Gelungene Rückkehr auf europäische Bühne

Sieg für die MT und ihren Superman

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Glückliche MT-Profis in Rijeka, von links: Patrik Fahlgren, Michael Allendorf, Michael Müller, Timm Schneider, Nenad Vuckovic, Johannes Golla (leicht verdeckt), Dener Jaanimaa, Arjan Haenen, Svetislav Verkic (leicht verdeckt), Philipp Müller und Co-Trainer Mile Malesevic (leicht verdeckt).

Rijeka. Heldentaten sind die Melsunger Handball-Fans von MT-Torwart Johan Sjöstrand ja schon gewohnt. Aber unmittelbar vor der Pause des erfolgreichen Europapokal-Hinspiels gegen RK Zamet in Rijeka mutierte der Schwede kurzzeitig sogar zum Superman.

Nach einem Ballverlust der Nordhessen blieb den gastgebenden Kroaten nur noch wenig Zeit für einen Abschluss. Spielmacher Matija Golik erkannte, dass das Tor der Melsunger leer war und warf vom eigenen Kreis in Richtung gegnerisches Gehäuse. Es lag im wahrsten Sinne des Wortes ein weiterer Treffer für die Hausherren in der Luft. Allerdings nur bis Sjöstrand, einen Arm nach vorn gestreckt, von der Außenlinie angeflogen kam und in Höhe der Neun-Meter-Linie parierte. Es war die spektakulärste von sagenhaften 21 Paraden, die der Weltklasse-Schlussmann beim 34:23 (17:13)-Kantersieg der MT zeigte. Dennoch gebührte vor 2050 Zuschauern im Centar Zamet der gesamten Mannschaft ein großes Kompliment. Die Geschichten dieses Spiels:

Der Rückhalt

„Ich habe mich schon wieder viel besser gefühlt“, erklärte Sjöstrand seine Top-Leistung. Noch am Freitag hatte der Skandinavier nach der Ankunft am Mannschaftshotel im nahe gelegenen Opatija etwas unter den Folgen einer fiebrigen Erkältung gelitten. Die MT-Verantwortlichen hatten sich sogar – letztlich vergeblich – um ein Einzelzimmer für ihre Nummer eins bemüht. Aber auch so zeigte der Schwede unglaubliche Reflexe, so dass sich einige kroatische Zuschauer vor Staunen immerzu die Hände an ihre Wangen pressten.

Das Bollwerk

„Wir haben den Gegner zu vielen Würfen von neun Metern gezwungen“, lobte Sjöstrand seine Vorderleute, die vor allem im zweiten Durchgang zeitweise perfekt verteidigten. Bezeichnend: In den ersten zwölf Minuten von Halbzeit zwei gelang Zamet kein einziges Tor, Melsungen traf aber fünfmal (22:13). „Wir haben es auch bis zur Pause in der Defensive nicht schlecht gemacht“, sagte Trainer Michael Roth, „aber wir mussten den Gegner erst mal richtig kennenlernen.“ Klar: Bis dahin kannten ihn die Melsunger nur vom Video.

Die Angriffsmaschinerie

17 eigene Treffer in jeder Halbzeit – das ist in einem Auswärtsspiel der dritten Qualifikationsrunde des EHF-Cups nicht selbstverständlich. Doch die Gäste nahmen die Deckung Zamets regelrecht auseinander. Immer wieder sehenswert: die Pässe von Michael Müller und Patrik Fahlgren auf Marino Maric beziehungsweise Michael Allendorf, die der Kreisläufer und der Linksaußen überlegt abschlossen. Und wenn RK-Keeper Marin Durica doch einmal abwehrte, holten sich die Melsunger den Abpraller. Wie in der 14. Minute, als Momir Rnic das Leder zum 9:6 in die Maschen wuchtete.

„Wir haben gezeigt, dass wir der Bundesligist sind“, stellte Rechtsaußen Arjan Haenen zufrieden fest, „elf Tore sind ein schönes Polster.“ Theoretisch könnte Melsungen kommenden Samstag (19.30 Uhr) in Kassel mit zehn Treffern Differenz verlieren und wäre trotzdem für die im Februar beginnende Gruppenphase qualifiziert. Schon eine Niederlage aber erscheint unmöglich. Zumal die MT die besseren Alternativen auf der Ersatzbank hat, wie das Hinspiel deutlich machte.

Die Joker

Für Johannes Sellin, der diesmal nicht gut ins Spiel fand, durfte ab der 24. Minute Haenen ran – und der Niederländer rechtfertigte das in ihn gesetzte Vertrauen mit fünf Toren bei sieben Versuchen. „Er hat seinen Job gut gemacht“, befand Roth, „genauso wie Johannes Golla.“ Der Youngster ersetzte Felix Danner, der schon frühzeitig mit zwei Zeitstrafen belastet war, und freute sich über zwei gelungene Abschlüsse. Es waren seine ersten überhaupt im Europacup. Und so wie es aussieht, könnten noch einige in dieser Saison dazu kommen.

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