Interview: Emir Kurtagic, Trainer des VfL Gummersbach, über den Höhenflug seines Teams und Gegner Melsungen

„Ich versuche, die innere Ruhe zu wahren“

Mit seiner großen Liebe erfolgreich: Emir Kurtagic, Trainer des VfL Gummersbach, dessen Vertrag bis 2017 verlängert wurde. Foto: Fischer

gummersbach. Wer hätte das gedacht: Wenn die MT Melsungen am Samstag beim VfL Gummersbach antritt (19 Uhr, Schwalm-Arena), treffen im Verfolgerduell der Bundesliga zwei der erfolgreichsten Teams der letzten Wochen aufeinander. Eine Entwicklung, für die beim VfL Trainer Emir Kurtagic verantwortlich ist. Und die für den 34-Jährigen, wie er im Interview offenbart, keineswegs abgeschlossen ist.

Herr Kurtagic, 20:16 Punkte nach 18 Spielen bedeuten die beste Hinrunde des VfL, seit Sie dort Trainer sind. Wie erklären Sie sich diese Bilanz einer Mannschaft, die zuvor Stammgast im Abstiegskampf war?

Emir Kurtagic: Wir haben bei der Zusammenstellung des Kaders Mut bewiesen, und dieser wurde belohnt. Denn die jungen Spieler wie Julius Kühn, Simon Ernst und Alexander Becker haben richtig gut eingeschlagen und spielen bei uns schon eine ganz wichtige Rolle. Dadurch ist der Kader ausgeglichener besetzt, die Belastung für unsere Top-Spieler geringer.

Seit Sie im Dezember 2011 vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen sind, ging’s mit dem krisengeschüttelten VfL bergauf. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Kurtagic: Der VfL war in der Tat ein angeschlagener Verein mit vielen Problemen und einem Umfeld, das vorher fast nur Erfolg kannte. Ich habe versucht, immer die Ruhe zu bewahren, bei den Spielern auf Disziplin und Einstellung den größten Wert gelegt und ansonsten alles getan, um sie so gut wie möglich auf die Spiele vorzubereiten.

Klingt unspektakulär.

Kurtagic: Ich bin eher ein zurückhaltender Typ, versuche die innere Ruhe zu wahren. Ich glaube, das wirkt sich auch beruhigend auf die Spieler aus.

Was hat sich im Umfeld Ihrer Arbeit geändert? Sie hatten ja bis vor kurzem noch nicht einmal einen Co-Trainer.

Kurtagic: Seit Beginn dieser Saison habe ich einen Co-Trainer und seit letzter Saison einen Athletik-Trainer, zwei hochqualifizierte Kollegen, mit denen ich ein harmonisches Trainerteam bilde. Auch die medizinische Abteilung ist viel besser geworden.

Und was hat die neue Schwalbe Arena bewirkt?

Kurtagic: Sehr viel. Wir konnten unsere Zuschauerzahlen verdoppeln. Jedes Spiel ist in der Region zu einem Event geworden, und die Halle zu einem kleinen Tempel, in dem die Mannschaft eine tolle Unterstützung genießt.

Kopf der Mannschaft ist Torwart Carsten Lichtlein. Wie groß ist sein Anteil am Aufschwung?

Kurtagic: Er ist mit seiner Erfahrung und seinem Siegeswillen, den er auf seine Vorderleute überträgt, ein ganz wichtiger Faktor.

Quasi als Belohnung gab’s die Vertragsverlängerung bis 2017. Die haben Sie mit Freunde und der Feststellung aufgenommen, dass das Team noch lange nicht am Ziel sei. Was ist das Ziel?

Kurtagic: Wir haben viel erreicht, dürfen uns darauf aber nicht ausruhen. Die Mannschaft hat noch viel Potenzial, sodass wir uns Schritt für Schritt dem oberen Bereich annähern können.

Auch der Teilnahme am Europapokal?

Kurtagic: Ja, langfristig.

Sie machen aus Ihrer Liebe für den VfL keinen Hehl. Ist solch’ eine Identifikation erfolgsfördernd?

Kurtagic: Auf jeden Fall, denn ich fühle mich in Gummersbach, meiner Heimat, richtig wohl. Ein großer Vorteil ist, dass ich die Umgebung bestens kenne, denn ich bin hier aufgewachsen, ich habe für den VfL gespielt und von der D-Jugend bis zur 1. Mannschaft alle Teams trainiert.

Könnte zuviel Identifikation auch betriebsblind machen?

Kurtagic: Ja, die Gefahr besteht durchaus. Darum ist es wichtig, dass ich authentisch bleibe, Kritik wie auch Lob nicht zu persönlich nehme.

Nun wird das Spiel gegen Melsungen sogar zum Verfolgerduell. Und der Gegner scheint Ihrer Mannschaft sogar zu liegen ...

Kurtagic: Ein Duell unter solchen Vorzeichen hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten, und wir freuen uns riesig darauf. Trotzdem sehe ich uns nicht als Favorit. Wir haben zwar in Melsungen gewonnen, doch dafür Melsungen letzte Saison auch bei uns. Außerdem hat sich die Mannschaft riesig entwickelt und auch ihre kleine Schwächephase überwunden. Das wird ein enges Spiel, wobei wir alles versuchen werden, die Punkte in Gummersbach zu behalten.

Von Ralf Ohm

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