„Endlich ein Trainer mit Plan“

Handball-Bundesligist MT Melsungen nimmt viel Positives aus Spiel gegen den SC Magdeburg mit – Nun in Hannover

Setzte einige Akzente: Tobias Reichmann.
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Setzte einige Akzente: Tobias Reichmann.

Kurz nach dem Spiel überwog bei den Handballern der MT Melsungen die Enttäuschung. Doch die Bundesliga-Profis der MT können aus der Partie gegen den SC Magdeburg viel Positives mit ins Spiel am Sonntag bei der TSV Hannover-Burgdorf mitnehmen.

Kassel – Als die knapp 2800 Zuschauer das Kasseler Messegelände verließen, redeten sich einige Fans des Handball-Bundesligisten MT Melsungen immer noch die Köpfe heiß. Anders als bis vor ein, zwei Wochen entzündete sich ihr Unmut aber diesmal an einigen fragwürdigen Entscheidungen der Unparteiischen – und nicht an der Melsunger Trainerleistung. Denn dem neuen MT-Coach Roberto Garcia Parrondo war es trotz der 24:27-Niederlage gegen Spitzenreiter SC Magdeburg schon zu seinem Einstand gelungen, die Begeisterung für seine Mannschaft neu zu entfachen.

Wir blicken nicht nur auf einen packenden Handball-Abend zurück, sondern schauen auch schon auf den nächsten Melsunger Auftritt morgen ab 14 Uhr (Sky) bei der TSV Hannover-Burgdorf.

Der Trainer

Unter Parrondos Vorgänger Gudmundur Gudmundsson kam Rechtsaußen Tobias Reichmann kaum zum Einsatz. Der Spanier brachte den 33-Jährigen zur Pause – obwohl Timo Kastening bis dahin keineswegs enttäuscht hatte. Und Reichmann erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen. Selbst als Außen war er sehr präsent.

„Jetzt haben wir endlich einen Trainer mit Plan“, sagte der dreimalige Champions-League-Gewinner. Und fand noch viele lobende Worte mehr: „Wir hatten viel mehr Spielfreude, und die Stimmung im Team war eine ganz andere.“ Parrondo hatte bis auf die beiden jungen Spieler Rohat Sahin und David Kuntscher alle verfügbaren Kräfte genutzt. Reichmann hatte schon in Kielce unter einem Spanier (Talent Dujshebaev) gearbeitet und kennt die taktischen Ideen der iberischen Handball-Lehrer: „Es ist viel auf Kleingruppen angelegt. Und jeder Spieler muss permanent mitdenken, was sein Nebenmann macht.“ Ähnlich geht es Kastening, der in Hannover Carlos Ortega als Coach hatte, und Parallelen zu der Arbeit mit Parrondo sieht: „Die spanischen Trainer sind detailbesessen und legen Wert auf Kleinigkeiten. Sie sehen den Handball anders als wir. Gerade in der Vorbereitung auf die Spiele werden wir da einen Schritt nach vorn machen. Aber es braucht alles seine Zeit.“

Deutete seine Klasse an: Melsungens Andre Gomes (rechts, hier gegen Magnus Gullerud und Piotr Chrapkowski).

Das Spiel

„Es ist erst mal blöd, dass wir verloren haben“, bilanzierte Julius Kühn. Der Halblinke, der zusammen mit Neuzugang Andre Gomes für zwölf von 24 MT-Treffern verantwortlich war, sagte aber auch: „Morgen werden wir aber vielleicht feststellen, dass vieles schon ganz gut geklappt hat.“ Bis auf ein Tor kam die MT heran: 22:23 stand es in der 55. Minute. „Da war das Momentum auf Melsunger Seite. So weit hätte es aber nie kommen dürfen“, stellte Gäste-Trainer Bennet Wiegert fest. „Wir haben gewankt, sind aber nicht gefallen.“ Sein Gegenüber resümierte: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Auftritt. Wir stehen aber erst am Anfang.“

Neuer MT-Coach: Roberto Garcia Parrondo.

Die Stimmung

Parrondo musste kurz überlegen, als er auf seine Eindrücke in der Rothenbach-Halle angesprochen wurde. Dann sprudelte es nur so aus ihm heraus: „Ich bin so glücklich, mal wieder vor vielen Zuschauern im Einsatz zu sein“, erklärte der 41-Jährige. „Wir brauchen die Fans, wir brauchen die Atmosphäre.“ Als er zum letzten Mal in einer vollen Halle seiner Arbeit nachging, liegt lange zurück: Im Januar 2020 hatte er mit der ägyptischen Auswahl bei der Afrika-Meisterschaft in Tunesien triumphiert.

Auch seine Spieler genossen die Stimmung. „Das war richtig geil“, fasste Reichmann seine Eindrücke zusammen. Schon fünf Minuten vor Ende feuerten die Anhänger das Team im Stehen an – das hatte es seit der Rückkehr der Zuschauer in die Hallen nicht mehr gegeben.

Das Hannover-Spiel

Eine besondere Partie ist der Auftritt morgen in Hannover für Kastening. Er spielte bei der TSV zwölf Jahre lang, ehe er 2020 zur MT wechselte. „Es ist für mich die erste Partie wieder vor Zuschauern in Hannover“, sagt der Rechtsaußen und fügt hinzu: „Ich freue mich darauf, vor meiner Familie, Freunden und vielen alten Bekannten zu spielen.“ Auf die Rückkehr eines weiteren Ex-Hannoveraners hofft die MT noch: Kapitän Kai Häfner hatte erkältet gegen Magdeburg gefehlt.

Auf Parrondo wartet in seiner ersten Woche als MT-Trainer bereits die zweite Partie: „Es wird ein hartes Spiel. Hannover ist frischer, hatte länger Pause und daher mehr Zeit, um sich vorzubereiten.“ (Manuel Kopp und Björn Mahr)

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