Handball-Bundesliga im Blickpunkt

Das wird in Erinnerung bleiben: Guter Plan, schlechter Plan

Sieht die Bundesliga in der Breite stark besetzt: Melsungens Trainer Heiko Grimm. Foto: Andreas Fischer

Kassel. Nur noch ein Spieltag, dann ist die Saison in der Handball-Bundesliga vorbei. Am Wochenende entscheidet sich, wer den Gang in die 2. Liga antreten muss, und wer den Titelgewinn feiern wird.

Grund genug, auf die zu Ende gehende Spielzeit zurückzublicken. Das wird in Erinnerung bleiben:

Der Spielplan I: Lange Zeit krankte die Handball-Bundesliga an einem zerpflückten Spielplan. Es fehlte schlicht an Übersichtlichkeit. Mit dem Einstieg des Bezahlsenders Sky und dessen umfangreicher Berichterstattung haben die Fans wieder ein festes Termingerüst: Donnerstag und Sonntag sind Handball-Tage. Immerhin. Dass es sonntags bereits um 12.30 Uhr losging, sorgte nur vor der Saison für Aufregung. Mannschaften wie Zuschauer haben sich schnell an die gewöhnungsbedürftige Anwurfzeit angepasst. Kurzum: Die festen Spieltage haben der Liga gutgetan.

Und trotzdem: Dass die Rhein-Neckar Löwen kurz vor dem Saisonfinale Anfang Mai immer noch zwei Spiele weniger absolviert haben als die Konkurrenten um die Meisterschaft, ist ein Unding. Das Gleiche gilt für die Füchse Berlin und das Rennen um die Champions-League-Plätze. In Ligen anderer großer Sportarten wäre so ein Zustand undenkbar. In dieser Hinsicht muss nachgebessert werden.

Der Spielplan II:Was zudem in Sachen Spielplan in Erinnerung bleibt, ist der Terminstress. Leidtragende waren in erster Linie die Rhein-Neckar Löwen. In der ersten Oktober-Woche spielten die Mannheimer sonntags gegen Kiel, dienstags gegen Hannover und donnerstags gegen Hüttenberg. Im November mussten die Mannen um Andy Schmid samstags in Leipzig und sonntags in der Champions League in Barcelona spielen.

Hartes Programm mit den Löwen: Andy Schmid.

Auch andere Vereine wie die Füchse Berlin klagten über das Programm. „Es muss eine Regelung gefunden werden, dass die Mannschaften zwischen zwei Pflichtspielen mindestens zwei Tage keine Partie zu bestreiten haben“, sagt Coach Heiko Grimm von der MT Melsungen. Er schlägt vor, dass Teams, die am Wochenende Europapokal spielen müssen, nicht zuvor am Donnerstag, sondern bereits am Dienstag spielen dürfen.

Die MT erlebte in dieser Serie ein anderes Extrem: mal drei Wochen Pause, dann zwei Spiele in einer Woche. Etwas mehr Flexibilität ist laut Grimm erstrebenswert. Allerdings sind kurzfristige Verlegungen schwer möglich. Große Hallen wie die Mannheimer SAP-Arena sind oft belegt.

Die Spannung: Kampf an der Tabellenspitze, Kampf im Keller, Kampf um die Plätze fürs internationale Geschäft – auch an den letzten Spieltagen ist in der Bundesliga noch Pfeffer drin. Das war nicht immer so. „Die Liga ist in der Breite nach wie vor stark besetzt wie keine andere Klasse in der Welt“, betont Grimm. Wegen der hohen Belastung leisteten sich die Champions-League-Vertreter Kiel, Flensburg und Rhein-Neckar Löwen öfter mal einen Ausrutscher: „Die Mannschaften ab Platz fünf können immer mal für eine Überraschung sorgen.“

Warf ein Traumtor dieser Serie: Steffen Fäth.

Die Freiwurf-Tore: Melsungens Timm Schneider hat es gegen Minden gemacht, Hannovers Mait Patrail in Minden. Berlins Steffen Fäth brachte das Kunststück in Leipzig fertig, ebenso Leipzigs Philipp Weber gegen Lübbecke. Und Lemgos Fabian van Olphen tat sich auf diese Weise gegen Kiel hervor. In dieser Saison wurden tatsächlich ungewöhnlich viele Freiwürfe direkt verwandelt. „Nein“, sagt Grimm schmunzelnd, „solche Bälle werden nicht geübt.“ Der MT-Trainer räumt aber ein: „Solche Chancen wurden früher eher mal abgeschenkt. Nun wird der Wurf seriöser und professioneller ausgeführt, die Qualität der Spieler ist auch höher.“

Die Belastung: Der angesprochene Spielplan-Stress hat große Belastungen zufolge. Nicht ohne Grund geht den Rhein-Neckar Löwen auf der Zielgeraden etwas die Puste aus. Und dass kein Bundesliga-Team beim Final Four in der Champions Legaue dabei war, ist Wasser auf die Mühlen derer, die eine Verkleinerung der Liga fordern. Stefan Kretzschmar und Martin Schwalb bekräftigten erst kürzlich gegenüber der Zeitschrift Sport-Bild, dass die Anzahl der Teams im Oberhaus reduziert werden müsste.

Die Vorschläge sind nicht neu. Doch ein Blick auf das Finalturnier in Köln macht sie aktueller denn je. Drei Mannschaften aus Frankreich spielten um Europas Thron. Und in Frankreichs erster Liga gibt’s lediglich 14 Mannschaften. In der Bundesliga sind es 18. Gut möglich, dass in diesem Punkt für die Zukunft nachgebessert wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.