19:16-Führung verspielt

„32 Gegentore sind zu viel“ - Handball-Bundesligist MT Melsungen verliert in Berlin

MT-Regisseur Lasse Mikkelsen (mit Ball) setzt sich hier gegen die Berliner Mijajlo Marsenic und Fabian Wiede (rechts) durch.
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Lücke gefunden: MT-Regisseur Lasse Mikkelsen (mit Ball) setzt sich hier gegen die Berliner Mijajlo Marsenic und Fabian Wiede (rechts) durch. Links im Bild: Melsungens Marino Maric.

Was waren die Gründe für die 30:32-Niederlage der MT Melsungen in der Handball-Bundesliga bei den Füchsen Berlin? Wir blicken zurück auf den Abend in der Max-Schmeling-Halle.

Berlin – Damit die Melsunger Bundesliga-Handballer nach dem Verlassen der Max-Schmeling-Halle mit ihrem Gepäck nicht mehr zu weit laufen mussten, parkte MT-Fahrer Gunther Friedrich den Bus nach der Partie direkt vor dem Spielereingang. Allerdings zogen sich nach dem Einladen sämtlicher Koffer längst nicht alle MT-Profis sofort in den Bus zurück. Einige von ihnen sinnierten bis zur Abfahrt um kurz nach 23 Uhr noch unter freiem Himmel über die Entstehung der 30:32 (14:13)-Niederlage im Topspiel bei den Füchsen Berlin.

„Wir sind selbst schuld“, sagte MT-Rückraumschütze Kai Häfner nach dem Auftritt in der Hauptstadt selbstkritisch, „wir waren nicht clever genug.“ Tatsächlich hatten die Melsunger die Chance gehabt, etwas Zählbares mitzunehmen. Dafür hätte allerdings alles passen müssen. Unter dem Strich sah es aber vielmehr so aus, dass für die MT an diesem Abend einiges zusammenkam.

Das große Manko der Gäste: die hohe Zahl an technischen Fehlern. Zehnmal gaben sie dem Gegner den Ball praktisch in die Hand. Dazu registrierte Trainer Gudmundur Gudmundsson noch 15 Fehlwürfe bei seinem Team. Es mutete deshalb fast schon kurios an, dass die Nordhessen trotzdem noch so nah an einem Teilerfolg waren. Kurz vor Ende war beim Stand von 27:27 sogar alles möglich.

„Uns fehlt die Spritzigkeit, uns fehlt der Rhythmus, das belastet die ganze Mannschaft“, stellte der Isländer fest. Die Folgen der zweiwöchigen Quarantäne waren in Berlin deutlich zu spüren – insbesondere in der zweiten Hälfte, als die MT-Deckung viel zu passiv agierte und kräftemäßig nichts mehr zuzusetzen hatte. Wiederholt kamen die Füchse-Rückraumkräfte Fabian Wiede, Lasse Andersson und Jacob Holm aus sieben, acht Metern zum Abschluss. „Wir haben unsere Abwehr nicht in den Griff bekommen“, bedauerte Melsungens Lasse Mikkelsen, „32 Gegentore sind zu viel.“

Was den Dänen natürlich nach einem intensiven Bundesliga-Duell besonders gefuchst hat: 24 Tore der Heimmannschaft gingen auf das Konto seiner Landsleute. Dabei stachen Rechtsaußen Hans Lindberg, Andersson und Holm heraus. „Die Jungs können alle gut Handball spielen“, erkannte Mikkelsen die Qualität der dänischen Kollegen neidlos an. Allerdings setzte auch der MT-Regisseur, der nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Domagoj Pavlovic nun wieder erste Wahl ist, im Angriff noch mehr Akzente als beim 33:32 eine Woche zuvor gegen den Bergischen HC.

„Es gab einige gute Dinge in unserem Spiel“, sagte Gudmundsson auch mit Blick auf die Offensivleistung. So wie Timo Kastening das Kempa-Anspiel Häfners verwerte (8:8, 19.), so wie Kastening den Ball kurz vor der Pause aus halbrechter Position zum 14:13 unter die Latte knallte – das war aller Ehren wert.

Und es ging in der zweiten Halbzeit auch gut los – mit Toren von Yves Kunkel und Mikkelsen zum 16:13 (32.). Zudem lieferte sich Torwart Silvio Heinevetter bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte (siehe auch Rund um das Spiel) mit seinem Gegenüber Dejan Milosavljev über weite Strecken ein großartiges Torwartduell.

Im Fokus: Melsungens Torwart Silvio Heinevetter.

Kurzum: Bis zum 19:16 war aus MT-Sicht alles in Ordnung. Dann musste Marino Maric für zwei Minuten zuschauen – und in dieser Phase kippte die Partie zu Gunsten der schlauen Füchse. „Wir haben die Räume ideal genutzt“, freute sich Coach Jaron Siewert. Andersson traf dreimal in Folge zum 22:20 (43.). „Wir haben mit etlichen Fehlern den Vorsprung verspielt“, verdeutlichte MT-Youngster Ole Pregler.

Zwar stemmten sich Julius Kühn und seine Mitstreiter gegen die drohende Niederlage und kamen durch Mikkelsen und Kastening noch einmal zum 27:27 (55.), für einen Punkt reichte es aber nicht. Was die Spieler auch noch kurz vor der Abfahrt grübeln ließ. (Björn Mahr)

Rund um das Spiel: Heines Rückkehr und ein Kopftreffer

Zu Gast beim Ex-Klub: Wegen des coronabedingten Saisonabbruchs im Sommer erhielt Nationaltorwart Heinevetter im Frühling keine angemessene Verabschiedung. Vor dem Anwurf am Samstagabend in der Max-Schmeling-Halle holten die Füchse nun praktisch alles nach: Auf den Videoleinwänden wurden noch einmal die besten Szenen aus seiner Berliner Zeit gezeigt. Zum Abschluss leuchtete dann die entscheidende Botschaft auf: „Danke Heine!“ Anschließend sprach Füchse-Präsident Frank Steffel dem 36-Jährigen seinen Dank für elf Jahre im Trikot der Hauptstädter aus. Was Heinevetter aber nicht davon abhielt, danach ein Dutzend Paraden gegen den ehemaligen Arbeitgeber zu zeigen.

Tolle Einzelleistung: Wie schon in der Partie gegen den Bergischen HC bekam der junge Melsunger Profi Ole Pregler auch diesmal einen Kurzeinsatz – als Entlastung für Julius Kühn. Diesmal machte er es besser als vor einer Woche. „Ich habe schon morgens im Hotel gemerkt, dass ich diesmal viel fokussierter war“, sagte der 18-Jährige. Der Lohn: ein sehenswertes Tor kurz vor dem Wechsel zum 13:12 (30.).

Am Kopf getroffen: Isländer sind hart im Nehmen. Doch wenn ein harter Wurf im Gesicht landet, dann geht auch schon mal ein Handballer aus dem Nordatlantik zu Boden. MT-Neuzugang Arnar Freyr Arnarsson musste nach einem Kopftreffer während der Anfangsphase in der Kabine behandelt und durch Felix Danner ersetzt werden. „Er hat unter der Lippe geblutet“, erklärte Melsungens Co-Trainer Arjan Haenen. Nachdem die Schnittwunde des isländischen Kreisläufers vom Berliner Mannschaftsarzt genäht worden war, kehrte Arnarsson auf die Bank zurück – und später kam er auch noch einmal auf dem Feld zum Einsatz. (Björn Mahr)

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