Testländerspiel am Freitag vor Geisterkulisse

Auf dem neuen Handball-Bundestrainer Alfred Gislason lastet großer Druck

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Klare Ansage vom neuen Bundestrainer: Alfred Gislason (rechts) gibt beim Lehrgang in Aschersleben dem Melsunger Nationalspieler Julius Kühn Anweisungen. 

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft absolviert am Freitag ab 18 Uhr (live in der ARD) ein Testländerspiel gegen die Niederlande. Vom neuen Bundestrainer Alfred Gislason wird einiges erwartet. 

In diesen Tagen hat sich der Melsunger Profi Julius Kühn an einen Moment erinnert, der schon mehr als vier Jahre zurückliegt. Kurz nach dem EM-Triumph der deutschen Handballer im Januar 2016 in Polen rief ihm der damalige Nationaltorwart Carsten Lichtlein zu: „Hey, wir sind bei Olympia dabei.“ Kühn war so sehr mit dem grandiosen Abschluss bei der Europameisterschaft beschäftigt, dass er überhaupt nicht an die direkten positiven Auswirkungen dachte.

Nun sind die Sommerspiele in Tokio das nächste große Ziel der DHB-Auswahl. Nach Bronze in Rio soll es mehr werden. Da die deutsche Mannschaft aber noch keinen Startplatz sicher hat, blicken die Handball-Fans mit besonderer Spannung auf die kommenden Wochen. Das Freundschaftsspiel am morgigen Freitag ab 18 Uhr (ARD) in der Magdeburger Getec-Arena gegen die Niederlande ist der einzige Test für die Olympia-Qualifikation vom 17. bis 19. April in der Berliner Max-Schmeling-Halle – und das noch dazu mit einem neuen Bundestrainer. Denn der Ex-Kieler Erfolgscoach Alfred Gislason beerbte im Februar den überraschend entlassenen Christian Prokop.

Seit seiner Vorstellung im Februar in Hannover machte der Isländer immer wieder deutlich, wie sehr er sich auf die Aufgabe freue. Gislason sagte im Vorfeld des einwöchigen Lehrgangs in Aschersleben: „Druck ist für mich etwas Schönes.“ Das nimmt man dem 60-Jährigen ab – sonst hätte er wohl nicht über mehr als ein Jahrzehnt den THW Kiel von einem Erfolg zum nächsten geführt.

„Es herrscht großer Druck“, sagt der Berliner Bundesliga-Coach Michael Roth, „aber Alfred ist ein erfahrener Trainer. Er wird die Mannschaft gut einstellen und die Dinge, die bereits geklappt haben, weiter festigen.“

Weil Gislason nicht viel Zeit zur Einstimmung auf die Duelle im April mit Schweden, Slowenien und Algerien hat, stattete er in den vergangenen Wochen sämtlichen Nationalspielern einen Besuch ab und erklärte ihnen, was er taktisch genau vorhat. Es braucht jedoch auch eine höchst professionelle Vorbereitung. Denn viele Erstliga-Profis stecken mit ihren Teams zurzeit in den wichtigsten Wochen des Jahres – es geht um Titel, national wie international.

Seine Spieler nehmen die schwierige Situation sportlich. „Etwas Abwechslung zum Vereinsalltag ist auch gar nicht mal so schlecht“, sagt Rechtsaußen Tobias Reichmann, der mit der MT Melsungen noch auf drei Hochzeiten tanzt. Und Kühn ergänzt: „Alfred hat lange genug in der Bundesliga gearbeitet. Er weiß, wie unser Energiezustand in dieser Phase der Saison ist.“

Beide gehen davon aus, dass die Übungseinheiten auch bis zum Ende dieser Woche gut dosiert sein werden. Zudem dürfte die Last in der Partie gegen die Niederlande, die wegen der Corona-Epidemie zu einem Geisterspiel wird, auf viele Schulter verteilt werden.

Die Erwartungen an die DHB-Auswahl sind schon deshalb hoch, weil sich Deutschland in einigen anderen Teamsportarten nicht mehr für die Sommerspiele qualifizieren kann. Im Volleyball sind beide Teams gescheitert. Auch die Fußballerinnen müssen das Olympia-Turnier am Fernseher verfolgen.

Zudem hegen die deutschen Handballer selbst die Hoffnung, in Tokio um die Goldmedaille mitspielen zu können. Was auf einige Fachleute etwas befremdlich wirkt. Melsungens Manager Axel Geerken sagt: „Der Fokus sollte erst mal auf der Quali liegen, denn diese Aufgabe ist nicht ohne.“

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