„Das Team hat sich gut gefunden“

Interview mit dem deutschen Co-Trainer: Ex-Melsunger Erik Wudtke blickt auf Viertelfinale der Handballer gegen Ägypten

Ein ehemaliger und ein aktueller Melsunger: Co-Trainer Erik Wudtke (rechts) mit Timo Kastening.
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Ein ehemaliger und ein aktueller Melsunger: Co-Trainer Erik Wudtke (rechts) mit Timo Kastening.

Ein Schritt bis zum Halbfinale – die deutschen Handballer können heute ab 13.45 Uhr deutscher Zeit (ZDF und Eurosport) beim olympischen Turnier mit einem Sieg gegen Ägypten in die Vorschlussrunde einziehen. Wie schwer es gegen die Nordafrikaner wird, weiß Erik Wudtke sehr gut. Wir haben mit dem deutschen Co-Trainer und früheren Melsunger gesprochen.

Kassel – Ein Schritt bis zum Halbfinale – die deutschen Handballer können heute ab 13.45 Uhr deutscher Zeit (ZDF und Eurosport) beim olympischen Turnier mit einem Sieg gegen Ägypten in die Vorschlussrunde einziehen. Wie schwer es gegen die Nordafrikaner wird, weiß Erik Wudtke sehr gut. Der einstige Kapitän der MT Melsungen beschäftigt sich als deutscher Co-Trainer intensiv mit den Gegnern der DHB-Auswahl – und deswegen nun mit den Ägyptern.

Wir haben vor dem Viertelfinale mit dem 49-Jährigen gesprochen.

Wie fällt Ihr Fazit nach der Vorrunde aus?

Positiv. Mit dem Einzug ins Viertelfinale ist das erste Zwischenziel erreicht. Wir hatten zwei gute Spiele gegen Frankreich und Spanien, die wir knapp verloren haben, was schon eine kleine Herausforderung für unsere Moral war. Gegen die Argentinier und die Norweger ist es uns eindrucksvoll gelungen, wieder aufzustehen. Das letzte Duell gegen Brasilien war für uns so etwas wie ein K.o.-Spiel. Es war nicht einfach. Aber mit einer Leistungssteigerung gegen Ende der ersten Hälfte haben wir schon eine Vorentscheidung geschafft. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel einigermaßen souverän nach Hause gebracht. So können wir jetzt recht selbstbewusst ins Viertelfinale gehen.

Was macht die deutsche Mannschaft nun besser als zu Beginn des olympischen Turniers?

Große Unterschiede gibt es da nicht. Wir stellen eine sehr gute Abwehr und verteidigen sehr engagiert. Und ich finde auch, dass wir die Mannschaft sind, die am meisten von ihrem Tempospiel profitiert. Das Team hat sich gut gefunden, ist gut eingespielt.

In der Olympia-Vorbereitung gab es schon ein Kräftemessen mit Ägypten. Inwieweit erleichtert der Test nun die Einstimmung auf das Viertelfinale?

Es ist überhaupt nicht leichter. Das ist für alle Gegner, die da jetzt kommen, vollkommen gleich. Wir analysieren sehr detailliert die Auftritte, die die Ägypter in der Gruppenphase hatten. Ein bisschen werden auch die Eindrücke aus dem Test in Nürnberg einfließen, aber es war nur ein Vorbereitungsspiel. Es macht keinen Sinn, sich zu sehr darauf zu verlassen. Gleichwohl haben wir gezeigt, dass wir sie schlagen können. Und dass wir auch mit einer offensiven Abwehr gegen die Ägypter Akzente setzen können. Grundsätzlich machen wir jetzt nichts anders als vor jedem anderen Spiel. Im Trainerteam nehmen wir den Gegner taktisch genau unter die Lupe. Daraus erarbeiten wir dann einen Matchplan.

Worauf kommt es gegen die Ägypter an?

Ihre Stärken liegen im Angriff, im Positionsspiel. Sie gehen da ein hohes Tempo. Gutes Stoßen und Rückstoßen.

Das bedeutet?

Sie haben sehr glaubhafte Aktionen in den 1:1-Situationen. Zudem sind sie physisch und athletisch stark und haben eine gefährliche Rückraum-Achse. Da müssen wir uns auf harte Distanzwürfe einstellen. Ein Schlüssel zum Erfolg wird deshalb sein, dass wir in der Abwehr gemeinsam mit unseren Torhütern ein Bollwerk errichten, um die Ägypter mit ihrer Physis zu stoppen. Darauf müssen wir einen Schwerpunkt legen. Wir müssen sie zu technischen Fehlern zwingen, damit sie etwas von ihrer Sicherheit verlieren. Dann müssen wir die Schwächen des Kontrahenten auch ausnutzen und unsere Chancen konsequent verwerten.

Für Sie ist Olympia Neuland. Inwieweit können Sie bei dieser Vielzahl von Partien die Sommerspiele überhaupt genießen?

Das kann ich erst, wenn das Turnier zu Ende ist und ich mir die Spiele noch einmal auf Video anschaue. Ich bekomme von den anderen Sportarten nicht so viel mit, weil ich doch sehr stark mit der Videoanalyse beschäftigt bin oder mit den Spielern arbeite, die weniger Einsatzzeit bekommen habe. Mein Terminplan ist ziemlich voll, die Nächte sind relativ kurz. Und mit Ausnahme von der Kantine, wo ich andere Sportler erlebe, bekomme ich recht wenig mit. Zwar laufen im Hintergrund ARD und ZDF, darauf kann ich mich aber nicht wirklich konzentrieren. Das ist aber nicht dramatisch. Ich bin wegen des Handballturniers hier. Darauf liegt mein Fokus. Ich will mit dem Team erfolgreich sein. Genießen kann ich, wenn wir etwas aus Edelmetall mit nach Hause bringen. (Björn Mahr)

Zur Person: Erik Wudtke

Erik Wudtke (49) ist seit 2020 als Co-Trainer der Handball-Nationalmannschaft tätig. Parallel ist der gebürtige Aachener auch für das Jugend-Team verantwortlich. Während seiner aktiven Karriere war Wudtke unter anderem von 2001 bis 2005 Spieler der MT Melsungen und führte das Team als Kapitän in die 1. Bundesliga. Wudtke ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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