Interview zum Spiel gegen St. Raphael Var

MT-Kapitän Michael Müller: „Heute explodieren einige bei uns“

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Hofft auf viele Fans gegen St. Raphael: Melsungens Kapitän Michael Müller.

Kassel. Heimspiele gegen Flensburg oder Kiel? Reizvoll. Derbys gegen Wetzlar? Packend. Aber keines dieser Duelle kommt in dieser Saison an die Bedeutung der Partie heran, die die Handballer der MT Melsungen am Samstag, 29. April, ab 20 Uhr bestreiten müssen.

Dann kann das Team von Trainer Michael Roth gegen St. Raphael Var aus Frankreich den Einzug ins Final Four in Göppingen perfekt machen.

Es wäre der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte. Grund genug, um im Vorfeld mit Kapitän Michael Müller über die Ausgangslage, die Bedeutung des Spiels und den Vier-Tore-Rückstand aus dem ersten Vergleich zu sprechen.

Herr Müller, steigt der Puls vor so einem Spiel?

Michael Müller: Bei uns kann niemand sagen, dass er in den vergangenen Tagen nicht schon im Hinterkopf das Spiel gegen St. Raphael hatte.

Welchen Stellenwert räumen Sie dieser Partie ein?

Müller: Vor zwei, drei Wochen haben wir betont: Wir werden nicht so weit in die Zukunft schauen. Das hat bis auf das Hinspiel in Frankreich gut funktioniert. Jetzt haben wir nach einer schlechten Hinrunde noch die Chance auf ein kleines Happy-End: Wir können in der Liga noch Rang sechs erreichen und im Europapokal ins Final Four einziehen.

Wieso tut sich die Mannschaft im EHF-Pokal so schwer?

Müller: Wir haben oft im Team darüber gesprochen. Fakt ist: Wir vermiesen uns in kurzer Zeit selbst ein ganzes Spiel. Phasenweise haben wir auch auswärts gut gespielt. Aber es gelingt uns nicht, das Niveau über 60 Minuten zu halten.

So war es auch vor einer Woche an der Cote d’Azur.

Müller: Genau. Wir haben nicht schlecht gespielt, aber dann auch wieder dem Gegner den Ball 15-mal mehr oder weniger einfach so in die Hand gegeben. So konnten die Franzosen viele Konter laufen. Wenn man jetzt noch die Siebenmeter abzieht, bleiben lediglich acht Positionsangriffe für St. Raphael. Und da hatten wir den Kontrahenten ganz gut im Griff.

Wie schätzen Sie die Ausgangslage ein?

Müller: Natürlich hätten wir lieber mit ein, zwei Treffern weniger verloren. Aber letztlich ist es egal: Andere Mannschaften haben schon deutlich höhere Rückstände aufgeholt.

Inwieweit stehen Sie als Kapitän besonders unter Druck?

Müller: Nicht mehr als bei anderen Spielen. Alle wissen, dass wir die Aufgabe nur zusammen lösen können. Ich kann nur so viel sagen: Bei uns muss jeder mehr machen als im Hinspiel, und ich bin mir sicher: Heute explodieren einige bei uns. Zumal wir uns auf unsere Fans verlassen können. Sie sind enorm wichtig. Mit ihrer Begeisterung können sie den Gegner einschüchtern, und durch viele Emotionen wächst auch der Druck auf die Schiedsrichter. Wir hoffen auf viele Zuschauer.

Was macht das Team aus St. Raphael so stark?

Müller: Die Franzosen haben eine ganz erfahrene Mannschaft - allen voran Spielmacher Daniel Sarmiento. Die Mannschaft spielt ihren Stiefel einfach herunter und hat eine hervorragende zweite Welle. Im Hinspiel ist es uns nicht gelungen, dieses Spiel des Gegners zu unterbinden. Unser Rückzugsverhalten müssen wir definitiv verbessern.

Vor zwei Jahren gegen Skjern machten nur die weniger erzielten Auswärtstore den Unterschied. Steckt das unglückliche Ausscheiden von damals jetzt wieder in den Köpfen?

Müller: Natürlich macht man sich da ein bisschen eine Platte. Ich würde diese Erfahrung aber gar nicht so negativ sehen. Wir wissen jetzt, wie es funktioniert. Selbst in den letzten drei Minuten eines Spiels kann noch viel passieren. Am liebsten wäre es mir aber, wenn wir zur Halbzeit schon einen großen Vorsprung hätten. Damit am Ende erst gar nicht die große Rechnerei anfängt.

Michael Müller (32), trägt seit 2013 das Trikot des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war er in der Bundesliga für Wetzlar, die Rhein-Neckar Löwen und Großwallstadt im Einsatz. 78 Mal lief er für das deutsche Nationalteam auf. Er ist mit der Handballerin Kaja Schmäschke liiert.

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