Rückblick auf die Höhepunkte des Abends

Beim Sieg gegen den Meister: MT Melsungen immer einen halben Schritt voraus

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Außer Rand und Band: Melsungens Kapitän Michael Müller und Torjäger Julius Kühn (vorn von links) werfen im Überschwang der gefühle ihre Arme um Maskottchen Henner. Auch ihre Kollegen feiern den Sieg über den Meister ausgelassen.

Kassel. "Wir haben Weltklasse verteidigt", lobt MT-Trainer Michael Roth sein Team. Gegen den Deutschen Meister präsentieren sich die Melsunger in Galaform. Die Höhepunkte des Spiels.

Es war vielleicht die Szene dieses Handball-Abends in der Rothenbach-Halle. Andy Schmid prellt in seiner typischen Art wieder und wieder den Ball zu Boden. Mal macht der Regisseur des amtierenden Bundesliga-Meisters Rhein-Neckar Löwen dabei einen kurzen Schritt nach links, mal einen nach rechts. Dem Schweizer fällt eigentlich immer etwas ein, wie er die gegnerische Deckung überlistet. Aber jetzt? Die Abwehrspieler der MT Melsungen sind in dieser 42. Minute einmal mehr so schnell auf den Beinen, dass sich für Schmid weder ein Anspiel an den Kreis noch eine gemeinsame Aktion mit einem der beiden Halben anbietet. Letztlich muss Patrick Groetzki, der Rechtsaußen der Löwen, aus schwierigem Winkel werfen - und scheitert am erneut starken Torwart Nebojsa Simic.

Ja, den Melsungern ist etwas gelungen, was so viele andere Teams vor ihnen vergeblich versucht haben: Sie haben den Meister beim 29:26-Heimsieg entzaubert. Lediglich die SG Flensburg-Handewitt hatte Anfang September den Mannheimern eine Niederlage beigebracht. „Ich habe es schon lange nicht mehr gesehen, dass die Löwen einmal so an einem Gegner verzweifelt sind“, stellte der neunfache MT-Torschütze Julius Kühn stolz fest.

Trainer Michael Roth ging sogar noch weiter: „Wir haben weltklasse verteidigt. So wie wir zurückgekommen sind, war das sensationell.“ Mit 3:8 lagen die Nordhessen bereits hinten, ehe sie noch vor dem Wechsel die Partie gedreht hatten.

Höhepunkte dieses Abends: Melsunger Unterzahlspiel

Nein, die MT spielte natürlich nicht 60 Minuten mit einem Mann weniger. Aber die Löwen wechselten - so wie sie es gern und oft machen - bei Ballbesitz für den Torwart häufig einen weiteren Angreifer ein - für eine 7:6-Konstellation. Nur: Dieser vermeintliche Vorteil fiel nicht wirklich auf. „Die Melsunger waren uns immer einen halben Schritt voraus“, bekannte Gästecoach Nicolaj Jacobsen ernüchtert, „wir hatten sehr gut angefangen, aber als wir in Überzahl waren, gab es einen Knick in unserem Spiel.“

Die Faust geballt: MT-Rechtsaußen Tobias Reichmann bejubelt eines seiner fünf Tore.

Melsunger Siegeswille

„Den Grundstein zum Sieg haben wir mit der aggressiven Abwehr und einem überragenden Torwart gelegt“, lobte Rechtsaußen Tobias Reichmann. Auch wenn es zunächst nicht rund lief - der Mannschaft war von der ersten Sekunde an anzumerken, dass sie die Überraschung schaffen wollte. Felix Danner, wichtige Stütze in der Defensive neben Finn Lemke und Philipp Müller, fing in der 18. Minute gekonnt einen Diagonalpass von Schmid auf Gudjon Valur Sigurdsson ab. Kühn warf sich später nach einem missglückten MT-Zuspiel auf einen Abpraller und behauptete damit das Leder vor seinem Nationalmannschaftskollegen Hendrik Pekeler.

Melsunger Party

Schon nach der Aufholjagd im ersten Abschnitt verfolgten fast alle Zuschauer vorübergehend die Partie im Stehen. Und laut waren sie auch. „Von mir aus kann es gern immer lauter werden“, sagte Kühn schmunzelnd. „Die Fans geben uns einen großen Schub“, ergänzte Reichmann.

Als die Schlusssirene ertönte, stürzten einige Spieler auf Simic, andere erdrückten förmlich das MT-Maskottchen Henner. Der Schlussmann aus Montenegro nahm das Mikrofon von Pressesprecher Bernd Kaiser und bedankte sich auf Deutsch bei den Anhängern für die großartige Unterstützung. „Wir sind der Meisterbesieger“, schrie er seine ganze Freude heraus.

Melsunger Bodenhaftung

Natürlich kosteten sie den Erfolg voll aus. „Das waren Big Points“, erklärte Kapitän Michael Müller. Klar, mit dem Sieg bleibt Melsungen in der Spitzengruppe. Zudem sorgten die Nordhessen für neue Spannung im Titelkampf - Flensburg ist nun dicht an den Badenern dran. Allerdings hoben die MT-Profis im Moment des Glücks nicht ab. „Die Zähler sind wenig wert, wenn wir in Erlangen nicht nachlegen“, betonte Reichmann.

Nach einem freien Wochenende beginnen die Melsunger am Montag mit der Vorbereitung auf das Spiel am Samstag, 25. November, bei den Franken.

Heimspiel: 1:0 für die Langschläfer

Trotz der ersten Pflichtspiel-Niederlage seit mehr als zwei Monaten hatte Oliver Roggisch seinen Humor nicht verloren. „Wenn bei uns morgen um 5.30 Uhr schon wieder der Wecker klingelt, dann drehen sich die Melsunger Philipp und Michi Müller noch einmal um“, sagte der Sportliche Leiter der Rhein-Neckar Löwen nach dem Auftritt in Kassel. Die eher spaßige Bemerkung hatte aber einen ernsten Hintergrund. Die Mannheimer stecken im Reisestress. Am Samstag bestreiten die Löwen das vierte Auswärtsspiel innerhalb von acht Tagen: Leipzig, Barcelona, Kassel und nun Skopje/Mazedonien.

„Das ist unverantwortlich“, sagte MT-Kapitän Michael Müller. Der frühere Löwen-Spieler fühlte mit ehemaligen Weggefährten: „Es ist klar, dass den Jungs jetzt ein bisschen der Saft fehlt. Ich ziehe den Hut vor den Leistungen der Löwen.“ Ob Michi Müller seinem früheren Mitspieler Oli Roggisch gesagt hat, dass er dieses Wochenende komplett frei hat und ausschlafen kann, ist nicht bekannt.

MT Melsungen gewinnt gegen Rhein-Neckar-Löwen

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