„Ziel verfehlt“

Analyse: Handball-Bundesligist MT Melsungen findet auch in dieser Saison nicht zur Konstanz

Die Melsunger Profi Felix Danner (Mitte) und Arnar Freyr Arnarsson (rechts).
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Enttäuschte Melsunger: Felix Danner (Mitte) und Arnar Freyr Arnarsson (rechts). Im Hintergrund von links: Kapitän Finn Lemke und Physiotherapeut Rene Kagel (sitzend).

Mit der frustrierenden Vorstellung gegen den HSC Coburg hat Handball-Bundesligist MT Melsungen zum zweiten Mal kollektiv versagt. Eine Analyse.

Kassel – Die Niederlage als solche war am Ende gar nicht mehr das größte Problem. Vielmehr die Botschaft, die von der vorangegangenen schwachen Leistung gegen das bis dahin punktlose Schlusslicht HSC Coburg ausging: Handball-Bundesligist MT Melsungen ist weiter weit enfernt davon, eine Spitzenmannschaft zu ein.

Der aus gesundheitlichen Gründen fehlende Kapitän Finn Lemke räumte ein: „Es ist die pure Ernüchterung. Wir haben das Ziel, Konstanz hineinzubekommen – Ziel verfehlt.“ Wenn man das klägliche Ausscheiden im September im Europacup gegen Silkeborg dazu nimmt, dann haben die Melsunger nun seit Saisonbeginn schon zum zweiten Mal kollektiv versagt.

„Mir hat das Feuer, die Leidenschaft gefehlt“, erklärte Trainer Gudmundur Gudmundsson nach dem 27:32 am Donnerstagabend. So ähnlich hatten seine Worte auch nach der Heimpleite gegen Silkeborg geklungen. „Coburg hat den Sieg mehr gewollt als wir“, sagte Abwehrmann Felix Danner selbstkritisch. Zum dritten Mal in Folge mussten die Melsunger jetzt schon 32 Gegentreffer hinnehmen. „Die Abwehr war sehr schlecht“, fasste Gudmundsson seine Eindrücke zusammen. Und Manager Axel Geerken fügte hinzu: „Auch wenn uns der Rhythmus fehlt, so darf man sich nicht präsentieren.“ Mentale Stärke zeigte nur der Aufsteiger.

Zwar hat die MT erst neun von 38 Spielen absolviert und liegt nach Minuspunkten auf Rang fünf, die Vorstellung deutet aber daraufhin, dass bis Weihnachten nicht mehr viele Punkte hinzukommen. Zumal die nächsten Kontrahenten Göppingen (20. Dezember) und Stuttgart (22. Dezember, Kassel) auch nicht zu den Melsunger Lieblingsgegnern gehören. Gudmundsson und seine Mannschaft können nun sogar froh sein, dass die Partie in Kiel am Mittwoch wegen der Coronafälle beim Rekordmeister verlegt wurde. „Grundsätzlich sind wir dankbar für jedes Spiel“, betont Gudmundsson, „aber nun brauchen wir erst mal Zeit.“

Durch die Ausfälle von Lemke und Spielmacher Domagoj Pavlovic ist der Melsunger Kader arg geschwächt. Als Ersatz für die Rückraumkräfte Lasse Mikkelsen, Julius Kühn und Kai Häfner stehen somit aktuell lediglich Stefan Salger und die beiden 18-jährigen Ole Pregler und Paul Kompenhans zur Verfügung. „Wir haben nicht so viele Alternativen. Damit müssen wir leben“, sagt Gudmundsson. Mannschaften wie die Rhein-Neckar Löwen und die Füchse Berlin sind in diesem Bereich deutlich breiter aufgestellt.

Geerken verteidigt allerdings die Kaderplanung: „Ich kann nicht noch vier Spieler zusätzlich verpflichten, nur weil wir vielleicht in eine Quarantäne kommen.“ Zudem bestehe der Kader aus 16 Spielern. Und es sei ja auch eine besondere Saison.

Gefrustet auf der Tribüne: Melsungens Torjäger Julius Kühn.

Hinter den Kulissen beschäftigen die MT-Profis noch weitere Themen. Ganz oben: die Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten. Geerken weiß um das Renommee für seinen Verein, sieht die Teilnahme der Melsunger Spieler aber während einer Pandemie kritisch. „Wir können ihnen empfehlen, nicht dorthin zu reisen. Aber wir können sie nicht zwingen, hier zu bleiben.“

Zudem ist immer noch die Zukunft der dienstältesten MT-Profis Danner und Michael Allendorf ungeklärt. Ihre Verträge laufen im Sommer aus. Derweil bemüht sich der ambitionierte nordhessische Bundesligist nach Informationen dieser Zeitung für die nächste Saison nach wie vor um den portugiesischen Nationalspieler Andre Gomes. Von Melsunger Seite gab es dazu bislang allerdings keine Bestätigung.

Die vordringlichste Aufgabe wird jetzt allerdings erst mal darin bestehen, die Coburg-Pleite aufzuarbeiten. Ob es jedoch allein mit einer weiteren Krisensitzung getan ist, erscheint mittlerweile höchst fraglich. (Björn Mahr)

Debüt von Paul Kompenhans

Ole Pregler wegen einer Zeitstrafe vom Feld, Julius Kühn mit Problemen an einem seiner Handball-Schuhe – in der neunten Minute schnupperte der 18-jährige Paul Kompenhans erstmals Bundesliga-Luft. Der Kapitän der Melsunger A-Jugend bedauerte allerdings, dass es ein Spiel vor leeren Rängen war. „Mit Zuschauern wäre es schon schöner gewesen“, sagte der Ihringshäuser. 

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