Ex-Nationalspieler erinnert sich in unserer Rubrik "Schöne Spiele"

Eine Fahrt im Lift und die Einstandsrede - Heiko Grimm und die Handball-WM 2003

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Früherer Handball-Nationalspieler: Heiko Grimm. 

Keine Spiele nirgendwo. Was kann da schöner sein, als zurückzublicken? Auf schöne Spiele im Fußball, im Handball und Eishockey. Unsere Autoren tun das in diesen Wochen, einige auch in persönlichen Erinnerungen. Heute erinnert sich Heiko Grimm, früherer Handball-Nationalspieler und Ex-Trainer der MT Melsungen. 

Finalwochenende bei der Handball-WM 2003 in Portugal: In der zweiten Hälfte des Halbfinales zwischen Deutschland und Frankreich verletzt sich Superstar Stefan Kretzschmar am kleinen Finger. Das ist der Moment, in dem die Weltmeisterschaft für den jungen Heiko Grimm noch einmal von Neuem beginnt. Denn nun muss der Linksaußen des TV Großwallstadt plötzlich für den Ausnahmehandballer aufs Feld. Grimm trägt vor allem mit einer guten Deckungsarbeit gegen den französischen Torjäger Patrick Cazal dazu bei, dass die DHB-Auswahl 23:22 gewinnt und das Endspiel am nächsten Tag in Lissabon gegen Kroatien erreicht.

„Wie schlimm es bei Kretzsche war, wusste ich zunächst nicht. Ich habe nur mitbekommen, dass er ins Krankenhaus gebracht wurde“, berichtet Grimm rückblickend. Am Abend treffen sich er und Kretzschmar zufällig zur gleichen Zeit vor dem Aufzug im Mannschaftshotel. Grimm fragt seinen Kollegen im Lift eher nichts ahnend: „Wie geht es Dir?“ Der erfahrene Mitspieler antwortet enttäuscht: „Der Finger ist gebrochen.“ Damit ist klar, dass Grimm für das Endspiel gesetzt ist. Kretzsche wünscht seinem unerfahrenen Teamkameraden noch alles Gute.

Das Finale läuft aber anders als gedacht. Die leicht favorisierten Deutschen unterliegen den Kroaten um den späteren Welthandballer Ivano Balic 31:34. „Anders als am Vortag habe ich nicht so gut Abwehr gespielt“, erinnert sich der zweifache Torschütze Grimm. Nach der Schlusssirene kniet der spätere Melsunger Trainer bitterlich weinend an einem Torpfosten: „So viele Möglichkeiten hast du nicht, ein WM-Finale zu spielen.“ Erst beim Bankett mit den acht besten Teams ist er wieder zu Scherzen aufgelegt. Dort muss Grimm was halten? Genau, seine Einstandsrede. „Ich habe das ganz gut hinbekommen“, sagt er schmunzelnd. Er wird sogar musikalisch vom französischen Handballer Gregory Anquetil begleitet.

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