Anwurf um 19 Uhr

Beginn einer spannenden Reise: Handball-Bundesligist MT Melsungen heute bei Tusem Essen

Finn Lemke (links) und Julius Kühn (hier gegen den Mindener Lucas Meister) sind mit der MT heute in Essen zu Gast.
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Auf die Abwehr kommt es an: Finn Lemke (links) und Julius Kühn (hier gegen den Mindener Lucas Meister) sind mit der MT heute in Essen zu Gast.

Handball-Bundesligist MT Melsungen gastiert heute ab 19 Uhr bei Tusem Essen. Für einen Melsunger Spieler ist es eine Zeitreise.

Kassel – 53 Tage ist es her, dass die Handballer der MT Melsungen zum letzten Mal in der Bundesliga ein Spiel absolvierten. Am 20. Dezember gelang der Mannschaft von Trainer Gudmundur Gudmundsson ein 30:23-Sieg in Göppingen, ehe sie sich wegen positiver Coronafälle zum wiederholten Mal in Quarantäne begeben musste. Wenn jetzt nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert, dann kann das Team heute ab 19 Uhr (Sky) in der Sporthalle am Hallo beim Aufsteiger Tusem Essen das elfte Saisonspiel bestreiten – und damit anfangen, den Rückstand aufzuholen.

Es wird der Beginn einer spannenden Reise.

Andere Klubs haben schon sechs Partien mehr als die MT bestritten. Bereits am Sonntag wartet auf die Melsunger dann ab 16 Uhr das erste Heimspiel nach der WM-bedingten Pause gegen den TVB Stuttgart. Der letzte Auftritt der Nordhessen in der Rothenbach-Halle liegt sogar zwei Monate zurück. Damals gab es eine bittere 27:32-Pleite gegen Schlusslicht Coburg.

Die Ausgangslage: „Wir werden jetzt nicht da einfach weitermachen können, wo wir in Göppingen aufgehört haben. Dafür ist die Zeitspanne zu groß“, sagt Kapitän Finn Lemke, „aber wir können die gleiche Energie aufbringen.“ Ähnlich sieht es Gudmundsson: „Mit dem richtigen Willen ist vieles leichter.“ In puncto Bereitschaft war der Auftritt der Melsunger in Göppingen vorbildlich – praktisch das Gegenstück zur Coburg-Pleite.

„Es lohnt sich für uns jetzt nicht, auf die Tabelle zu schauen. Wir wollen nur endlich mal wieder ein paar Spiele am Stück machen“, hofft der 2,10 m große Abwehrchef Lemke. Er zählt zu den MT-Akteuren, die in den vergangenen Wochen nur trainiert haben. Auf die Weltmeisterschaft hatte er verzichtet, und Testspiele gegen externe Gegner wurden in Abwesenheit einiger Nationalspieler nicht vereinbart. So hatten lediglich die WM-Fahrer Kühn, Kai Häfner, Timo Kastening, Silvio Heinevetter, der inzwischen verletzte Tobias Reichmann, Arnar Freyr Arnarsson und Marino Maric Spielpraxis. „Wir haben dadurch etwas mehr Routine“, weiß Torjäger Kühn.

Ihre in Melsungen verbliebenen Kollegen hatten derweil zumindest die Gelegenheit, unter der Regie von Co-Trainer Arjan Haenen und Athletikcoach Florian Sölter intensiv im Ausdauer- und Kraftbereich zu arbeiten.

Die Zeitreise: Für Kühn wird das heutige Spiel auch zu einer Zeitreise. Denn zu Beginn seiner Profi-Laufbahn spielte er für Tusem Essen und stieg mit der Mannschaft in die erste Liga auf. „Das haben wir exzessiv im Irish Pub gefeiert“, erinnert sich der 27-Jährige. Damals war ein gewisser Christian Prokop sein Trainer. Und einige seiner Teamkameraden schafften später ebenfalls den Sprung in die Nationalmannschaft – wie Fabian Böhm und Niclas Pieczkowski. „Es war eine extrem positive Zeit. Wir hatten ein junges Team mit viel Qualität, waren aber noch nicht so abgezockt“, erklärt der MT-Hüne rückblickend.

Damals war zwar die Spielstätte dieselbe wie heute. Kühn kennt aber auch die legendäre Grugahalle, in der der Tusem große Erfolge in der Vergangenheit errang. Zum einen, weil er dort als Kind den Stars zuschaute. Zum anderen, weil er während seines BWL-Studiums an der Uni Essen-Duisburg einige Klausuren in der Halle schreiben musste. Die Räume der Hochschule hatten dafür nicht ausgereicht.

Die Aufgabe: „Essen ist kein leichter Gegner“, warnt Gudmundsson, „die Mannschaft spielt einen guten Handball.“ Und sie hatte im Gegensatz zur MT mit dem 23:30 am Sonntag in Berlin schon wieder einen Einsatz. „So ein junges Team kann einer Mannschaft schon mal schnell zum Verhängnis werden“, betont Kühn.

Für Lemke wird ein Bundesligaspiel in Essen eine neue Erfahrung. Während seiner Zeit in Lemgo verpasste er die Partie in der Sporthalle am Hallo, weil er an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt war. Jetzt freut er sich auf den Auftritt im Ruhrpott. Als am Montag das Krafttraining wegen des wetterbedingten Verkehrschaos’ abgesagt wurde, griff er zum Schneeschieber und befreite zweieinhalb Stunden die Wege von der weißen Pracht. (Björn Mahr)

Hintergrund: Pavlovic zurück im MT-Kader

Im November hatte er sich einen Bänderanriss im linken Fuß zugezogen. Heute steht der Kroate Domagoj Pavlovic wieder im Melsunger Aufgebot und kann sich mit Lasse Mikkelsen auf der Mitte die Arbeit teilen. „Domba trainiert voll mit“, sagt Trainer Gudmundur Gudmundsson.

Fehlen wird der MT lediglich Tobias Reichmann (Meniskus-OP). Dafür steht der A-Jugendliche Julian Fuchs vor seinem Erstliga-Debüt – er ist zur Unterstützung von Timo Kastening dabei. In Anbetracht der anstehenden englischen Wochen hofft Gudmundsson, dass es keine weiteren Ausfälle gibt.

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