„Es ist einfach nur die Wahrheit“

Im neuen Buch der Roth-Zwillinge geht es auch um die MT Melsungen

Das war vor einem Jahr: Michael Roth (rechts) und sein Zwillingsbruder Uli Roth waren 2019 in der ZDF-Sendung von Markus Lanz zu Gast. Am 8. September werden sie wieder in der Talkshow zu Gast sein.
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Das war vor einem Jahr: Michael Roth (rechts) und sein Zwillingsbruder Uli Roth waren 2019 in der ZDF-Sendung von Markus Lanz zu Gast. Am 8. September werden sie wieder in der Talkshow zu Gast sein.

Heute erscheint das neue Buch der Roth-Brüder. Darin spricht der ehemalige Melsunger Handball-Trainer Michael Roth auch über seine Zeit bei der MT.

Kassel – In ihrem ersten Buch 2009 haben die ehemaligen Handball-Nationalspieler Michael und Uli Roth ihre besondere Geschichte erzählt. Zeitgleich waren die Zwillinge an Prostatakrebs erkrankt. Sie schafften es, die heimtückische Krankheit zu besiegen. An diesem Freitag erscheint das zweite Buch: Hurra, dass wir noch leben. Der Untertitel: eine Mutmach-Story gegen den Prostatakrebs. Diesmal geht es um das Leben der Brüder danach.

Der ehemalige Melsunger Erfolgstrainer Michael Roth blickt deshalb auch auf seine Zeit als Trainer beim nordhessischen Bundesligisten zurück. Wir haben mit dem 58-Jährigen nicht nur über das Kapitel MT gesprochen.

Was war Ihr erster Gedanke heute Morgen?

Ich hatte erst mal nur Augen für meine bezaubernde Frau. Meine Frage lautet immer: Was ist unser Plan für diesen Tag?

In dieser Woche bringen Sie und Ihr Bruder das zweite Buch nach der überstandenen Krebserkrankung heraus. Welchen Stellenwert hat der Start in den Tag für Sie?

Da mein Bruder und ich schon einiges erlebt haben, auch schon Nackenschläge einstecken mussten, haben wir uns viele Gedanken über das Leben gemacht. Deswegen könnte ich nach dem Aufstehen auch sagen: Hurra, ich bin wieder wach. Ich bin jeden Morgen guter Dinge. Ich merke aber auch, dass immer mehr jüngere Menschen zu schätzen wissen, wie wichtig Gesundheit für das Leben ist.

Wie sehr hat Ihnen die eigene Handball-Karriere geholfen, immer weiter gegen den Krebs zu kämpfen?

Das entscheidende Stichwort ist Ellenbogen-Mentalität. Im Sport hast du immer gewisse Drucksituationen, du stehst permanent in der Öffentlichkeit und musst dich durchsetzen können. Ich habe meinen Spielern immer gesagt: Wenn etwas Negatives passiert, beispielsweise ein Tempogegenstoß vergeben wird, dann musst du trotzdem positiv bleiben und wieder nach vorn schauen.

Es geht in Ihrem neuen Buch auch um Ihr Leben nach der Krankheit. Das heißt in Ihrem Fall: ganz viel MT Melsungen?

Ich war acht Jahre als Trainer in Melsungen aktiv, stand dort zehn Jahre unter Vertrag. Natürlich ist die MT ein Teil meiner Geschichte. Ich widme dieser Zeit ein großes Kapitel.

Und wie blicken Sie zurück?

Zweigeteilt. Einerseits war es für mich wie ein Sechser im Lotto. Ich habe die Chance bekommen, einiges zum Besseren zu verändern – und wir haben zusammen auch viel erreicht. Nordhessen wurde für mich zur Heimat. Ich habe mich in Kassel sehr wohlgefühlt und wäre auch gern dortgeblieben, weil ich mit allen Menschen sehr gut zurechtgekommen bin.

Und andererseits?

Da ist der Rauswurf. Es war nicht korrekt, wie man mit mir umgegangen ist. Solch einen Abgang hatte ich nicht verdient. Der abrupte Abschied hat mich sehr getroffen. Das war eine der größten Enttäuschungen in meinem Leben. Vor allem, weil ich mich nicht danach nicht dazu äußern durfte. Es ist aber jetzt kein Nachtreten. Es ist einfach nur die Wahrheit.

Wie ist das Verhältnis heute zum Bundesligisten MT?

Zur Aufsichtsratsvorsitzenden Barbara Braun-Lüdicke, mit der ich mich ausgesprochen habe, habe ich genauso noch Kontakt wie zu einigen Spielern. Ich habe meinen Frieden mit der MT geschlossen. Es gibt ja auch Positives. Wenn es damals nicht zur Trennung gekommen wäre, hätte ich wohl meine jetzige Frau nicht kennengelernt. Ich hätte nicht die fantastischen Reisen nach Peru und Südafrika gemacht, und ich hätte nicht als Trainer für Sydney und Berlin gearbeitet. Ich werde den Weg der Melsunger dennoch immer weiter verfolgen.

Nach dem neuesten Stand wird im Oktober wieder in der Bundesliga um Punkte gekämpft. Weshalb ist ein baldiger Start so wichtig?

Der Handball driftet immer weiter in den Hintergrund. Er droht von der Bildfläche zu verschwinden. Wir haben jetzt schon eine halbe bis dreiviertel Generation verloren.

In ein paar Wochen werden Sie Nationaltrainer Bahrains. Was versprechen Sie sich von der neuen Aufgabe?

Als die Anfrage kam, habe ich erst mal kurz geschmunzelt. Dann habe ich mich aber näher damit beschäftigt, und mein Interesse war schnell geweckt, weil Bahrain für die WM in Ägypten und die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert ist. Für mich ist es eine tolle Geschichte, dass ich nach den Sommerspielen 1984 in Los Angeles, wo ich als Spieler dabei war, nun noch einmal als Trainer zu Olympia komme. Ich freue mich total auf diese Aufgabe. Zwar hatte ich auch zwei, drei andere Angebote, aber die waren nicht wirklich interessant. Durch Corona sind die Vereine auch sehr vorsichtig geworden.

Das klingt so, als hätten Sie bald genügend Stoff für eine Autobiografie.

Es ist schon etwas Besonderes, zwei Bücher geschrieben und veröffentlicht zu haben. Und so ein Buch bleibt ja auch über den Tod hinaus.

Hinweis: „Hurra, dass wir noch leben“ - an diesem Freitag erscheint im ZS Verlag das zweite Buch von Michael und Uli Roth. Unterstützung erhielten sie von Autor Udo Ludwig. 192 Seiten. Preis: 22,99 Euro. ISBN: 978 - 96584 - 070 - 6. (Björn Mahr)

Zur Person: Michael Roth

Michael Roth (58) spielte während seiner aktiven Karriere unter anderem für Großwallstadt, Eitra und Essen. Als Handball-Nationalspieler wurde er 1984 Vize-Olympiasieger. Nach Ende seiner Spielerlaufbahn wurde er Trainer - die Stationen: Kronau-Östringen, Großwallstadt, Wetzlar, MT Melsungen, Füchse Berlin. Zweimal betreute er die Mannschaft der Uni Sydney unentgeltlich bei der Klub-WM. Ab dem 1. Oktober wird Roth Nationaltrainer Bahrains. Roth ist in zweiter Ehe mit Frau Katrin verheiratet und lebt in Hamburg. Er unterstützt diverse Initiativen, die sich mit dem Kampf gegen den Krebs beschäftigen. www.roth-zwillinge.de und www.urologie-fuer-alle.de

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