Bundesliga-Handballer hilft in Personalnot

Heiko Grimm will die MT Melsungen mit seiner Erfahrung unterstützen

Kassel. Der neue Spieler des MT Melsungen, Heiko Grimm, war zu Gast in der HNA-Redaktion. Im Interview mit Robin Lipke sprach der Schweizer über seine ersten Tage in Nordhessen.

Leicht humpelnd steigt Heiko Grimm aus seinem Wagen. Die Trainingseinheit im Fitnessstudio ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Er sei halt nicht mehr der Jüngste, sagt der Neuzugang der MT Melsungen augenzwinkernd. 37 Jahre ist der ehemalige Handball-Nationalspieler alt, er hat 342 Bundesliga-Spiele auf dem Buckel, die aktive Laufbahn ist beendet, eigentlich arbeitet er als Trainer in der Schweiz. Eigentlich. Denn nun hat ihn die MT für sechs Spiele reaktiviert. Für vier Wochen wird Grimm das Melsunger Trikot tragen. Er soll den Ausfall von Spielmacher Patrik Fahlgren auffangen und Kapitän Nenad Vuckovic entlasten. Es ist die Geschichte eines Handball-Rentners, der einer Mannschaft in Personalnot hilft.

Der Anruf Grimm kennt MT-Trainer Michael Roth aus seiner Zeit beim TV Großwallstadt. Deshalb sei er nicht überrascht gewesen, als er Mitte April einen Anruf von seinem ehemaligen Trainer erhielt. Roth hätte ihm gesagt, dass er kurzfristig einen Spielmacher suche und gefragt, ob er nicht einen kennen würde. „Ich hab gar nicht gecheckt, dass er mich meint“, erzählt Grimm. Natürlich fühlte er sich geschmeichelt – und nach einer kurzen Bedenkzeit sagte er zu. Für seine Mannschaft vom Schweizer Erstligisten Kriens-Luzern ist die Saison beendet, für sein Import-Unternehmen hat er eine Lösung gefunden, seine Lebensgefährtin habe zwar keine Freudensprünge gemacht, aber schließlich eingewilligt – und schwups ist Grimm wieder mittendrin im Bundesliga-Geschehen.

Die Ankunft Zunächst hatte er Respekt. Würde er körperlich mithalten können? Nach den ersten Einheiten verflogen die Zweifel. „Ich war überrascht. Der Motor läuft noch“, berichtet Grimm. Auch in taktischer Hinsicht sei ihm die Rückkehr nicht schwer gefallen. Und menschlich? „13 Jahre Bundesliga – man kennt sich“, sagt der Wahl-Schweizer, der während seiner MT-Zeit im Melsunger Hotel Centrinum wohnen wird. Es mache Spaß, und er habe gleich mit jedem guten Kontakt gehabt. Mit den Müller-Zwillingen spielte er gemeinsam in Großwallstadt. Lächelnd fügt Grimm hinzu: „Ich musste mir jedenfalls keine Rentner-Sprüche zur Begrüßung anhören.“

Die Aufgabe Druck verspürt der neue Spielmacher nicht. Er glaube nicht, dass Wunderdinge von ihm erwartet werden, sagt Grimm. Seine sportliche Rolle stuft er ohnehin nicht so hoch ein. Vielmehr will er seine Erfahrung einbringen. Selbstvertrauen vermitteln. Auf jeden Fall wolle er keinem den Platz streitig machen. Grimm betont: „Wenn ich nicht viel zum Einsatz komme, heißt das doch, dass es gut läuft. Dann bin ich zufrieden.“ Er ist ein lockerer und kollegialer Typ. Und mit diesem Nachnamen – da passt er wirklich wunderbar in die Märchenregion Nordhessen.

Die Aussicht 2009 absolvierte er im Trikot des HSV Hamburg sein bislang letztes Spiel in der Bundesliga. „Ich freue mich auf das Flair“, sagt Grimm, der sich voll integriert fühlt. Er habe eine Mannschaft angetroffen, in der „eine sehr gute Stimmung herrscht“. Nach dem Aus im EHF-Pokal habe die Pause offensichtlich gutgetan. „Ich will helfen, das Optimale herauszuholen. Wenn am Ende der fünfte Platz herausspringt, wäre das super.“ Heute gegen Minden erwartet er eine hitzige Partie. „Wir dürfen nicht gehemmt spielen und müssen dumme Fehler vermeiden.“ Wie heißt es so schön? Grimm ist schon angekommen bei der MT.

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