Donnerstag kommt Leipzig

Handball-Profis der MT Melsungen reden nach der Stuttgart-Niederlage Klartext

MT-Melsungen-Trainer Gudmundur Gudmundsson (vorn) verlässt das Feld. Im Hintergrund drehen sich seine Spieler ernüchtert ab.
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Frust im MT-Lager: Trainer Gudmundur Gudmundsson (vorn) verlässt das Feld. Im Hintergrund drehen sich seine Spieler ernüchtert ab.

Nach der 28:30-Niederlage gegen den TVB Stuttgart zeigten sich die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen sehr ernüchtert.

Kassel – Der Frust entlud sich am Mikrofon. „Vielleicht muss man seine Ziele irgendwann herunterschrauben und sagen: Vielleicht sind wir nicht so gut, wie wir immer geredet werden“, sagte MT-Rechtsaußen Timo Kastening kurz nach der 28:30-Heimpleite des Handball-Bundesligisten Melsungen gegen den TVB Stuttgart bei Sky. Und die Enttäuschung beim zehnfachen Torschützen war auch am Tag danach noch nicht ganz verflogen.

„Wir müssen auch mal in der Crunchtime da sein“, betonte der Ex-Hannoveraner.

Die Crunchtime, sie bezeichnet in vielen Sportarten die entscheidende Phase eines Spiels. Und die letzten Minuten der Partie am Sonntag gehörten definitiv eher den Stuttgartern als den ambitionierten Melsungern. Von der Einsatzbereitschaft her war den Gastgebern kein Vorwurf zu machen. „Wir haben gewollt. Es fällt mir dennoch aber nicht leichter, die Niederlage zu akzeptieren“, bemerkte Kapitän Finn Lemke. Sein Fazit: „Wir sind nicht da, wo wir sein wollen.“

Wofür es durchaus plausible Erklärungen gibt. Nur zwei Gründe: der unruhige Spielplan wegen der quarantänebedingten Zwangspausen sowie der wochenlange verletzungsbedingte Ausfall von Spielmacher Domagoj Pavlovic. Allerdings schafften es die Melsunger gegen Stuttgart auch nicht, diesen Problemen zu trotzen. Sie leisteten sich zu viele Fehlwürfe – so vergab etwa der aufgerückte Lemke gegen den Weltklasse-Torwart Johannes Bitter kurz hintereinander zwei Großchancen. Julius Kühn und Kai Häfner rieben sich immer wieder in Offensivaktionen auf, weswegen ihnen im zweiten Abschnitt für die Abwehrarbeit etwas die Puste ausging. Und es fehlte den Nordhessen die eine oder andere Parade ihrer Torhüter.

Dabei hatten die Melsunger mit der Niederlage der Füchse Berlin am Vorabend gegen Erlangen eine wunderbare Vorlage bekommen. Und weil am Sonntag auch noch die Rhein-Neckar Löwen in Göppingen patzten, ließen die Nordhessen im Nachhinein eine große Gelegenheit aus, noch näher an die Verfolger der Kieler und Flensburger heranzurücken.

„Wenn du weißt, es wird ein enges Spiel, dann darfst du dir keine acht technischen Fehler in einer Halbzeit erlauben“, klagte Melsungens Trainer Gudmundur Gudmundsson mit Blick auf die Schwächen seines Teams in der ersten Halbzeit. Etliche Treffer der Gäste vor der Pause resultierten aus Tempogegenstößen.

Zwar ist die MT auf allen Positionen doppelt besetzt, Gudmundsson vertraut speziell im Rückraum aber vor allem der Besetzung mit Pavlovic, Kühn und Häfner. Lasse Mikkelsen wird zurzeit auf der Mitte allenfalls sporadisch eingesetzt, der Halbrechte Stefan Salger spielt beim Isländer ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle. In den anstehenden Englischen Wochen wird Gudmundsson allerdings ohne ein paar personelle Umstellungen nicht auskommen.

Schon am Donnerstag ab 19 Uhr steht der nächste Einsatz auf dem Plan. „Ich freue mich, dass es gleich weitergeht“, sagt Lemke, „ich zitiere gern unseren Außen Yves Kunkel. Der hat mal gesagt: Wir sind in einer Schleife. Und jedes Spiel ist eine Gelegenheit, da auszubrechen.“ Nach einem trainingsfreien Tag, dem ersten im Februar, beginnt für die MT heute die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen den SC DHfK Leipzig. „Die nächsten Wochen werden zeigen, ob wir einen Schritt nach oben machen können“, sagt Kastening. Vielleicht haben seine klaren Worte vom Sonntag etwas bewirkt. (Björn Mahr)

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