Nationalmannschaften treffen am Samstag auf kroatische Auswahlteams

Vor dem Tag des Handballs in Hannover: So entwickelt sich der Sport in Deutschland

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Das war am 21. Januar in Köln: Die deutschen Nationalspieler (von links) Andreas Wolff, Steffen Weinhold, Matthias Musche, Paul Drux und Kai Häfner lassen sich von 19 000 Fans feiern. 

Am Samstag treffen die Handball-Nationalmannschaften aus Deutschland und Kroatien aufeinander. Anlässlich des bundesweiten Tag des Handballs nehmen wir die Entwicklung in diesem Sport unter die Lupe. 

 Niemand hält es auf seinem Platz. „Deutschland, Deutschland“, skandieren 19 000 Zuschauer, als sich die deutsche Handball-Nationalmannschaft aufmacht, die Vorentscheidung gegen Kroatien herbeizuführen. Diagonalpass auf Kapitän Uwe Gensheimer, Abschluss von der linken Angriffsseite Tor. Auf den Rängen wird aus unentwegter Anfeuerung grenzenloser Jubel. Die Fans tragen die DHB-Auswahl mit der eingängigen Melodie aus dem White-Stripes-Klassiker „Seven nation army“ ins Ziel.

Exakt neun Monate ist es her, dass die deutschen Handballer bei der Heim-Weltmeisterschaft für einige besondere Momente sorgte. Der 22:21-Sieg von Köln gegen die Kroaten bescherte dem Team von Bundestrainer Christian Prokop den vorzeitigen Einzug ins Halbfinale. „Die Euphorie im Land war groß“, sagt Olaf Bruchmann, der Chefredakteur des Fachmagazins Handball-Woche. Einen beachtlichen Gewinn von rund drei Millionen Euro brachte die WM dem Deutschen Handballbund (DHB) ein. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die Krönung für die deutsche Mannschaft ausblieb – es gab kein zweites Wintermärchen wie 2007. „Sportlich war das Turnier kein Erfolg“, ergänzt Bruchmann. Auf acht Siege folgten zwei Niederlagen – am Ende nur Platz vier. „Eine Medaille wäre wie die Kirsche auf der Torte gewesen“, räumt Mark Schober ein, Vorstandsvorsitzender im DHB.

Am Samstag spielt das deutsche Team ab 14.30 Uhr erneut gegen Kroatien – beim Tag des Handballs in der Tui-Arena in Hannover. Seit einer Woche ist die Halle ausverkauft. Die Begeisterung für den Sport scheint ungebrochen.

Deutlich wurde dies erst Anfang September bei der ARD-Liveübertragung der Partie SC Magdeburg gegen THW Kiel. „Als der Sender die Übertragung in der entscheidenden Phase plötzlich abgebrochen hat, gab es bundesweit einen Aufschrei der Empörung“, betont Schober, „das hat mir gezeigt, dass das Interesse am Handball nach wie vor groß ist.“

In der Männer-Bundesliga stieg die Zahl der Zuschauer in der abgelaufenen Saison um fast 40 000 auf 1 469 693 Besucher. Im Schnitt kamen 4800 Fans zu den 306 Partien. In der aktuellen Runde sind es bisher aber erst 4400 pro Spiel. So viele hätten auch zum Derby zwischen der HSG Wetzlar und der MT Melsungen kommen können. Doch der Gastgeber blieb trotz respektablen Saisonstarts auf 400 Karten sitzen – eine Enttäuschung. Umso mehr, als Melsungen mit einer attraktiven Mannschaft antrat. Julius Kühn, Kai Häfner, Tobias Reichmann und Finn Lemke wurden 2016 Europameister – allesamt Gesichter des deutschen Handballs.

Reichmann stand gerade erst mit Gensheimer und Silvio Heinevetter für die Aufzeichnung der ARD-Sendung „Frag doch mal die Maus“ (Ausstrahlung am 9. November) vor der Kamera. Ihre Gegner waren Fußballer-Kollegen wie Schalkes Alexander Nübel. „Es hat viel Spaß gemacht, den Handball zu repräsentieren“, erklärt der MT-Rechtsaußen.

Mark Schober, DHB-Vorstandsvorsitzender

Noch wichtiger für den Sport sind Welt- und Europameisterschaften. Anders als im Fußball werden die großen Turniere im jährlichen Wechsel ausgetragen. Schober spricht in diesem Zusammenhang von „Peaks“ – zu deutsch: Spitzen. Bis 2025 sind diese Handball-Großereignisse in der ARD und im ZDF zu sehen. „Unsere Entwicklungskurve muss dauerhaft nach oben zeigen. Wir müssen diese Peaks nutzen“, sagt der DHB-Vorstandschef.

Zusammen mit Präsident Andreas Michelmann hat er vor kurzem in einem Offenen Brief Ziele formuliert, um den Handball zukunftsfähig zu machen. Vorrangig: starke Nationalmannschaften. Davon soll die Mitgliedergewinnung profitieren. Seit 2009 sank die Zahl von etwa 847 000 auf 757 000. 2018 gab es erstmals ein leichtes Plus (+686). Ob sich ein positiver Trend abzeichnet, muss sich erst zeigen. „Ein halbes Jahr nach einer Heim-WM lassen sich noch keine signifikanten Veränderungen feststellen“, meint der Melsunger Manager Axel Geerken. Aus den Gewinnen der Weltmeisterschaft werden 600 000 Euro dazu verwendet, die Mitgliederzahl zu steigern.

Helfen soll auch der Tag des Handballs. Die Bilder aus Hannover dürften dabei Erinnerungen wecken an die WM-Tage im Januar.

Hintergrund

Gefeiert wird der Tag des Handballs in ganz Deutschland – es gibt ihn bereits zum dritten Mal. Schober spricht von „einer Leuchtturm-Veranstaltung“. Mehr als 170 Vereine machen bundesweit mit und werden am 26. Oktober ihren Sport vorstellen. Aus der Region nehmen der MTV Moringen und der VfL Wanfried teil. Teilnehmer können den Hannibal-Pass erwerben, das Handball-Spielabzeichen. Die Klubs haben dabei auch die Gelegenheit, ein Public Viewing anzubieten. Die ARD zeigt ab 14.30 Uhr das Männer-Spiel Deutschland gegen Kroatien live im Fernsehen. Vom Test der DHB-Frauen ab 17.30 Uhr gegen Kroatien gibt es im Internet einen Sportschau-Livestream. Die Halle in Hannober öffnet bereits um 11 Uhr ihre Pforten. Musikalischer Höhepunkt der Veranstaltung wird der Auftritt des Popstars Nico Santos sein. 

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