Handball-Bundesligist gewann vor 15 Jahren gegen Balingen

MT Melsungen: Das wurde aus den Aufstiegshelden von 2005

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Melsunger Jubel: Rastislav Trtik (links) freut sich mit Erik Wudtke (von links) , Petr Hruby und Vladimir Suma über den Aufstieg. 

Heute vor 15 Jahren stieg MT-Vorgänger MSG Melsungen/Böddiger in die 1. Handball-Bundesliga auf. Das wurde aus den Helden von einst.

Am 7. Mai 2005 holten die Melsunger Handballer die entscheidenden Punkte. Mit einem 34:24 gegen HBW Balingen-Weilstetten sicherte sich MT-Vorgänger MSG Melsungen/Böddiger den erstmaligen Aufstieg in die 1. Bundesliga. Das tschechisch geprägte Team von Trainer Rastislav Trtik hielt damit Kronau-Östringen auf Distanz.

„Ich erinnere mich noch gern an die fette Aufstiegsparty in Melsungen am Sand“, sagt der damalige Kapitän Erik Wudtke schmunzelnd. Viele Helden von einst sind dem Handball nach wie vor eng verbunden. Wir haben uns mal auf Spurensuche begeben. Dabei ist auch einiges Kurioses zutage getreten: von einem Bundestrainer, einem Bürgermeister und zwei Schwippschwagern.

Rückraum

Predrag Kontic (49 Jahre): Der Panther, wie der MT-Publikumsliebling einst gerufen wurde, ging 2007 aus Melsungen zum benachbarten Zweitligisten HSG Gensungen/Felsberg. Später war der Halbrechte für die MT-Reserve auf Torejagd. Kontic lebt in Melsungen und arbeitet für MT-Hauptsponsor B. Braun. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Erik Wudtke (47): Der Mittelmann war der Aufstiegskapitän. Inzwischen macht er als Trainer Karriere. Er ist nicht nur Coach des Jugend-Nationalteams, sondern auch Assistent von Alfred Gislason bei der A-Mannschaft. Zuvor machte er sich unter anderem als Trainer in Dormagen und Ferndorf einen Namen. Wudtke lebt mit Frau und zwei Kindern in Köln. Marcus Hock (38): Der Halblinke verabschiedete sich nach Stationen in Wetzlar, Hamm und Erlangen 2012 aus Deutschland in Richtung Schweiz. Einige Jahre belebte er beim TV Möhlin in der Nationalliga B das Rückraumspiel. Zwar lagen ihm auch Angebote aus der höchsten Klasse vor, dank guter beruflicher Perspektive kam ein Wechsel nicht in Betracht. Seine Karriere beendete Hock beim STV Baden. Jetzt trainiert er noch ab und an in Möhlin mit. Hock lebt mit Frau und Sohn in Kaisten nahe der deutschen Grenze. Vladimir Suma (48): Schrieb zunächst an der Erfolgsgeschichte der MT mit, später an der des HSC Coburg 2000. Der spielstarke Halbrechte fungiert in seiner tschechischen Heimatstadt Lovosice als zweiter Bürgermeister. Schon sein Schwiegervater war in der Politik sehr aktiv. Ludek Drobek (44): Über Niestetal/Staufenberg, Rostock und Göppingen kam der Rückraumakteur zum Zweitligisten Bittenfeld. Schwaben wurde zur Wahl-Heimat des Tschechen. Er war schon als Trainer- beziehungsweise Spielertrainer für die zweite und dritte Mannschaft des TVB tätig. Der Ehemann und Vater einer Tochter arbeitet als Hausmeister an einer Schule in Bittenfeld. Petr Hazl (48): Nachdem der Spielmacher im Januar 2008 die MT verlassen hatte, blieb er in Deutschland: Lübbecke, Hamm, Pirna. Danach wechselte er ins Trainergeschäft – erst Pirna, dann Marienberg und Aue (Assistenzcoach). Aktuell ist er für den SV Plauen-Oberlosa verantwortlich.

Trainer und Torhüter

Rastislav Trtik (59): Der damalige Trainer sorgte vor allem mit einer 4:2-Deckung für Aufsehen. Aus dieser Abwehrformation entwickelte das Team einen Tempohandball, bei dem die Mannschaft 70 bis 80 Angriffe pro Spiel lief. Nach seinem Abgang arbeitete er je zweimal als Coach in Karvina und in Presov. Dazwischen hatte er ein Engagement bei Empor Rostock. Später war er beim polnischen Klub Gornik Zabrze tätig. Inzwischen fördert er als Regionaltrainer Talente. Trtik lebt in Ostrau. Andrej Lawrow (58): Melsungen war die letzte Profi-Station des dreimaligen russischen Olympiasiegers. Seit seinem Karriereende übernahm der Ex-Torwart diverse Aufgaben: in der Politik, im russischen Verband, in der Spielerberatung. In dieser Saison tauchte Lawrow beim Zweitligisten Straßburg auf – dort half er Coach Denis Lathoud als Torwarttrainer.

Radek Musil (46): Steht immer noch in der 2. Liga im Tor – beim EHV Aue. Bis 2013 war er Schlussmann beim ThSV Eisenach. Der zweifache Familienvater wird im Sommer seine Karriere in Deutschland beenden und nach Prag zurückkehren.

Nicolas Potteau (41): Der französische Torwart spielte noch von 2008 bis 2016 in der zweithöchsten Klasse Frankreichs – für Nancy. Nach einem Gastspiel beim luxemburgischen Europacup-Vertreter Esch war er für einen viertklassigen Klub im Einsatz. Potteau lebt in Nancy. Er hat eine Tochter: Alessia (7).

Kreisläufer

Markus Pregler (48): War nach seinem Abschied von der MT zunächst bei den Grasshoppers Zürich. 2008 beendete der Kreisläufer bei Hard in Österreich seine Laufbahn. Er war danach kurzzeitig Coach beim TV Hersfeld. Pregler lebt in der Schweiz und arbeitet als Kinder- und Jugendbetreuer. Dem Handball ist er eng verbunden. Im Sommer erhält sein jüngster Sohn Ole bei der MT einen Profivertrag. Sohn Max stand ein Jahr im Kader der ersten Melsunger Mannschaft. „Ich bin megastolz auf sie“, erklärt Markus Pregler.

Petr Hruby (39): Bis 2008 prägte der Tscheche das Kreisläuferspiel bei der MT. Dann verließ er Melsungen für einige Jahre – er spielte für Stralsund, Halle und den ThSV Eisenach. 2011 kehrte er an die Fulda zurück. Zunächst trug er das Trikot des zweiten MT-Mannschaft, seit 2017 läuft er für die Dritte auf. Hruby arbeitet bei B. Braun. Er ist mit einer Melsungerin verheiratet und der Schwippschwager von Marcus Hock.

Außen

Sead Kurtagic (42): Flitzte nach seinem Abschied von der MT noch für die MEG Kassel (SVH) auf der rechten Außenbahn übers Parkett und schaffte mit dem Göker-Team den Regionalliga-Aufstieg. Inzwischen ist er Trainer: Er war zunächst zusammen mit Philip Julius für Melsungens Bundesliga-A-Jugend verantwortlich. Aktuell trainiert er die Männer der TSG Dittershausen. Kurtagic, der als Diplom-Informatiker für MT-Hauptsponsor B. Braun arbeitet, lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Melsungen.

Michal Kraus (41): Der pfeilschnelle Rechtsaußen war inbesondere für seine Tempogegenstöße gefürchtet. Diese Qualitäten stellte er 2009 noch in Rumänien bei Resita unter Beweis. Danach ging es zurück in die tschechische Heimat. Er spielte bis vor geraumer Zeit noch für die Mannschaft aus Jicin – der Ort liegt nicht weit von seiner Geburtsstadt Kolin entfernt. Karsten Wöhler (45): Nach dem Aufstieg stellte der Linksaußen seine Qualitäten noch bis 2007 bei der MT unter Beweis – teilweise als Kapitän. Dann ließ der gebürtige Dingelstädter seine Karriere beim ThSV Eisenach ausklingen. Bei den Thüringern war er bis zum Sommer 2018 Geschäftsführer. Danach wurde er Manager des Zweitligisten HC Elbflorenz Dresden. Bei den Sachsen besitzt er einen Vertrag bis 30. Juni 2022. Er lebt weiter mit Frau Katja und den beiden Kindern in Eisenach. Daniel Holl (38): Nach seinem Weggang von der MT stand er bei den Ex-Zweitligisten Niestetal/Staufenberg und Augustdorf/Hövelhof unter Vertrag. Anschließend verstärkte er den TV Hersfeld, bei dem er bereits vor seiner Zeit in Melsungen aktiv war. Seit 2011 ist er in seiner Heimatstadt Rotenburg für die TGR im Einsatz – inzwischen für die Reserve. Holl heiratet im Sommer die Ex-Kirchhöferin Simone Larsen Poulsen.

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