Handball-Bundesligist

Heute vor 25 Jahren: MT Melsungen scheitert im Final Four in Hamburg an Tusem Essen

Durchgetankt: Melsungens Ralf Horstmann (rechts) lässt den Essener Siegfried Jedrzey stehen.
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Durchgetankt: Melsungens Ralf Horstmann (rechts) lässt den Essener Siegfried Jedrzey stehen.

Es war der erste große Erfolg in der Geschichte des Melsunger Handballs. Als Zweitligist erreichte die MT im Frühling 1996 das Final Four in Hamburg. Genau heute vor 25 Jahren scheiterten die Nordhessen dann im Halbfinale in der mit 4200 Zuschauern ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle am früheren Bundesliga-Spitzenklub Tusem Essen.

Kassel – Es war der erste große Erfolg in der Geschichte des Melsunger Handballs. Als Zweitligist erreichte die MT im Frühling 1996 das Final Four in Hamburg. Genau heute vor 25 Jahren scheiterten die Nordhessen dann im Halbfinale in der mit 4200 Zuschauern ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle am früheren Bundesliga-Spitzenklub Tusem Essen. 1000 MT-Fans hatten die Mannschaft des einstigen Trainers Karl-Heinz Richter seinerzeit in die Hansestadt begleitet.

„Für damalige Verhältnisse war das etwas ganz Besonderes. Wir haben sonst ja nur so vor rund 1500 Zuschauern gespielt“, erinnert sich Ralf Horstmann, in den 90er-Jahren der Spielmacher der Melsunger. Der große MT-Anhang hatte sich in einer Ecke der Halle ausgebreitet – eine Tribüne komplett in Rot. Unter den Besuchern waren auch die drei besten Studienfreunde Horstmanns – „das war eine große Überraschung für mich. Die sind extra mit dem Wohnmobil angereist.“

Erinnerungsstück: Andre Sperl mit dem Trikot vom Halbfinale in Hamburg.

Trotz der lautstarken Unterstützung endete die spektakuläre Pokal-Reise der Melsunger schon am ersten Abend. Nachdem sie in den Runden zuvor mit Nettelstedt, Minden und Rheinhausen bereits drei Erstligisten ausgeschaltet hatten, war gegen den Tusem Endstation: Unter dem Strich stand für den Klub um den rührigen Manager Herbert Rausch eine 17:22-Niederlage. „Wir waren ziemlich nervös“, so Horstmann. „Wenn wir anfangs nicht so viel Respekt gehabt hätten, hätten wir das Spiel auch gewinnen können“, ist Andre Sperl bis heute überzeugt. Der ehemalige Linksaußen erinnert sich noch an einige verworfene Siebenmeter seines Teams – wiederholt fand der unterklassige Vertreter in Torwart-Legende Stefan Hecker seinen Meister.

„Die Vorzeichen waren für uns auch nicht gut“, betont das damalige Rückraum-Talent Uwe Findeisen rückblickend. Kurz vor dem Finalturnier hatte sich der Halblinke Rene Croy einen Mittelfußbruch zugezogen. Ausgerechnet Croy. „Er war eine ziemliche Nummer“, stellt Horstmann klar.

Wegen des Ausfalls vom Melsunger Torjäger war Alexander Fölker besonders gefordert – im Alter von 40 Jahren. Der Rumäne litt zwar unter den Folgen einer Schulter-OP, brachte aber seine ganze Erfahrung ein. „Bei Alex war der Ball sicher“, erklärt Sperl.

Damals einer der Jüngsten: Uwe Findeisen.

Je länger die Partie dauerte, desto besser waren die Nordhessen im Spiel. „Wir haben gekämpft wie die Verrückten“, sagt Findeisen. Im zweiten Abschnitt gelang es der MT, durch Horstmann zum 17:17 auszugleichen. Dann aber traf nur noch der Tusem mit seinem Topmann Alexander Tutschkin.

Am Abend gab es ein Bankett in dem Hotel, wo die vier Teilnehmer untergebracht waren. Sperl schmunzelnd: „Wir haben die Chance genutzt, das eine oder andere Bier mehr zu trinken.“ Auch die ebenfalls ausgeschiedenen Wallauer sollen etwas länger an der Theke geblieben sein. Nur die Essener und der spätere Sieger Magdeburg verließen die Party frühzeitig.

Horstmann, zu dieser Zeit an einer Schule in Bad Hersfeld als Referendar tätig, hatte sich für den Spieltag extra frei nehmen müssen. Das Finale fand dann am Maifeiertag statt. Die Melsunger Akteure brachen mit ihren Partnerinnen am nächsten Morgen „mit mehr oder weniger offenen Augen“ (Sperl) in Hamburg zu einer Hafenrundfahrt auf. Anschließend schaute sich das MT-Team noch das Endspiel in der Alsterdorfer Sporthalle an.

„Das ganze Turnier war ein Highlight für uns. Wir haben das richtig genossen“, erklärt Findeisen. Er war mit 22 Jahren damals einer der jüngsten Spieler im MT-Kader, hatte aber immer die volle Unterstützung von erfahrenen Kollegen wie Fölker, Laisvidas Jankevicius und Sandor Balogh. „Wir hatten eine gigantische Stimmung im Team.“ Die die Mannschaft heute vor 25 Jahren bis zum Final Four nach Hamburg gebracht hatte.

Das Melsunger Aufgebot für den Halbfinale in Hamburg: Tor: Harald Birk, Frank Lengemann Rückraum: Alexander Fölker, Uwe Findeisen, Ralf Horstmann, Laisvidas Jankevicius, Matthias Gens. Außen: Andre Sperl, Mario Lubadel, Rene Krüger, Lars Siebert. Kreis: Marco Göbel, Sandor Balogh. (Björn Mahr)

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