Die Innovationen des Dr. Brack

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Dr. Rolf Brack.

Balingen. MT-Gegner Balingen/Weilstetten glänzt mit bestem Saisonstart seit dem Aufstieg 2006. „Taktik ist etwas für schwächere Mannschaften, die dadurch an Qualität gewinnen“, sagt Trainer Dr. Rolf Brack.

Und meint seine eigene Mannschaft, die HBW Balingen-Weilstetten. Eine ohne herausragende Individualisten, die trotzdem seit ihrem Aufstieg 2006 in der Handball-Bundesliga munter mitmischt. Und in der aktuellen Saison sogar ihren besten Saisonstart hingelegt hat, der nun mit einem weiteren Sieg gegen die MT Melsungen „abgesichert werden soll“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, Sparkassen Arena).

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Wie gewohnt mit viel Einsatz, Disziplin - und taktischen Finessen. Auf den Überraschungseffekt kommt es an, der in den gegnerischen Abwehrreihen Verwirrung stiftet und Bracks Team häufig den entscheidenden „Wettbewerbsvorteil“ verschafft.

Mit den taktischen Finessen seines Trainers bestens vertraut: HBW-Spielmacher Benjamin Herth.

Dabei hat sich der Sportwissenschaftler der Universität Stuttgart längst den Ruf des Taktik-Pioniers erarbeitet. Sein von ihm zwar nicht erfundenes, aber filigran ausgebautes System des siebten Feldspielers etwa, ist von vielen Mannschaften übernommen worden. Dabei wird der Torwart durch einen weiteren Feldspieler ersetzt. Für viele Trainer eine Alles-oder-Nichts-Maßnahme in den Schluss-Sekunden, für den 56-Jährigen ein Mittel in jeder Phase des Spiels und über einen längeren Zeitraum.

Voraussetzung: Die Minimierung des Risikos des leeren Tores durch Disziplin in der Offensive, die Ballverluste fast ausschließt. Also darf der Mann mit dem Leibchen nicht aufs Tor werfen und hat den kürzesten Weg zur Bank, um bei Abschluss des Angriffs so schnell wie möglich die Einwechslung des Torwarts zu ermöglichen.

Auf eine weitere taktische Innovation hat er sogar das Patent: eine Angriffsvariante mit drei Kreisläufern. Die feierte ihre Feuertaufe beim 25:23 in Magdeburg, wo sie fast 30 Minuten erfolgreich zur Anwendung kam. Bracks System mit zwei Kreisläufern ohne Außen hat sich mittlerweile etabliert, nun kommt ein dritter durch das Auflösen einer weiteren Position hinzu. Drei, die an den Nahtstellen der gegnerischen Abwehr bohren oder durch Kreuzbewegung in der Nahwurfzone die Zuordnung der Gegenspieler erschweren. Um Lücken für die Rückraumspieler oder für ein Anspiel an den Kreis zu schaffen.

Damit lässt sich das Fehlen eines echten „Shooters“ aus der zweiten Reihe kompensieren. Genau der fehlt den Balingern, doch Brack macht aus der Not eine Tugend. Und seine Jungs ziehen mit. Allen voran Spielmacher Benjamin Herth, der in dieser Saison gar zu seinem Länderspiel-Debüt kam. Taktisch macht dem Mittelmann dank seines einfallsreichen Chefs ohnehin niemand etwas vor. Die nächste Neuheit kommt bestimmt. Und sei es, die Taktik des siebten Feldspielers mit der des dritten Kreisläufers zu verbinden. Vielleicht schon gegen Melsungen.

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