Favorit Kiel atmet auf

Handball-Bundesliga: Melsunger enttäuscht nach Niederlage im Spitzenspiel

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Zerknirscht ob der vergebenen Chancen: Melsungens Rechtsaußen Melsungen Johannes Sellin, der nach dem Schlusspfiff enttäuscht auf dem Hallenboden der Kieler Sparkassen-Arena saß.

Kiel. Wie ist die Gemütslage eines Teams, das gerade den Deutschen Meister herausgefordert und ihm alles abverlangt hatte, aber auf der Zielgeraden doch mit 27:32 unterlag?

„Enttäuscht und stolz“, beschrieb sie Patrik Fahlgren, der verletzte Spielmacher und Übergangs-Co-Trainer der MT Melsungen.

In genau dieser Reihenfolge, denn zunächst überwog beim heimischen Handball-Bundesligisten die Enttäuschung über das Ende seiner eindrucksvollen Siegesserie.

„Ziemlich bitter“ etwa fand Spielmacher Schneider die Niederlage, „weil wir lange nahe dran waren.“ Bis zum 28:27 in der 57. Minute, ohne aber den nach dem Schlusspfiff lechzenden Favoriten vom Wanken ins Fallen zu bringen. Dazu hätte es des Ausgleichs bedurft, den Niklas Landin mit seinen Reaktionen insbesondere bei freien Chancen von Rechtsaußen Johannes Sellin verhinderte. „Er hat uns einige klare Dinger weg genommen“, gestand MT-Trainer Roth. Was er über den eigenen Torwart Johan Sjöstrand nicht sagen konnte. Der ärgerte sich über viele „knappe Bälle“, an denen er dran war, die aber trotzdem drin waren.

Auch derlei Pech verleitete zum kurzzeitigen Frust. Mehr aber noch die Gewissheit, den zweiten Coup hintereinander nach dem vorausgegangenen Sieg gegen Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen aufgrund eigener Versäumnisse verpasst zu haben. „14 technische Fehler“ listete Michael Roth auf, die im Angriff den Unterschied ausmachten. Personifiziert etwa durch Melsungens Michael Müller und Kiels Domagoj Duvnjak. Der eine (Müller) rieb sich in vielen Zweikämpfen auf, ohne allerdings angeschlagen (dicker Fuß) die gewohnte Durchschlagskraft zu entfalten, der andere (Duvnjak) traf fast wie er wollte. „Eine Maschine“, sagte MT-Kreisläufer Maric über seinen kroatischen Nationalmannschaftskollegen.

Und das war durchaus anerkennend gemeint. Denn der Ex-Hamburger avancierte nicht nur zum besten THW-Schützen, sondern störte als vorgezogener Abwehrspieler auch noch empfindlich das gegnerische Aufbauspiel. Derlei offensive Deckung, an der Kiels Coach Gislason nach eigenem Bekunden „lange gebastelt hatte“, schuf natürlich Räume. „Die wir aber“, so Timm Schneider, „zu wenig nutzen konnten.“ Ausnahme: Marino Maric, der nach seiner Einwechslung fünf Mal traf.

Ein richtiger Trostspender war auch das nicht. Dafür sickerten nach und nach die Lobeshymnen des prominenten Gegners ins Melsunger Bewusstsein. „Die MT hat gezeigt, dass sie eine richtig starke Mannschaft ist“, bekannte Domagoj Duvnjak, während Alfred Gislason von einem „absoluten Spitzenspiel“ sprach, „in dem wir alles geben mussten, um zu gewinnen.“

Da schimmerte reichlich Erleichterung durch, aber auch Hochachtung vor dem Gegner. Der konnte sich durchaus geschmeichelt fühlen. Konnte sogar wie Patrik Fahlgren, der im kommenden Spiel gegen Hamburg sein Comeback feiern will, etwas stolz sein. Und musste laut Manager Axel Geerken „keineswegs entmutigt nach Hause fahren.“

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