Nach Niederlage gegen Göppingen

MT Melsungen: Gestrandet im Niemandsland der Bundesliga

Bitter, wenn der Gegner jubelt: MT-Kapitän Michael Müller (links) blickt nach der Schlusssirene in Göppingen frustriert drein, Julius Kühn liegt enttäuscht am Boden. Foto:  Eibner

Kassel. Nach der 28:29-Niederlage in Göppingen ist die MT Melsungen im Niemandsland der Handball-Bundesliga gestrandet. Den Anschluss an die vorderen Plätze hat die MT verloren.

Womöglich gibt es Spötter, die behaupten, Göppingen läge im Niemandsland. Irgendwo östlich von Stuttgart. Beschaulich. Nicht viel los. Nur über Landstraße zu erreichen. Das 58.000 Einwohner große Städtchen im Herzen Baden-Württembergs ist sicher keine Metropole, doch in Sachen Handball eine große Nummer. Und es hat eine ironische Note, dass sich die MT Melsungen nach der 28:29 (11:14)-Niederlage in jenem Göppingen gegen Frisch Auf im Niemandsland der Bundesliga-Tabelle wiederfindet.

Nichts war es mit der Revanche für die Heimpleite Mitte Dezember. Nichts war es mit dem zweiten MT-Sieg in Folge und der Hoffnung auf eine Erfolgsserie. Stattdessen rannten die Nordhessen auch im Schwabenland den eigenen Ansprüchen hinterher. „Wir haben uns das alles ganz anders vorgestellt. Gerade mit dieser Mannschaft“, sagt MT-Kapitän Michael Müller einen Tag nach der Niederlage. Wie nach dem Heimspiel gegen Lemgo und kurz danach in Kiel verließen die heimischen Handball-Profis nun am Donnerstagabend mit hängenden Köpfen das Spielfeld in der Göppinger EWS-Arena (so war unser Liveticker).

Logisch, dass der Frust tief sitzt. Zumal die Niederlage beim Tabellenzehnten „absolut unnötig war“, wie Müller sagt. Nicht nur wegen des nicht gegebenen Siebenmeters kurz vor Schluss. Einen Schlag ins Gesicht des MT-Kapitäns ahndeten die Unparteiischen lediglich mit Freiwurf und einer Zwei-Minuten-Strafe. Selbstkritisch fügt Müller hinzu: „Das war ein hartes Foul und hätte Siebenmeter geben müssen, klare Sache. Entscheidend aber ist, dass wir das Spiel in der ersten Halbzeit vergeigt haben.“

Nach gutem und verheißungsvollem Start verloren die Gäste komplett den Faden. MT-Manager Axel Geerken drückt es so aus: „Wir sind nicht cool geblieben, sondern haben uns von der Stimmung in der Halle und vom Gegner provozieren lassen und sind dann für 20 Minuten völlig aus dem Tritt geraten.“ Die Göppinger hätten ihnen den Schneid abgekauft, fasst Müller zusammen.

MT Melsungen - der Kader der Saison 2017/2018

Johan Sjöstrand © Koch
Nebojsa Simic © Koch
Arjan Haenen © Koch
Dener Jaanimaa © Koch
Felix Danner © Koch
Finn Lemke © Koch
Gabor Langhans © Koch
Jeffrey Boomhouwer © Koch
Johannes Golla © Koch
Julius Kühn © Koch
Lasse Mikkelsen © Koch
Marino Maric © Koch
Michael Allendorf © Koch
Michael Müller © Koch
Philipp Müller © Koch
Timm Schneider © Koch
Tobias Reichmann © Koch
Mile Malesevic © Koch
Sandor Balogh © Koch
Jennifer Bajerke © Koch
Matthias Horn © Koch
Lutz Anders © Koch

Immerhin: Nach der Hereinnahme von Torwart Nebojsa Simic und dank des glänzend aufgelegten Rechtsaußen Tobias Reichmann kämpften sich die MT-Profis zurück in dieses Spiel, waren wieder dran, „aber wir haben es versäumt, den Deckel drauf zu machen“, sagt Geerken. So bleibt unterm Strich die dritte Niederlage im sechsten Spiel seit Beginn der Restrunde.

Zudem bleibt die Frage nach dem Warum? „Wir suchen selbst nach den Gründen“, sagt ein ratloser Kapitän Müller. Denn gerade die Abwehr, das einstige Prunkstück der MT, hat im neuen Jahr bislang nicht zu gewohnter Stärke gefunden - so auch in Göppingen. „Wir schaffen es nicht, konstant eine gute Deckung zu stellen und Aggressivität aufzubauen.“

Keine Frage, das Jahr 2018 läuft für die Nordhessen alles andere als rund. Sie kämen einfach in keinen Lauf, sagt Müller: „Uns fehlt die Leichtigkeit und die Selbstverständlichkeit.“ Damit hat die MT den Anschluss an die vorderen Plätze endgültig verloren. Das Saisonziel, erneut den Europapokal zu erreichen, ist in weite Ferne gerückt. „Davon können wir uns jetzt getrost verabschieden“, sagt Geerken.

Anfang nächster Woche wollen sich die MT-Verantwortlichen zusammensetzen, um zu schauen, was noch möglich ist. Nichts gegen das Niemandsland. Aber da möchte keiner verweilen.

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