Ex-Melsunger Handball-Trainer im Interview

Robert Hedin gastiert mit US-Nationalteam in Vellmar

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Ein Bild aus seiner Melsunger Zeit: Robert Hedin gastiert heute mit dem US-Team in Vellmar.

Kassel. Einst lebte er in Nordhessen und war Trainer des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. 

Jetzt kehrt der Schwede Robert Hedin zumindest für einen Tag in die frühere Wahl-Heimat zurück – als Trainer der US-amerikanischen Nationalmannschaft.

Sein Team bestreitet anlässlich des Methe/Methe-Tags heute ab 19.30 Uhr in der Großsporthalle Vellmar ein Freundschaftsspiel gegen den gastgebenden TSV.

Herr Hedin, herzlichen Glückwunsch zum neuen Job.

Robert Hedin: Danke, ich freue mich auf eine sehr interessante Aufgabe.

Wie kam es dazu?

Hedin: Das ist eine komische Geschichte. Meine Frau hat bei Facebook eine Anzeige entdeckt: Gesucht wird ein Trainer für die US-Nationalmannschaft. Dann hat sie mich darauf aufmerksam gemacht, weil ich ja auch zurzeit keinen Trainerjob habe. Noch kurz überlegt – dann habe ich mich beworben. Nach einem Telefon-Interview hatte ich die Stelle.

Wie lässt sich der Job mit Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer beim norwegischen Klub St. Hallvard vereinbaren?

Hedin: Das ist kein Problem. Es sind nur ein paar Wochen, die ich mit dem US-Team unterwegs sein werde. Ich kann viel Zeit mit meiner Familie in Norwegen verbringen.

Welche Beziehung haben Sie zu den USA?

Hedin:Dreimal war ich bisher in meinem Leben in den Vereinigten Staaten. Davon bin ich zu meiner aktiven Zeit zweimal mit der schwedischen Nationalmannschaft nach Atlanta gereist, vor den Olympischen Spielen 1996 und dann zum Turnier selbst. Und nun im Juli war ich in Auburn im Bundesstaat Alabama, um ein paar Spieler für das jetzige Trainingslager in Dormagen zu sichten.

Inwiefern hat Sie diese Aufgabe gereizt?

Hedin:Wir sprechen hier von den USA, das ist immer noch ein außergewöhnliches Land mit großer Sportgeschichte. Und es gibt in Europa ein paar US-Boys, die bei guten Mannschaften unter Vertrag stehen. Erlangen hat beispielsweise Christopher Bissel, bei Hannover spielt der in New York geborene Kroate Domagoj Srsen.

Welchen Stellenwert hat Handball in den USA?

Hedin: Wenn meine Jungs gefragt werden, welchen Sport sie ausüben, sagen sie immer: Wasserball ohne Wasser. Aber es tut sich langsam etwas. Rund um New York gibt es 40 Mannschaften, und in Chicago wird viel im Nachwuchsbereich gearbeitet. Fakt ist jedoch auch, dass die Spieler jetzt ihre Flüge nach Deutschland selbst bezahlen müssen. Wir müssen immer nach Sponsoren Ausschau halten, um diese Maßnahmen umzusetzen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dem US-Team?

Hedin: Langfristig wollen wir bei einer WM dabei sein. Zunächst gilt es aber, sich bei der Ausscheidung für die Panamerikanischen Spiele im September gegen Kanada durchzusetzen. Es wäre toll, wenn wir bei den Olympischen Spielen in Tokio 2020 dabei sein könnten. Aber das ist ein weiter Weg, denn die Brasilianer und Argentinier sind stark. Wenn wir es zu den Panamerikanischen Spielen schaffen sollten, könnten wir vielleicht Dritter werden. Dann würden wir zumindest an einem der Qualifikationsturniere in Europa teilnehmen.

Wie gut kennen Sie Ihre Mannschaft schon?

Hedin: Einige der in Europa tätigen Handballer habe ich erst in dieser Woche kennengelernt, den Rest zuvor am Trainingsstützpunkt in Auburn.

Hedin war schon in Vellmar zu Gast

Zu Ehren der 2011 tödlich verunglückten Bundesliga-Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe richtet der TSV Vellmar anstelle des Methe/Methe-Cups diesmal einen Methe/Methe-Tag aus. Dabei gibt es heute ein Freundschaftsspiel zwischen dem TSV und der US-amerikanischen Nationalmannschaft. Eingefädelt hat diese Begegnung Günter Höhmann aus dem Vellmarer Förderverein – er pflegt gute Kontakte zu US-Coach Robert Hedin. 

Der Schwede Hedin war 2008, während seiner Zeit in Melsungen, schon mit dem MT-Team in der Großsporthalle zu Gast. Karten kosten für Erwachsene im Vorverkauf 10 Euro (Abendkasse: 12,50 Euro). Jugendliche zahlen 7,50 Euro (10 Euro), Kinder (bis 12 Jahre) 5 Euro. Tickets gibt es nur im Garten-Center Ziegener in Niedervellmar (Triftstraße 72, Telefon 0561/821413) und im Deltha Fitness Club Ahnatal (Rasenallee 8, Telefon 05609/809380). 

Zur Person: Robert Hedin (52) stand von 2007 bis 2009 beim Bundesligisten MT Melsungen unter Vertrag. Danach war er unter anderem Norwegens Nationalcoach. Aktuell ist er Manager beim norwegischen Zweitligisten St. Hallvard. Der Schwede feierte zu seiner aktiven Zeit große Erfolge mit dem Nationalteam seines Heimatlandes: zweimal Olympia-Silber, einmal Europameister. Hedin hat sechs Kinder. Mit seiner jetzigen Frau Kari-Anne Henriksen, einer norwegischen Ex-Handballerin, hat er eine Tochter und zwei Söhne.

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