Zu hohe Belastung: Experte Daniel Stephan hält nichts von Playoff-Runde

Bleibt trotz der Ausfälle entspannt: Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Foto: Fischer

Kassel. „Das war für uns alle ein Schock.“ Johannes Sellin, Nationalspieler vom Handball-Bundesligisten MT Melsungen, war dabei, als sich sein Klubkamerad Michael Allendorf beim Abschlusstraining des ersten EM-Vorbereitungslehrgangs in Berlin verletzte.

„Da hatten wir allerdings noch die Hoffnung, dass es nicht so schlimm sein würde“, fügt Sellin hinzu. Aber es war schlimm: Sehnenabriss in der Hüftmuskulatur.

Damit erreichte Bundestrainer Dagur Sigurdsson eine weitere Hiobsbotschaft zwei Wochen vor Beginn der Europameisterschaft in Polen (15. bis 31. Januar). Zuvor hatten Uwe Gensheimer , für den nun Rückraumass Steffen Weinhold das Kapitänsamt übernimmt, und Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen jeweils wegen Wadenverletzungen absagen müssen. Da auch Kiels Jungstar Rune Dahmke zuletzt unter Sprunggelenksproblemen litt, ist Sigurdsson in den Tests auf linksaußen zum Improvisieren gezwungen.

Heute geht es in der Porsche Arena in Stuttgart gegen Tunesien (20.15 Uhr/live bei Sport 1), am kommenden Samstag und Sonntag warten jeweils ab 15 Uhr in der Kasseler Rothenbach-Halle beziehungsweise in der Tui-Arena in Hannover Prüfungen gegen Island.

Wegen der Ausfälle im DHB-Team werden jetzt wieder Stimmen lauter, wonach die Belastung für die Bundesliga-Profis verringert werden muss. Wir haben Daniel Stephan, Welthandballer von 1998 und heute Abend beim Länderspiel als TV-Experte für Sport 1 dabei, zu diesem und anderen Themen befragt.

Die Situation

In dieser Spielzeit kommen die Top-Spieler unter Umständen auf mehr als 60 Pflichtspiele. Das liegt unter anderem daran, dass die Champions League in Vorrundengruppen mit je acht Teams erstmals losgelegt hat. „Die Königsklasse wurde aufgebläht“, bedauert Daniel Stephan. Zur nächsten Saison wird das Konzept vielleicht wieder geändert. „Da blickt keiner mehr durch.“

Die Ideen

Fachleute bringen immer neue Vorschläge. Einige fordern eine Verkleinerung der Liga: nur 16 statt 18 Teams. Dazu sollen die Entscheidungen dann in einer Playoff-Runde fallen. Andere sprechen sich dafür aus, dass die Teams noch mehr Akteure pro Partie einsetzen können: 16 statt bislang 14.

„Es ist seit zehn, 15 Jahren immer die gleiche Leier. Die Belastung ist natürlich hoch, denn das Spiel ist schneller geworden und die Jungs müssen viel athletischer sein“, sagt der frühere Lemgoer Superstar Stephan. Er hält jedoch nichts von Ideen wie Playoffs oder 16 Spielern auf dem Spielbericht. Das Problem muss aus Sicht des 42-Jährigen international gelöst werden. Damit spielt er darauf an, dass der europäische Verband den Terminplan vorgibt. Beispielsweise müssen Champions-League-Teilnehmer immer im Zeitraum von mittwochs bis sonntags ihre Begegnungen über die Bühne bringen. Stephan: „Ich würde die Rückkehr zu Vierergruppen begrüßen.“

Das Nationalteam

Sigurdsson hat in seinem 28er-Aufgebot, aus dem er sein EM-Team bestücken muss, drei gelernte Linksaußen: Nun fallen zwei aus, der dritte ist nicht ganz fit. „Für die Zusammenstellung darf man den Bundestrainer nicht kritisieren“, stellt Daniel Stephan klar. Er lobt den Isländer für den Umgang mit der schwierigen personellen Situation: „Er macht nicht auf Mitleid, obwohl ihm mit Gensheimer und Groetzki zwei Führungspersönlichkeiten fehlen.“

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