Reichmann in einem System mit zwei Kreisläufern den Part des Esten auf Halbrechts.

Für das nächste Spiel am kommenden Donnerstag ab 19 Uhr beim Tabellenletzten TuS N-Lübbecke dürfte Trainer Michael Roth durch die Rückkehr von Schneider und Müller für den Angriff mehr Alternativen haben. Der Konkurrenzkampf ist neu entfacht. Philipp Müller betont jedoch: „Wir haben einen breiten Kader. Das ist eine Stärke und kein Nachteil.“

Mit dem Erfolg gegen die Niedersachsen rückte die MT näher an die Spitzengruppe heran. Roth freute sich vor allem über die Zähler zehn und elf: „Es ist immer wichtig, wenn man aus dem einstelligen Bereich herauskommt.“ Dabei dachte er auch an das Jahr 2016: Da hatte Melsungen zum jetzigen Zeitpunkt erst vier Punkte auf dem Konto.

Rund um das Spiel

Beim 31:29-Heimsieg der MT in der Handball-Bundesliga über die TSV Hannover-Burgdorf zeigte sich Melsungens Coach Michael Roth von seiner ruhigen Art. Ein paar Auffälligkeiten von diesem Abend:

Entspannter Trainer

Michael Roth wirft den Unparteiischen schon mal böse Blicke zu, wenn er sich benachteiligt fühlt. In der Partie am Donnerstag musste sein Team nach der Pause zwar innerhalb kürzester Zeit einige umstrittene Zeitstrafen hinnehmen, der 55-Jährige blieb aber gelassen und schlug nur mal kurz die Hände hinter dem Kopf zusammen - genauso wie der verletzte Kapitän Michael Müller, der erstmals von der Bank aus das Geschehen verfolgte. Für sein besonnenes Auftreten bekam Roth dann ein Sonderlob von Manager Axel Geerken: „Er hat die Mannschaft so vorbereitet, dass sie eine tadellose Leistung gezeigt und auch eine gute mentale Verfassung an den Tag gelegt hat.“

Der Hochgelobte zog überrascht von dieser Wertschätzung erst mal die Augenbrauen hoch. „Das erste Lob in sieben Jahren“, sagte Roth schmunzelnd. Er schob dann mit ernster Miene nach: „Es ist gerade in so einer Partie wichtig, dass man als Trainer Sicherheit ausstrahlt.“

Volle Ränge

Das gab es noch nie: Erstmals in der MT-Geschichte war die Kasseler Rothenbach-Halle zum dritten Mal in Folge mit 4300 Zuschauern ausverkauft. Philipp Müller sagte danach begeistert: „Eine Wahnsinnsstimmung! Stark, was sich hier immer mehr entwickelt. Wir haben die Fans abgeholt.“ Bereits bei den Heimspielen gegen den THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt waren alle Karten vergriffen. „Die Emotionen von den Rängen haben uns auch geholfen“, lobte Torwart Johan Sjöstrand den eigenen Anhang.

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