Melsungens Kreisläufer Felix Danner baut per Fernstudium sein Abitur – Freundin Anja fiel Umzug schwer

Handball ist Familiensache

Familie und Freunde: Anja Volz und Felix Danner sind in Melsungen angekommen, ohne dass darunter die Verbindung in die Heimat gelitten hat. Foto: Kasiewicz

Melsungen. Eine Studentenbude sieht wohl anders aus. Anders als die geräumige Melsunger Wohnung von Felix Danner und Anja Volz. Nicht so aufgeräumt, nicht so gediegen. Doch Felix ist ja eigentlich kein richtiger Student. Keiner, der jeden Tag an die Universität geht. Sondern einer, der per Fernstudium sein Abitur baut.

Ein dreijähriges Lernen bei der Studiengemeinschaft Darmstadt, die ihm für alle relevanten Fächer die nötigen Aufgaben schickt. „Ganz schön anstrengend“ findet er diesen Weg, „wobei ich meinen inneren Schweinehund immer wieder überwinden muss.“ Als Kreisläufer des heimischen Handball-Bundesligisten gelingt ihm das glänzend, als Student mit Abstrichen. Auch an dem vorgesehenen Pensum von 15 Wochenstunden.

Denn will der 24-Jährige vor dem Vormittagstraining lernen, muss er früh aufstehen. Danach reicht die Zeit gerade mal zu einem Mittagessen mit seiner Freundin, bevor es erneut in die Stadtsporthalle geht. Und nach der zweiten Trainingseinheit am Nachmittag „bin ich häufig zu kaputt, um mich noch mal an den Schreibtisch zu setzen.“ Trotzdem wird’s wohl klappen mit dem erhofften Abschluss, wobei Felix auf ein Abi-Fach schon jetzt bauen kann.

Auf Sport natürlich, das heißt Handball als Mannschafts- und dazu eine Einzelsportart, wobei dem Modellathlet auch hier die optimale Punktzahl winkt. Als hervorragender Leichtathlet oder als Radrennfahrer, eine seiner sportlichen Leidenschaften als Jugendlicher. Dass er sich mit 14 Jahren für Handball entschied, war „Familiensache“. Denn sein Vater, seine Mutter und seine drei Geschwister spielten Handball.

Statt Poster zieren zahlreiche gerahmte Fotos von ihnen und solche von Anjas Familie nebst gemeinsamen Freunden eine Wand im gemütlichen Wohnzimmer. Noch viel mehr hat Felix auf dem Computer gespeichert. „Der familiäre Zusammenhalt ist nach wie vor groß, wir besuchen uns so oft es geht“, sagt Anja, die ebenfalls in einer Großfamilie groß geworden ist.

Als Städter in Teningen

In Teningen, einer Kleinstadt mit 13 000 Einwohnern, 25 Kilometer entfernt von Felix’ Heimatstadt Freiburg, wohin dieser, seinem großen Bruder folgend, als 14-Jähriger wechselte. Und wo er als Städter zunächst um Anerkennung ringen musste: „Die Einheimischen im Verein haben mich am Anfang schon etwas schief angeguckt.“

Auch Anja, ebenfalls Handballerin, ehe sie sich 2002 bei einem Turnier in Bühl näher kennen- und ausgerechnet beim Teninger Gassenfest lieben lernten. Seitdem ist die 23-Jährige ihrem Liebsten zweimal gefolgt. 2007 nach Offenburg, als dieser zunächst beim TV Willstätt und danach bei der HR Ortenau spielte. Und vor einem Jahr nach Melsungen, was der bodenständigen Badenerin verständlicherweise schwerer gefallen ist: „Offenburg war nur 80 Kilometer von Teningen weg. Da konnte ich schnell mal nach Hause fahren, was von Melsungen aus schwieriger ist.“

Heimweg rot markiert

Auch, weil sie mittlerweile hier einen Job als Krankenschwester im ambulanten Pflegedienst gefunden hat. Eine wichtige Voraussetzung für „meine eigene Unabhängigkeit“. Und eine gute Möglichkeit, im nordhessischen Exil Kontakte zu knüpfen, selbst wenn sie die heimatlichen (noch) nicht ersetzen können.

Am 18. Juni 2011 wollen sie heiraten. Natürlich in Teningen. Wie sie dort von Melsungen aus hinkommen, zeigt ein roter Strich auf einer kunstvoll eingerahmten Deutschlandkarte, ein Geschenk von Felix’ ehemaligem Willstätter Mannschaftskamerad Marcus Helm. Eine Orientierung auch für die Rückfahrt, denn eine wenn auch kleinere Feier soll es in der Bartenwetzerstadt schon geben.

Von Ralf Ohm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.