Handball-Bundesligist nach Pleite gegen Leipzig

Analyse zur MT Melsungen: Eine große Baustelle und viele Sorgen

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Suche nach Lösungen: Trainer Heiko Grimm mit (hinten von links) Finn Lemke und Felix Danner.

Die 31:34-Heimniederlage der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga gegen den SC DHfK Leipzig sorgt für Gesprächsstoff. Eine Analyse zur Situation des MT-Teams.  

Das Erfreulichste aus Melsunger Sicht geschah zu einem Zeitpunkt, als das Bundesligaspiel gegen den SC DHfK Leipzig längst beendet war. MT-Rechtsaußen Tobias Reichmann verwandelte in der ARD-Fernsehsendung „Frag doch mal die Maus“ seinen Siebenmeter eiskalt gegen Schalkes Torwart Alexander Nübel. 

Selbstkritisch: Tobias Reichmann.

Und weil der Handball-Nationalspieler Nübel bei einem Elfmeter keine Chance ließ, entschieden Reichmann und seine Handballer-Kollegen Silvio Heinevetter , Uwe Gensheimer und Oliver Roggisch das Duell mit Fußball-Größen wie Gerald Asamoah zu ihren Gunsten.

„Ich werde mir das noch anschauen. Ich will ja sehen, was wir da fabriziert haben“, sagte der 31-Jährige. Am späten Samstagabend dachte der Melsunger Profi allerdings nicht wirklich an den Spaß, den er im Oktober bei der Aufzeichnung von „Frag doch mal die Maus“ gehabt hatte. Reichmann schob wie alle MT-Mitstreiter Frust: „Das war heute nichts. Wir haben gefühlt jeden Zweikampf verloren.“

Linksaußen Michael Allendorf wurde ebenso deutlich: „Wenn wir uns jetzt wieder so eine Auszeit nehmen wie zu Saisonbeginn, könnte die Saison in vier Wochen gelaufen sein.“ Eine Analyse zur Lage bei den Melsungern:

Die größte Baustelle der MT Melsungen

Es liegt noch nicht so lange zurück, dass die MT Teams wie die Rhein-Neckar Löwen und Magdeburg hervorragend vom eigenen Kasten ferngehalten hat. Doch nun passt wenig in der Hintermannschaft – das schließt die Leistung der beiden Torhüter Nebojsa Simic und Johan Sjöstrand ein. „Jeder bei uns weiß, dass es nur im Verbund gehen kann. Aber wenn jeder nur 90 Prozent gibt, dann reicht es nicht“, erklärte Kreisläufer Felix Danner vielsagend. Ins Detail ging Marino Maric: „Wir bräuchten mehr Beweglichkeit. Wir haben keinen Kontakt bekommen – es wirkte kraftlos.“

Schon in den vorangegangenen Partien gegen Erlangen und in Kiel hatte die 6:0-Deckung so ihre Probleme. Gegen Leipzig versuchte es Trainer Heiko Grimm gegen Ende mit einer 5:1-Formation. Da diese Variante bisher aber nicht wirklich trainiert wurde, klafften bisweilen riesige Lücken.

Die Folgen

Das Melsunger Spiel funktioniert nur dann, wenn die Defensive die nötige Kompaktheit hat. „Wir müssen unser Spiel dem Gegner aufdrücken“, erläutert Danner. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, dann wird die Mannschaft schnell hektisch – wie in Kiel oder jetzt gegen Leipzig. Am Samstag hatten die Nordhessen in der zweiten Hälfte die Chance, bis auf ein Tor heranzukommen. Dann verstolperte Julius Kühn einen Tempogegenstoß. Zudem verpufften sämtliche Impulse von der Trainerbank. Die jüngsten Niederlagen relativieren die Erfolge vor der Länderspielpause.

Die Sorgen

Die Vorbereitung auf das Heimspiel verlief nicht reibungslos – da Akteure wie Felix Danner vorübergehend fehlten und Lasse Mikkelsen angeschlagen ist, war kein vernünftiges Mannschaftstraining möglich. Dabei wäre dies gerade mit Blick auf die kommenden Wochen wichtig gewesen. 

Am Donnerstag geht es nach Minden, am Samstag steigt in Kassel das Europacup-Hinspiel gegen Piräus. Bis dahin müssen Grimm und die MT Lösungen finden. Die Aufgabe wird aber nicht so einfach wie ein Siebenmeterwerfen in einer Samstagabendsendung. 

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