Das war gut, das war schlecht

Zwischenbilanz des Handball-Bundesligisten MT Melsungen - ein Team mit zwei Gesichtern

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MT-Trainer Heiko Grimm gestikuliert aufgeregt an der Seitenlinie. 

Die Handball-Bundesliga macht Pause - wegen der in Kürze beginnenden Europameisterschaft. Wir blicken auf die bisherigen Leistungen der MT Melsungen. 

Michael Allendorf, MT-Linksaußen

Platz sieben, 25:15 Punkte – die nackten Zahlen sagen allerdings nicht alles über die Leistungen der Melsunger Bundesliga-Handballer in dieser Saison aus. Wer sich die Tabelle genauer ansieht, der kommt zu der Erkenntnis, dass das Team von Trainer Heiko Grimm nach 20 Spieltagen weder zur Spitze noch zum Mittelfeld gehört. Wenn man es flapsig formulieren möchte, dann ist die MT ein Zwischending.

Logisch, die Melsunger können ins Mittelfeld abrutschen. Aber, und das ist der positive Aspekt: Die vorderen Ränge sind noch drin. Linksaußen Michael Allendorf spricht von einer Saison mit Höhen und Tiefen. „Obwohl wir schlecht gespielt haben teilweise, sind wir noch überall dabei“, ergänzt der zweitdienstälteste MT-Profi. Im Europacup stehen die Nordhessen in der Gruppenphase, im DHB-Pokal kämpfen sie Anfang April in Hamburg um den ersten nationalen Titel.

Wir blicken auf die bisherigen Leistungen in der Bundesliga zurück: Das war gut, das war schlecht.

Das war gut

Die Neuzugänge: Ein besonders dickes Lob verdient sich Kai Häfner. Wenn ein Rückraumspieler zu einem anderen Klub wechselt, braucht er erfahrungsgemäß einige Eingewöhnungszeit. Der Nationalspieler aber füllte seine Rolle sofort mit viel Leben aus und war zwischenzeitlich nicht ohne Grund bester Torschütze der Bundesliga. Als „überragend“ stuft MT-Trainer Heiko Grimm deshalb die Leistungen des Ex-Hannoveraners im rechten Rückraum ein.

Vor dem Jahreswechsel merkte man Häfner jedoch die hohe Belastung an – er pfiff aus den letzten Löchern. Als der 30-Jährige mal Pausen benötigte, bekam 2,07-m-Hüne Stefan Salger, bis zum Frühjahr in Ludwigshafen, Einsatzzeiten. Der gebürtige Allgäuer deutete punktuell seine Qualitäten an.

Der heimliche Leitwolf: Offiziell führen Finn Lemke und Tobias Reichmann das Team an – als Kapitän und Co-Kapitän. In schwierigen Situationen tat sich aber Michael Allendorf hervor. Er war nach dem Abschied der Müller-Zwillinge ein echter Stabilisator. In diesem Zusammenhang sei an die Partie in Wetzlar erinnert, wo er entschlossen voranging und mit seinem Team einen 11:17-Rückstand in einen 31:26-Sieg umwandelte.

Die zwei Gesichter: Eigentlich ist es kein positives Merkmal, wenn eine Mannschaft ihre Fans sehr oft durch ein Wechselbad der Gefühle schickt. Im Fall der MT war zumindest erfreulich, dass sie sich nach erschreckenden Auftritten von einer anderen Seite präsentiert hat – so wie in den letzten Begegnungen vor dem Jahreswechsel. „Wir haben zu Lockerheit zurückgefunden“, bemerkt Torwart Johan Sjöstrand. Lasse Mikkelsen war in den vergangenen Wochen ein umsichtiger Stratege.

Die personelle Situation:Schwerwiegende Verletzungen? Gab es anders als in der vergangenen Spielzeit bei Melsungen bislang keine. Es sagt viel aus, wenn sich die MT darüber ärgerte, dass mit Salger und Nebojsa Simic zwei Spieler wegen Zahnproblemen kurzzeitig ausfielen.

Das war schlecht

Die zwei Gesichter:Für Zuschauer waren einige Melsunger Auftritte kein Vergnügen – insbesondere bei der 23:36-Pleite in Balingen sowie der 28:31-Schlappe in Stuttgart wurde den MT-Fans einiges zugemutet – vor allem die immer wieder auftretenden Disziplinlosigkeiten sorgten für viel Kopfschütteln. Die Leistungen waren teilweise einer Melsunger Mannschaft nicht würdig.

Die Tordifferenz: Man mag es sich nicht vorstellen– aber es könnte sein, dass die hohe Anzahl an Gegentreffern der MT noch die eine oder andere Platzierung kostet. Durch die Niederlage in Balingen und der 26:38-Packung von Kiel sind die Melsunger in puncto Tordifferenz nur Mittelmaß. Daran änderten auch das 30:17 gegen Göppingen und das 36:23 in eigener Halle gegen Balingen wenig.

Der fehlende Killerinstinkt: Die MT ist seit Jahren darum bemüht, in den Kreis der erlesenen Klubs aufzusteigen. Was ihr auf dem Weg dorthin aber viel zu selten gelingt – eine Partie über 60 Minuten zu bestimmen. Zu oft nahm sich das Team eine längere Auszeit. Dabei wurden selbst klarste Chance ausgelassen.

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