Eine Ursachenforschung

„Das war inakzeptabel“ - Klare Worte nach Pleite der MT in Wetzlar

Redebarf: Meinungsverschiedenheiten wie hier zwischen Melsungens Timm Schneider (links) und Wetzlars Philipp Pöter gab es selten. Foto: dpa

Wetzlar. Dass Derbys in der Handball-Bundesliga ganz anders sein können, zeigte sich bei der 22:27 (7:13)-Niederlage der MT Melsungen bei der HSG Wetzlar.

Zum Vergleich ein typisches Derby: enger Spielverlauf, aufgeheizte Stimmung – und am Ende besiegte die SG Flensburg-Handewitt hauchdünn den schleswig-holsteinischen Rivalen THW Kiel.

Anders das Derby der MT: Speziell in der ersten Hälfte enttäuschten die Gäste auf ganzer Linie.

MT-Trainer Michael Roth sprach danach von einer „sehr, sehr schlechten Leistung“. Manager Axel Geerken fand sogar nur ein Wort: „Inakzeptabel.“ Eine Erklärung für den schwachen Auftritt drei Tage vor dem Europapokal-Heimspiel gegen Benfica Lissabon (Samstag, 19.30 Uhr, Rothenbach-Halle Kassel) hatten die beiden Verantwortlichen nicht.

Eine Ursachenforschung:

Mangelnde Körpersprache

Was Wetzlars Philipp Weber teilweise veranstaltete, war beeindruckend: Er sprang hoch. Er warf. Er traf. Er jubelte. Er posierte vor den eigenen Fans. Er ließ sich feiern.

Einen Spieler mit dieser Präsenz vermissten die 100 mitgereisten Melsunger Fans bei ihrem Team vergeblich. Einzig Philipp Müller versuchte wiederholt, seine Kollegen aus der Lethargie zu wecken. Doch Besserung stellte sich bis zum Seitenwechsel nicht wirklich ein. „Wir hatten nach der Vorbereitung eigentlich ein besseres Gefühl“, bedauerte Youngster Johannes Golla.

Fehlende Balance

Aus früheren Vergleichen mit der HSG wussten die MT-Akteure: Sie müssen in der Rittal-Arena stets mit Provokationen der gegnerischen Fans, Buh-Rufen und gellenden Pfeifkonzerten rechnen – und deshalb stets kühlen Kopf behalten. Jetzt spielten sie zu kühl., ohne Emotionen. Was zur Folge hatte: Sie gingen nicht bis zur Pause nicht beherzt in die Zweikämpfe.

Lahmender Angriff

Wer die kläglichen Offensivbemühungen der Gäste im ersten Durchgang betrachtete, musste sich eine Frage stellen: Wie konnte dieses Team in den Testspielen zuvor fast regelmäßig mehr als 30 Tore erzielen? Das Spiel wurde nicht in die Breite gezogen. „Wir haben die Wetzlarer Abwehr nicht in Bewegung bringen können“, stellte Kreisläufer Felix Danner, nach mehrwöchiger Verletzungspause erstmals wieder dabei, enttäuscht fest. Und Roth ergänzte: „Wir hatten eine schlechte Spielsteuerung. Wir standen wie das Kaninchen vor der Schlange.“

Fehlende Risikobereitschaft

Es ist nicht so, dass Melsungens Coach nicht früh reagiert hätte. Er beorderte für Timm Schneider und Michael Müller zwischenzeitlich Patrik Fahlgren und Dener Jaanimaa aufs Feld. Doch selbst als der Rückstand auf sieben Treffer (5:12) nicht angewachsen war, verzichtete er noch auf Momir Rnic. Da der Serbe nicht gut decken kann und der Weg von seiner Halbposition in der ersten Hälfte bis zur Bank zu weit war, scheute der MT-Trainer das Risiko. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte, denn Rnic strahlte im zweiten Abschnitt mehr Gefahr aus als seine Kollegen zuvor.

Stark verteidigende HSG

Zwar standen auch die MT-Akteure Philipp Müller und Golla nicht schlecht im Mittelblock, einen hervorragenden Eindruck hinterließen aber die beiden erfahrenen Wetzlarer Innenverteidiger Evars Klesniks und Stefan Kneer. „Sie waren schnell auf den Beinen“, befand ihr Coach Kai Wandschneider, „das hat uns viel Selbstvertrauen gegeben.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.