Nordhessen treffen auf Hannover-Burgdorf

Handball-Bundesligist MT Melsungen und das Final Four - Silvio Heinevetter: Du musst alles in Tag eins hineinlegen

Führungspersönlichkeit: Melsungens Torwart Silvio Heinevetter gewann 2014 mit Berlin den Pokal.
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Führungspersönlichkeit: Melsungens Torwart Silvio Heinevetter gewann 2014 mit Berlin den Pokal.

Morgen geht es los: Die Melsunger Handballer treten beim Final Four an. Ebenfalls qualifiziert: THW Kiel, TBV Lemgo Lippe und TSV Hannover-Burgdorf.

Kassel – Ursprünglich sollte es am 4./5. April 2020 stattfinden. Pandemiebedingt wurde das Rewe Final Four des DHB-Pokals in der Hamburger Barclaycard-Arena immer wieder verschoben – erst auf den 27./28. Februar, dann auf den 4./5. Juni dieses Jahres. Nun wird das Finalturnier mit den vier Handball-Bundesligisten MT Melsungen, TSV Hannover-Burgdorf, THW Kiel und TBV Lemgo Lippe am 3. und 4. Juni ausgetragen – sogar vor 2000 Zuschauern.

Die MT bekommt es im zweiten Vorschlussrundenduell morgen ab 19.30 Uhr mit Hannover zu tun (frei empfangbar bei Sky Sport News). Zuvor treten Rekordmeister Kiel und Lemgo ab 17 Uhr gegeneinander an. Die Partie gibt es live bei Sky Sport und zdfsport.tv sowie im ZDF (ab zweite Halbzeit). Das Finale am Freitag ab 17.30 Uhr zeigen die ARD und Sky Sport live. Wir stellen die vier Teilnehmer etwas näher vor.

MT Melsungen

Im Frühjahr 2014 durfte Silvio Heinevetter die Pokal-Trophäe in der Hamburger Arena in die Höhe stemmen. Mit den Füchsen Berlin gewann der Handball-Nationaltorwart beim Final Four in Hamburg erst das Halbfinale gegen die MT Melsungen und dann das Endspiel gegen die SG Flensburg-Handewitt. „Ich schwelge jetzt nicht in der Vergangenheit“, sagt Heinevetter.

Sein Fokus liegt nur auf dem morgen beginnenden Turnier – und auch nur auf der Partie gegen die TSV Hannover-Burgdorf.

„Du musst alles in Tag eins hineinlegen. Wenn du dich dann gequält hast, unter Krämpfen leidest und in der Nacht zu Freitag viel Zeit bei den Physios verbringst, dann kannst du auf den nächsten Tag schauen“, erklärt der 36-Jährige.

Auf Heinevetter ruhen große Hoffnungen. Zum einen, weil er sich seit Wochen hervorragend mit Nebojsa Simic ergänzt. „Wir unterstützen uns ganz gut gegenseitig“, lobt der Ex-Berliner die Zusammenarbeit mit dem Montenegriner. Zum anderen, weil er sich schon in seinem ersten Jahr bei der MT zu einem Führungsspieler entwickelt hat: „Das passt zu mir als Typ. Ich übernehme gern Verantwortung.“

Gefordert sind aber freilich noch mehr: Kapitän Finn Lemke und Rechtsaußen Tobias Reichmann triumphierten ebenfalls schon mal in Hamburg. Kai Häfner und Timo Kastening standen mit Hannover zumindest schon mal in der Barclaycard-Arena im Endspiel. „Einige bei uns haben schon mehrere Alles-oder-Nichts-Spiele erlebt“, sagt Reichmann. Michael Allendorf und Felix Danner waren dabei, als die MT 2013 und 2014 in der Vorschlussrunde an Kiel beziehungsweise Berlin gescheitert war. Zudem verfügen Julius Kühn, Arnar Freyr Arnarsson, Simic, Domagoj Pavlovic und Marino Maric, der gestern seinen 31. Geburtstag feierte, durch ihre Länderspieleinsätze über viel Erfahrung. Und für Trainer Gudmundur Gudmundsson ist ein Einsatz beim Final Four auch nichts Neues. Seine Bilanz aus seiner Zeit bei den Rhein-Neckar Löwen ist aber ähnlich bescheiden wie die der MT.

MT-Aufsichtsratsvorsitzender: Barbara Braun-Lüdicke.

„Als wir uns 2013 qualifiziert haben, da hieß es nur: Hurra, wir sind dabei!“, erinnert sich Allendorf. Jetzt geht es um mehr – um viel mehr. „Wir hatten bislang eine durchwachsene Saison. Nun können wir in dieser Woche einiges wiedergutmachen“, stellt der Linksaußen fest. Bei einem Finaleinzug hätten die Nordhessen voraussichtlich sogar einen Startplatz in der EHF European League sicher.

„Unsere Mannschaft hat eine Wahnsinnschance, einen Titel zu gewinnen“, sagt Barbara Braun-Lüdicke, die Aufsichtsratsvorsitzende der MT. Sollte den Melsungern der große Wurf gelingen, hätte es nicht nur optische Auswirkungen auf den Briefkopf des heimischen Bundesligisten, sondern würde auch die weitere Entwicklung des Teams begünstigen: Seit Jahren lastet ein großer Druck auf der Mannschaft – ein Erfolg in Hamburg hätte für den ambitionierten Klub durchaus etwas Befreiendes.

„Wir werden Vollgas geben“, verspricht der Halbrechte Stefan Salger. Der 2,07-m-Hüne gehörte zu den Helden im Pokal-Viertelfinale – im Dezember 2019 hatten sich die Nordhessen unter dem damaligen Coach Heiko Grimm durch ein 33:30 in der Kasseler Rothenbach-Halle gegen Berlin für das Final Four qualifiziert. Damals gehörte Heinevetter zu den Geschlagenen. Ab morgen kann er mit der MT Geschichte schreiben. (Björn Mahr)

THW Kiel

Der THW Kiel ist nicht nur der Rekordmeister, sondern auch der Rekordpokalsieger.

Letzte Teilnahme: Vor zwei Jahren sicherte sich der THW zum elften Mal die Trophäe. Im Endspiel gab es einen 28:24-Erfolg gegen den SC Magdeburg.

Form: Lässt sich mit einem Wort beantworten: beeindruckend. Die Mannschaft von Trainer Filip Jicha entschied die vergangenen 13 Bundesliga-Spiele allesamt für sich. Zwischendurch schied sie aber gegen Paris aus der Champions League aus.

Seit dieser Saison der Chefcoach des THW Kiel: Handball-Superstar Filip Jicha. 

Erwartungshaltung: „Für uns ist es ganz wichtig, dass wir die Favoritenrolle annehmen. Wir werden nicht die Frischesten sein, aber die Aufgabe sehr professionell angehen“, sagt Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

Personal: Der THW muss bei der Mission Titelverteidigung auf Nikola Bilyk (nach Kreuzbandriss) verzichten. Sehr fraglich ist der Einsatz von Kreisläufer Patrick Wiencek. Der Nationalspieler hatte sich am 12. Mai das Wadenbein gebrochen, soll aber in Kürze sein Comeback geben. (Björn Mahr)

TBV Lemgo Lippe

Zweimal Deutscher Meister, jeweils dreimal DHB- und Europapokalsieger – TBV Lemgo Lippe schaut auf eine erfolgreiche Vereinsgeschichte zurück. Allerdings ist der letzte Titelgewinn schon etwas her.

Letzte Teilnahme: Das letzte Mal gewann Lemgo 2002 den DHB-Pokal. Seitdem stand der TBV nicht mehr im Final Four – nach 19 Jahren ist der Verein nun zurück.

Lemgos Trainer: Florian Kehrmann.

Form: In der Bundesliga gewann Lemgo von den vergangenen fünf Partien nur eine. Besonders bitter verlief die Generalprobe: Es gab eine 22:33-Pleite gegen Flensburg.

Erwartungshaltung: „Der THW Kiel hat den Vorteil, schon viele große Partien gespielt zu haben. Wir müssen unsere Leistung bringen und den Kielern viele Fallen stellen“, sagt TBV-Trainer Florian Kehrmann.

Personal: Es fehlen die Langzeitverletzten Tim Suton und Jari Lemke, Bruder von Melsungens Finn Lemke. Angeschlagen ist Andrej Kogut (Knieprellung). Im Fokus stehen aufgrund ihrer internationalen Erfahrung die Brüder Isaias und Gedeon Guardiola. (Manuel Kopp)

TSV Hannover-Burgdorf

Zum dritten Mal in Folge hat sich die TSV Hannover-Burgdorf für das Final Four in Hamburg qualifiziert.

Letzte Teilnahme: Nachdem Trainer Carlos Ortega die Recken 2018 ins Pokalfinale geführt hatte, schied sein Team ein Jahr später im Halbfinale hauchdünn gegen den SC Magdeburg aus.

Form: Die jüngsten Ergebnisse waren nicht nach dem Geschmack der Hannoveraner. Zwar gab es einen 22:20-Erfolg in Nordhorn, in eigener Halle aber unerwartete Punktverluste gegen Ludwigshafen (25:28) und Stuttgart (23:23).

Hannovers Kapitän: Fabian Böhm.

Erwartungshaltung: „Das Final Four ist absolut unser Saison-Highlight“, sagt Recken-Kapitän Fabian Böhm, „wir sehen das Turnier als Riesenchance an. Wir können in zwei Spielen einen Titel gewinnen. Das wäre historisch für unseren Verein.“

Personal: Böhm (Quarantäne) fehlte zuletzt, ist aber nach eigener Aussage „zu 100 Prozent bereit“. Viele Augen werden auf Ivan Martinovic gerichtet sein, der im Sommer 2022 zur MT wechseln wird.

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