Handball-Bundesligist Melsungen

MT-Melsungen-Manager Axel Geerken im Interview: Die Saison ist sehr unrund

Die MT Melsungen im ersten Saison-Heimspiel mit Kai Häfner (rechts, gegen Lemgos Isaias Guardiola).
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Da waren Zuschauer erlaubt: Die MT mit Kai Häfner (rechts, gegen Lemgos Isaias Guardiola).

Handball-Bundesligist MT Melsungen tut sich in dieser Saison nach wie vor schwer. Wir haben mit Manager Axel Geerken über die aktuelle Lage gesprochen.

Kassel – Für knapp zwei Wochen ruht der Spielbetrieb in der Handball-Bundesliga. Etliche Profis sind mit ihren jeweiligen Nationalmannschaften im Einsatz. Bei der MT sind neben Trainer Gudmundur Gudmundsson noch sieben Akteure unterwegs: Kai Häfner, Julius Kühn, Timo Kastening, Silvio Heinevetter, Marino Maric, Domagoj Pavlovic und Nebojsa Simic. Wir haben über die aktuelle MT-Lage mit Manager Axel Geerken gesprochen.

Herr Geerken, in den kommenden Tagen kämpfen sechs Melsunger Profis um die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Was überwiegt, der Stolz oder die Sorge?

Wir hatten wegen der WM im Januar eine Phase, die mit einigen Bedenken verbunden war. Doch da lief es dann besser als gedacht. Jetzt sind es kleinere Turniere, und die deutsche Mannschaft spielt in Berlin. Ich habe volles Vertrauen, dass alle Vorgaben gut umgesetzt werden und die Spieler danach gesund zurückkehren werden.

Welchen Stellenwert hätte eine Olympia-Teilnahme für den deutschen Handball und die Bundesliga?

Es wäre sehr wichtig, wenn sich Deutschland für Tokio qualifiziert. An einen Start bei Olympischen Spielen sind immer staatliche Fördermittel geknüpft, und die kommen letztlich der Basis zugute. Ein Erfolg in Berlin ist aber auch wegen des Abschneidens bei der WM sehr wünschenswert – das nackte Ergebnis war ein zwölfter Rang.

Es sind in Deutschland nach wie vor noch keine Zuschauer zugelassen. Wie stellt sich die wirtschaftliche Situation bei der MT aktuell dar?

Nach wie vor schwierig. Es geht leider nur in Verbindung mit Gehaltsverzicht der Spieler. Und die mit Sponsoren vereinbarten Leistungen können wir weiterhin auch nur teilweise erfüllen. Da müssen wir mit Rückerstattungen rechnen beziehungsweise uns um Kompensationen bemühen. Dennoch werden wie diese Saison gut herumbekommen. Allerdings weiß niemand, wie es in einem Jahr aussieht.

MT-Manager: Axel Geerken.

Was meinen Sie damit?

Wir wissen nicht, wie sich die Dauerkarteninhaber verhalten werden. Und: Können die Sponsoren ihr Engagement beibehalten? Es gibt da einige Fragezeichen.

Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass in dieser Saison noch Fans in die Rothenbach-Halle kommen dürfen?

Die Hoffnung habe ich immer. Auch weil wir ein gutes Konzept haben und es schon einmal geschafft haben, ein Spiel mit Zuschauern ohne Probleme über die Bühne zu bekommen. Allerdings haben wir es nicht selbst in der Hand. Nach der letzten Ministerpräsidentenkonferenz habe ich einen Tick mehr Hoffnung als nach den Treffen im Januar. Die Bekanntgabe des Stufenplans nährt ein wenig die Zuversicht.

Inwieweit lassen sich die wechselhaften sportlichen Leistungen mit der fehlenden Unterstützung von den Rängen erklären?

Es ist sicher eine Facette. Man sieht ja, was teilweise für kuriose Ergebnisse zustande kommen. Bei uns bleibt aber auch festzuhalten, dass wir schon ohne Corona keine konstanten Leistungen gezeigt haben. Ich kann nur betonen, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten. Und ich denke, dass eine solche Saison eine Chance bietet, sich zu entwickeln. In den Bereichen Kampfgeist und Bereitschaft haben wir einen Schritt nach vorn gemacht, auch spielerisch gibt es Verbesserung. Wir müssen jedoch die technischen Fehler reduzieren.

Zur Person: Axel Geerken

Axel Geerken (48) kam 2012 als Manager zum Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor war er Geschäftsführer in Gummersbach und in Wetzlar. Als Profi stand der gebürtige Oldenburger bei Wetzlar, Kiel und Großwallstadt im Tor. Geerken ist verheiratet und Vater einer Tochter und eines Sohnes.

Wieso tut sich das Team nach wie vor schwer, Rhythmus aufzunehmen?

Die Saison ist sehr unrund. Sportler brauchen Regelmäßigkeiten, und es ist einfach schwer, wenn du immer wieder mal nicht zwei Wochen miteinander trainieren kannst. Solche Zwangspausen bringen dich aus dem Tritt.

Müssen Sie sich nicht doch die Frage stellen, ob der Kader breit genug aufgestellt?

Egal, was es für eine Saison ist: Wir haben 16 Spieler im Kader. Hier und da ist bei dem einen oder anderen Spieler aber ein Leistungsabfall zu erkennen. Das ist allerdings eher eine Frage für den Trainer. Wir werden jetzt keine Spieler mehr verpflichten und dürften das auch gar nicht.

Die MT ist bekannt dafür, dass sie früh die Weichen für die nächste Saison stellt. Bislang teilte der Klub bis auf die Vertragsverlängerung von Ole Pregler und den Abgang von Felix Danner noch nichts mit. Wie weit sind Sie mit Ihren Planungen?

Wir geben auch weiterhin immer erst etwas bekannt, wenn es feststeht.

Inwiefern befürchten Sie, dass die Bekanntgabe von Neuzugängen für große Unruhe im Melsunger Team sogt?

Das spielt dabei keine Rolle. Wechsel sind in jedem Verein etwas ganz Normales.

Die Saison hat für die MT bereits einige unliebsame Überraschungen gebracht. Welchen Sinn macht es, an den ursprünglich gesteckten Zielen festzuhalten?

Wir haben selbst nie große Ziele vor dieser Runde herausgegeben. Es ist auch jetzt nicht ratsam, Druck aufzubauen. Wir freuen uns einfach zurzeit über jedes Spiel, das wir bestreiten dürfen. Für uns geht es darum, diese schwere Phase zu überstehen.

Dabei dürfte Ihnen insbesondere Timo Kastening viel Freude bereiten. Für seine Verpflichtung hatten Sie einiges an Kritik einstecken müssen.

Wir waren die ganze Zeit von ihm überzeugt. Er hat bewiesen, dass er ein sehr guter Spieler ist. Er fühlt sich bei uns wohl. Mir imponiert die Art und Weise, wie er dem Team immer wieder hilft. (Björn Mahr)

Auch für Pavlovic und Maric geht es um ein Olympia-Ticket

„Wir haben eine Riesenchance“, sagt Domagoj Pavlovic, „aber wir müssen über die drei Tage voll da sein.“ Der Spielmacher vom Handball-Bundesligisten Melsungen ist von morgen bis Sonntag zusammen mit MT-Kollege Marino Maric bei der Olympia-Qualifikation in Montpellier gefordert. Gegner sind neben den gastgebenden Franzosen noch Portugal und Tunesien. Die beiden Erstplatzierten qualifizieren sich für die Sommerspiele in Tokio.

Einen Einsatz in der EM-Qualifikation hatte Melsungens Torwart Nebojsa Simic. Er verlor mit Montenegro in Schweden 24:27. „Bei mir lief es aber ganz gut“, erklärte Simic, dem sogar ein Tor gelang.

Dagagen fiel für MT-Coach Gudmundur Gudmundsson wegen der Corona-Reisebeschränkungen die Reise zum EM-Qualifikationsspiel nach Israel aus. Der Cheftrainer der Isländer kehrt nun am Wochenende nach Deutschland zurück. Kommenden Mittwoch gastiert Melsungen bei der HSG Nordhorn-Lingen.

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