Neu bei der MT (4): Linksaußen Jeffrey Boomhouwer ist ausgebildeter Sportlehrer

Jeffrey Boomhouwer: Ein Typ zum Gernhaben

Ein Strahlemann: Jeffrey Boomhouwer (links) nimmt seiner Mutter Letta in den Arm, die spontan und überraschend zum MT-Sommerfest zu Besuch kam. Foto:  Fischer

Kassel. Beim Sparkassencup 2013 fing es an. Da präsentierte sich Jeffrey Boomhouwer im Trikot des TV Emsdetten prächtig. Das entging auch Melsungens Trainer Michael Roth nicht.

„Wir tranken ein Bierchen, und er meinte, ich könnte ja zur MT kommen“, erinnert sich Boomhouwer: „Ehrlich gesagt, nahm ich das nicht ganz ernst.“ Ein Jahr später trägt der Linksaußen aber tatsächlich das Trikot des Handball-Bundesligisten MT Melsungen.

Wie sich das für einen Mann aus den Niederlanden gehört, mag Boomhouwer (sprich Buhmhauer) Blumen, Käse und Wohnmobile – so stand es auf dem Fragebogen, den alle MT-Neuzugänge im Trainingslager ausfüllen sollten. Allerdings ist der 26-Jährige dabei seinem Teamkollegen Philipp Müller auf den Leim gegangen. „Der hat mir angeboten, den Zettel auszufüllen“, erklärt Boomhouwer. Tja, und den Scherz mit den Klischees hat sich Müller nicht nehmen lassen.

Der 1,79 Meter große Neuzugang kann darüber aber gut lachen. Überhaupt ist er ein Typ zum Gernhaben, eine echte Frohnatur. Vor der Abfahrt ins Trainingslager und dem ersten Zusammentreffen der Mannschaft sei er zwar nervös gewesen, gesteht der Holländer. Doch eben jener Philipp Müller hätte sich ihn gleich geschnappt und gesagt: „Du gehörst jetzt zu uns.“ Und von einer Sekunde auf die nächste hätte er sich wohlgefühlt, sagt Boomhouwer.

Tatsache ist, dass der Nationalspieler wirklich Blumen mag. Was schon allein daran liegt, dass ein Großteil seiner Familie in Aalsmeer unweit von Amsterdam in der größten Blumenfirma der Welt arbeitet. In der Nähe der Metropole wuchs Boomhouwer auf. Durch seinen Vater, ebenfalls Nationalspieler, kam der Neu-Melsunger zum Handball. Seitdem hat er ein klares Ziel im Kopf. Er sei auf einem guten Weg. „Ich will nicht zu weit gucken. Mal sehen, wie weit ich kommen kann.“ Die Entscheidung, nach Nordhessen zu gehen, bezeichnet er als pures Glück.

Seine gelassene Art hängt womöglich mit seinem zweiten Werdegang zusammen. Nach seinem Studium arbeitete der Sportlehrer ein Jahr mit geistig behinderten Menschen. Boomhouwer sagt: „Das öffnet einem die Augen und zeigt, was wirklich zählt im Leben.“

So entspannt er einerseits wirkt, so impulsiv kann er auf dem Spielfeld auftreten,. „Ich bin fanatisch. Manchmal denke ich nach dem Spiel: Oh Gott, was hab ich da gemacht?“ Da hätte es gut gepasst, sagt Boomhouwer, dass er sich im Trainingslager in Kleinarl das Zimmer mit Rechtsaußen Johannes Sellin teilte. „Der ist genauso verrückt wie ich.“

Zum Sommerfest der MT Ende Juli erschien seine Mutter Letta zu einem Überraschungsbesuch. Familie ist ihm wichtig. Ende August wird seine langjährige Freundin Sharelle nach Melsungen nachkommen. Dass er in sportlicher Hinsicht erst einmal hinter Michael Allendorf zurückstehen muss, ist ihm bewusst. „Ich bin als zweiter Mann zur MT gekommen. Mit Michael verstehe ich mich prima. Wenn er mal einen schlechten Tag hat, werde ich da sein“, kündigt Boomhouwer an. Fotos: Kasiewicz

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