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Interview mit Melsungens Handball-Nationalspieler und Kastening-Ersatz Reichmann: Ich soll mir ja Mühe geben

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Von: Björn Mahr

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An alter Wirkungsstätte zu Gast: Melsungens Tobias Reichmann tritt mit dem DHB-Team in Kiel an.
An alter Wirkungsstätte zu Gast: Melsungens Tobias Reichmann tritt mit dem DHB-Team in Kiel an. © Sascha Klahn

Tobias Reichmann ersetzt bei der WM-Qualifikation der deutschen Handballer den verletzten Melsunger Vereinskameraden Timo Kastening. Wir haben mit Reichmann gesprochen.

Alfred Gislason muss vor den Playoff-Spielen wieder einige Ausfälle verkraften. Da Sebastian Heymann und Fabian Wiede sowie der am gestrigen Montag am Knie operierte Timo Kastening (Kreuzbandriss) absagen mussten, nominierte der Handball-Bundestrainer den Berliner Paul Drux und Kastenings Melsunger Vereinskollegen Tobias Reichmann nach. Vor den Partien gegen die Färöer morgen ab 18.15 Uhr (live bei Sport 1) in Kiel sowie in Torshavn am Samstag ab 20 Uhr (ZDF.de) haben wir mit Reichmann gesprochen, der früher für den THW Kiel im Einsatz war.

Sie haben schon mehr als 100 Länderspiele bestritten. Spüren Sie noch ein Kribbeln, wenn es zur Nationalmannschaft geht?

Ein bisschen Aufregung ist immer dabei. Noch dazu, wenn man den Gegner kaum kennt. Ich freue mich darauf, weil wir vor hoffentlich vielen Zuschauern spielen werden.

Wie schon bei der EM im Januar profitieren Sie davon, dass Ihr Vereinskamerad Timo Kastening ausfällt. Hatten Sie vor Ihrer Abreise noch einmal Kontakt?

Beim letzten Heimspiel der MT haben wir miteinander gesprochen. Es tut mir für ihn sehr leid, dass er so lange ausfällt. Bei der ersten schweren Verletzung in der Karriere weiß man als Spieler nicht, was einen nun alles erwartet. Als ich damals einen Kreuzbandriss erlitten habe, war es ganz anders als bei ihm jetzt. Er muss an Krücken laufen, ich hätte damals noch joggen können. Nun werde ich versuchen, ihn in der Nationalmannschaft und bei der MT bestmöglich zu vertreten.

Was hat er Ihnen mit auf den Weg gegeben?

(schmunzelt) Ich soll mir ja Mühe geben.

Inwieweit ist ein Länderspiel in Kiel für Sie als früherer THW-Akteur noch etwas ganz Besonderes?

Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Ich habe auch noch nie in Kiel mit der Nationalmannschaft einen Auftritt gehabt. Und nachdem ich in den vergangenen Jahren immer als Gegner des THW in der Arena war, freue ich mich, wenn die Zuschauer jetzt mal wieder für mich klatschen werden.

Dürfen Sie sich auf moralische Unterstützung von Familie und Freunden freuen?

Wahrscheinlich. Meine Schwiegereltern waren am Wochenende bei uns in Nordhessen zu Besuch. Jetzt plant meine Frau, mit ihnen und unseren Kindern in ihre Kieler Heimat zu reisen und natürlich auch die Begegnung gegen die Färöer zu schauen. Für meine Frau ergibt sich die Chance, ein paar Freundinnen zu treffen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Partien gegen die Färöer?

Wir wollen nichts anbrennen lassen und eine gute Vorstellung bieten. Am Wochenende habe ich mich schon ein bisschen mit dem Kontrahenten beschäftigt. Rückraumspieler Elias Ellefsen a Skipagötu vom schwedischen Klub IK Sävehof ist beispielsweise nicht zu unterschätzen.

In Kiel wird mit Patrick Wiencek ein Spieler aus der Nationalmannschaft verabschiedet, zu dem Sie auch immer einen guten Draht hatten.

Ja, das stimmt. Wir haben oft zusammen bei den Lehrgängen Darts gespielt und auch sonst viele Spaziergänge unternommen. (schmunzelt) Am Rande der EM 2020 haben wir in Wien schon einige Kaffeehäuser zusammen besucht. Es ist sehr schade, dass er aus dem DHB-Team zurückgetreten ist. Er hätte der Mannschaft noch viel helfen können.

Zur Person: Tobias Reichmann

Tobias Reichmann (33) bestritt bislang 104 Länderspiele für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Der sprunggewaltige Rechtsaußen wurde mit dem DHB-Team 2016 Europameister. In der Bundesliga spielt Reichmann für die MT Melsungen. Zuvor stand er beim polnischen Spitzenklub Kielce unter Vertrag und gewann mit dem Team die Champions League. In der Königsklasse hatte der gebürtige Ost-Berliner auch schon mit dem THW Kiel triumphiert. Der ehemalige Wetzlarer ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

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