Nach Fehlentscheidung

Melsunger dürfen auf zweites Pokalspiel gegen Rhein-Neckar Löwen hoffen

Die letzte Aktion im Spiel: Löwen-Kapitän Uwe Gensheimer markiert gegen Melsungens Torwart Johan Sjöstrand das Siebenmeter-Tor zum 22:21. Foto: Gerold

Ludwigshafen. Die Handballer der MT Melsungen müssen das Kapitel Final Four wohl noch nicht zu den Akten legen – trotz der Niederlage im Viertelfinale des DHB-Pokals.

Denn die Melsunger legen – wie am Spielabend fristgerecht angekündigt – Einspruch gegen die Wertung der Partie gegen die gegen Rhein-Neckar Löwen ein. Sie hoffen auf ein Wiederholungsspiel.

„Wir glauben, dass die Sache Aussicht auf Erfolg hat“, erklärt Axel Geerken. Der MT-Manager hat am Tag nach dem Pokal-Krimi mit vielen Handball-Fachleuten telefoniert. Beherrschendes Thema in den Gesprächen war die Schlussphase der Partie (siehe auch „Die letzten 80 Sekunden“). Die Schiedsrichter Christoph Immel und Ronald Klein hatten drei Sekunden vor dem Ende Timm Schneider mit Roter Karte vom Platz gestellt und den Gastgebern einen höchst fragwürdigen Siebenmeter zugesprochen, den Nationalspieler Uwe Gensheimer für den Bundesliga-Spitzenreiter verwertete.

Das Regelwerk

„Die neue Regel hätte nicht angewendet werden dürfen“, sagte DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß gegenüber Sport 1. Seit diesem Sommer wird die Doppelbestrafung, für die sich die Unparteiischen in der Eberthalle in Ludwigshafen entschlossen hatten, ausschließlich in der Bundesliga erprobt – aus Rücksichtnahme auf die unterklassigen Klubs aber nicht im Pokal.

Die Enttäuschten

Klare Worte fand Melsungens Trainer Michael Roth schon in der Halle. Die seiner Ansicht nach falsche Regelauslegung wertete er als „Betrug am Zuschauer“: „Ich habe nach dem Spiel 50 SMS von Freunden bekommen. Die fühlen sich alle veräppelt.“

Die Protagonisten

Unmittelbar nach der Schlusssirene hatte selbst bei den Beteiligten auf dem Feld noch Unsicherheit geherrscht. Die Männer in Schwarz waren – wie zu hören war – auf dem Feld hundertprozentig davon überzeugt, dass sie mit ihrer Entscheidung richtig lagen. Erst in der Kabine, aus der sie auch 45 Minuten nach dem Abpfiff noch nicht herausgekommen waren, sollen ihnen mehr und mehr Zweifel gekommen sein.

„Das war eine krasse Fehlentscheidung“, stellte MT-Kapitän Michael Müller fest. Und Michael Allendorf ergänzte: „Es ist bitter, so zu verlieren.“ Der Linksaußen erinnerte sich zudem an eine Aussage des Gespanns Geipel/Helbig beim Erstrundenauftritt in Eisenach: „Da wurden wir gefragt, ob wir uns schon mit der 30-Sekunden-Regel beschäftigt haben. Dabei stellte das Duo klar, dass es die Spieler nicht zu kümmern habe, weil die Regel im Pokal keine Gültigkeit besitzt.“

Die Konsequenzen

Praktisch seit Gensheimers Siebenmeter-Treffer glühen bei den Verantwortlichen von Handball-Bundesliga (HBL) und Deutschem Handball-Bund (DHB) die Telefondrähte. „Wir tragen jetzt alle Informationen, beispielsweise durch den Spielbericht, zusammen“, erläutert Andreas Wäschenbach, Spielleiter der HBL. Diese werden dann an das Bundesportgericht unter Vorsitz von Prof. Dr. Martin Gutzeit (Gießen) weitergeleitet, das den Fall innerhalb von drei Tagen verhandeln muss. Am Samstag soll dies möglicherweise in Dortmund passieren.

Beim Spiel der Melsunger heute ab 19.45 Uhr beim VfL Gummersbach sollte Thorsten Zacharias genauso wie am Mittwoch die Spielaufsicht haben. Doch von der Aufgabe wurde er abberufen. Immel/Klein sollten am Samstag eigentlich eine Partie in Hannover leiten. Das wird ein anderes Gespann übernehmen. Gut möglich, dass Immel/Klein dafür in Dortmund sind.

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