Handball-Bundesliga am Mittag: Das gab es vorher noch nie

Handball zur Mittagseit: MT-Trommler Markus Martin (oben) „schluckt die Kröte“, die Kieler Tina Isebarn und Hans-Joachim Ohm finden es richtig gut. Fotos: Schachtschneider

Kassel. Handball zur Mittagszeit. Das gab es noch nie, seit in der Kasseler Rothenbach-Halle Bundesliga geboten wird. So wie am Sonntag beim Sieg der MT gegen Kiel.

Bernd Kaiser sieht die Sache gelassen. „Das sind einstudierte Abläufe. Es ist alles wie immer. Nur halt ein paar Stunden früher“, sagt der Hallen- und Pressesprecher der MT Melsungen. Handball zur Mittagszeit. Das gab es noch nie, seit in der Kasseler Rothenbach-Halle Bundesliga geboten wird.

Um 12.20 Uhr am Sonntag, als der Spielbeginn naht, sagt Kaiser bei der Begrüßung der Zuschauer trotzdem einen Satz, den er wohl noch nie zuvor gesagt hat: „Schön, dass sie alle ausgeschlafen sind.“

Das ist nicht so selbstverständlich. Schon gar nicht, wenn man aus Kiel angereist ist. Um 11.15 Uhr auf dem Hallenvorplatz, dort wo sich die Fans an Getränkeständen und Würstchenbude versammeln, sind die Zebras deutlich zu erkennen in ihren gestreiften Trikots. So wie Tina Isebarn und Hans-Joachim Ohm. Um halb sechs sind sie aufgebrauchen mit 50 anderen – im Zebralook-Bus, den sie ihren „Fanliner“ nennen.

Beide sind längst Stammgäste in Kassel geworden. Loben das Verhältnis zu den MT-Trommlern. Und freuen sich auf das Wurstpaket, das sie stets auf der Rückreise mitnehmen.

Zu so einem Handballspiel gehören eben Rituale. Gilt genauso für die MT-Trommler. Motto auch bei ihnen: Alles wie immer, nur etwas früher. Um 10.30 Uhr geht es zum Aufbau in der Halle. Da sind andere übrigens schon lange da. Hallentechnik und TV-Sender Sky haben bereits um sieben Uhr mit der Arbeit begonnen. Wenn die Trommeln stehen, dann beginnt für die, die sie später schlagen, erst einmal der gesellige Teil. Bratwurst. Und Bier. Das geht so früh am Vormittag? „Gewöhnungsbedürftig“, sagt Markus Martin. Und grinst.

Gewöhnungsbedürftig findet der Trommler auch die Anwurfzeit. „Wenig familienfreundlich“, urteilt er. Und richtig schlecht für den Jugendhandball, denn: „Das sind deren Spielzeiten. Der Nachwuchs kann so nicht kommen. Das ist schade.“ Sein Blick auf die Änderung ist aber differenziert, eher gelassen als ablehnend. Die Übertragungen durch Sky findet er gut für seinen Sport. Deshalb gilt: „Diese Kröte schlucken wir gerne.“

Und die Anhänger aus Kiel? Die finden Handball zur Mittagszeit an diesem Tag richtig gut. „Lieber früh los und früh wieder zuhause“, findet Ohm. Tina Isebarn sagt sogar: „Für mich ist das die optimale Zeit. Morgen um sieben muss ich arbeiten. So habe ich trotzdem genug Schlaf.“

In der Halle, da spielt die Tageszeit ohnehin keine Rolle. Höchstens, als der verletzte Philipp Müller die Zuschauer um 12.15 Uhr mit einem „Guten Morgen“ begrüßt. Michael Roth sagt: „Mittags können die Jungs gut Spielen. Da sind sie nicht müde vom langen auf-dem-Soga-liegen“. Der Trainer wird Recht behalten. Und es ist ja auch so: Als Lasse Mikkelsen die Gastgeber erstmals deutlich in Führung wirft, als später die große Nebojsa-Simic-Show beginnt, da toben die Fans. Da ist es egal, ob es gleich Abendessen gibt. Oder eben Kaffee und Kuchen.

Handball zur Mittagszeit? Es war alles wie immer. Nur früher!

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