„Inzwischen werde ich lächelnd empfangen“

Interview: Michael Müller über seine Rolle in Flensburg, die SG-Fans und Spiel gegen Ex-Klub MT Melsungen

Auf dem Weg zum Tor: Michael Müller (links) gelang gegen Lemgo (hier gegen Andrej Kogut) sein erster Treffer im Trikot der Flensburger.
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Auf dem Weg zum Tor: Michael Müller (links) gelang gegen Lemgo (hier gegen Andrej Kogut) sein erster Treffer im Trikot der Flensburger.

Schlagerspiel in der Handball-Bundesliga: Die MT Melsungen gastiert heute ab 19.05 Uhr in der Flens-Arena beim deutschen Vizemeister SG Flensburg-Handewitt. Für die Melsunger gibt es dabei nicht nur ein Wiedersehen mit ihrem früheren Kreisläufer Johannes Golla, sondern auch mit dem einstigen MT-Kapitän Michael Müller. Wir haben mit ihm gesprochen.

Kassel – Schlagerspiel in der Handball-Bundesliga: Die MT Melsungen gastiert heute ab 19.05 Uhr in der Flens-Arena beim deutschen Vizemeister SG Flensburg-Handewitt. Für die Melsunger gibt es dabei nicht nur ein Wiedersehen mit ihrem früheren Kreisläufer Johannes Golla, sondern auch mit dem einstigen MT-Kapitän Michael Müller. Der mittlerweile 37-Jährige hatte seine Karriere schon beendet, hilft aber bei der personell geschwächten SG aus.

Herr Müller, wie oft mussten Sie sich in den vergangenen Wochen kneifen?

Wieso?

Eine Rückkehr ins Handball-Geschäft gehörte offenkundig nicht zu Ihrer Lebensplanung.

Tatsächlich hatte ich mit dem Handball eigentlich abgeschlossen. Aber als die Anfrage der SG kam, ob ich angesichts einiger personeller Probleme das Team unterstützen kann, brauchte ich nicht lange zu überlegen. Es ist praktisch vor der Haustür, und Flensburg ist auch ein besonderer Verein. Zudem war die Zeit überschaubar.

Also war es eine gute Entscheidung, noch einmal auszuhelfen?

Ich bereue nichts. Es macht mir sehr viel Spaß. Und die Knochen halten auch.

Wie hat es sich angefühlt, als Sie zuletzt Ihr erstes Tor für die SG erzielt haben?

Toll. Die Flens-Arena ist eine geile Halle, da herrscht eine super Stimmung. Das kann ich sagen, auch wenn ich praktisch mein ganzes Handballer-Leben immer auf der Gegenseite stand. Jetzt war es allerdings sehr kurios.

Weshalb?

Bereits beim Spiel gegen Leipzig gab es Sprechchöre „Wir wollen den Müller seh’n“. Da habe ich mich gefragt, ob die Fans das jetzt ironisch meinen. Gegen Lemgo haben sie mich aber wieder gefordert.

Das heißt, das die Flensburger Fans Sie mittlerweile in ihr Herz geschlossen haben?

(lacht) Wir wollen es nicht übertreiben. Sie honorieren einfach, dass ich dem Team in einer schwierigen Phase helfe und es mir nicht ums Geld geht. Sie werden nicht ganz vergessen haben, was alles mal war. Inzwischen werde ich allerdings sogar lächelnd empfangen. So wie ich immer mein Bestes gegeben habe, wenn ich mit einem anderen Team hier zu Gast war, so wollten die Zuschauer immer nur das Beste für die SG.

Jetzt geht es für Sie und die SG gegen Ihren Ex-Klub MT Melsungen. Wissen Sie schon, ob Sie dabei sein werden?

Ich werde mit ziemlicher Sicherheit auf der Bank sitzen. Ob ich auch eingesetzt werde, muss der Trainer entscheiden. Als ich in Berlin aufgehört habe, war mein Abschied sehr kurzfristig gekommen. Jetzt stehe ich definitiv vor einem meiner letzten Spiele in meiner Karriere. Es könnte gegen Melsungen ein schöner Abschluss werden.

Was erwarten Sie von dem Spiel?

Wir hatten trotz der Personalsorgen in den letzten Wochen einen guten Lauf. Es wird ein sehr hartes und enges Duell. Melsungen hat sich gefangen, das Team hat einen sehr guten Kader und macht das richtig ordentlich. Dennoch sollen die Punkte bei der SG bleiben.

Sie waren sechs Jahre für Melsungen im Einsatz und teilweise sogar Kapitän des Teams. Wie intensiv verfolgen Sie noch die Entwicklung bei der MT?

Ich pflege immer noch Kontakte zu alten Kollegen – allen voran Michael Allendorf. Aber auch mit Tobi Reichmann und Physiotherapeutin Jenny Perlwitz schreibe ich immer mal wieder.

Sie leben mit Ihrer Familie in Flensburg. Wie wohl fühlt sich ein gebürtiger Franke an der Förde?

(schmunzelt) Überraschenderweise sehr wohl. Wir sind jetzt fast eineinhalb Jahre hier. Es ist etwas ab vom Schuss. Mit zwei Kindern haben meine Frau und ich aber immer viel um die Ohren. Wir leben in einem Dorf etwas außerhalb von Flensburg. Das passt hier alles. (Björn Mahr)

Zur Person: Michael Müller

Michael Müller (37) spielte von 2013 bis 2019 für die MT Melsungen. Weitere Stationen in der Handball-Bundesliga: TV Großwallstadt, Rhein-Neckar Löwen, HSG Wetzlar, Füchse Berlin sowie aktuell SG Flensburg-Handewitt. 78 Spiele für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte der Rückraummann. Der gebürtige Würzburger ist seit 2020 mit Kaja verheiratet, der Tochter des SG-Geschäftsführers Dierk Schmäschke. Das Paar hat zwei Kinder.

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