Nikolaj Jacobsen blickt auf das Samstagsspiel

Gegner der MT im Interview: „Ich bin hier, um Titel zu holen“

Mit seiner Mannschaft bisher absolut im Soll: Nikolaj Bredahl Jacobsen, der neue Trainer der Rhein-Neckar Löwen. Foto: dpa

Kassel. Nikolaj Jacobsen, Coach der Rhein-Neckar Löwen, blickt im Interview auch auf das Spiel gegen die MT Melsungen am Samstagabend (19 Uhr). Als Trainer betrat er Neuland in der Handball-Bundesliga. Und doch ist Nikolaj Bredahl Jacobsen dort ein alter Bekannter.

Als langjähriger Linksaußen des THW Kiel hat der Däne Titel gehamstert, die als Sterne tätowiert auf seinem Unterarm verewigt sind. Und er machte den Dreher salonfähig. Nun hat der 43-Jährige als Nachfolger von Gudmundur Gudmundsson die Rhein-Neckar Löwen unter seinen Fittichen, mit denen er am heutigen Samstag (19 Uhr Rothenbach-Halle) die Tabellenführung zurück erobern will. Im Interview betont der ehemalige Nationalspieler, dass er nach Deutschland gewechselt ist, um Titel zu holen.

Wie gefällt Ihnen die Bundesliga von der Trainerbank aus? 

Nikolaj Bredahl Jacobsen: Richtig gut. Nach neun Jahren als Trainer in Dänemark war das der richtige Schritt. Ich habe, als ich Kiel verließ, ja bereits angekündigt, dass ich in die Bundesliga zurückkomme.

Was hat sich dort seit 2004, Ihrem Abschied, getan? 

Jacobsen: Das Spiel ist schneller und dynamischer geworden, die Spieler athletischer.

Gibt es jemanden, der Ihre so gefürchtete Drehertechnik weiter entwickelt hat? 

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Jacobsen: Es gibt mittlerweile viele, bei denen der Dreher zum Repertoire gehört. Spieler wie Uwe Gensheimer, Anders Eggert oder Robert Weber können ihn sicherlich besonders gut. Ich war damals einer der ersten, der den Dreher eingeführt hat, heute ist er schon fast nichts Besonderes mehr.

Sie gelten als recht locker im Umgang mit den Spielern. Wo hört für Sie die Lockerheit auf? 

Jacobsen: Kann gut sein, dass ich nach außen locker wirke. Zumindest im Training oder während des Spiels bin ich das eher nicht. Da müssen wir ganz einfach das umsetzen, was für den gemeinsamen Erfolg notwendig ist. Es ist richtig, dass ich die Spieler in Entscheidungsprozesse mit einbeziehe, schließlich sind es erwachsene Menschen, die wissen, was gut für sie ist. Diese Freiheit hört da auf, wo sie ausgenutzt wird. Jeder muss kapieren, wo die Grenze ist.

Trotzdem. Ihre Lockerheit scheint ein adäquates Mittel, um dem Team über die riesige Enttäuschung der verpassten Meisterschaft hinweg zu helfen. 

Jacobsen: Mag sein, dass das ganz gut passt. Doch ich bin, so wie ich bin und habe mein Verhalten nicht wegen dieser Situation geändert. Klar haben die Spieler diese verpasste Chance im Hinterkopf und kriegen sie wohl auch nicht mehr raus. So geht es mir mit dem im Jahre 2000 knapp verlorenen Champions-League-Finale mit Kiel gegen Barcelona. Doch das muss kein Nachteil sein, kann sogar für zusätzliche Motivation sorgen.

Wohl auch, weil sich erneut ein Zweikampf und ein Wettwerfen mit Kiel anbahnt. Wie schätzen Sie die Titelchancen der Rhein-Neckar Löwen ein? 

Jacobsen: Es sieht in der Tat nicht schlecht aus, aber es ist auch erst ein Drittel der Saison gespielt. Wir sehen uns als Außenseiter. Kiel hat wirtschaftlich ganz andere Voraussetzungen, ist personell breiter besetzt und hat einen Kader mit viel mehr Erfahrung.

Ist denn auf Ihrem Unterarm kein Platz mehr für ein weiteres Sternchen? 

Jacobsen: Doch, natürlich - und wenn nicht, benutze ich den anderen Arm. Ich bin hier, um Titel zu holen. Das muss nicht unbedingt gleich die Deutsche Meisterschaft sein. Ich nehme alles, was ich kriegen kann. (lacht)

Wie ist es bisher gelaufen? Ist das Team im Soll? 

Jacobsen: Auf jeden Fall. Es ist eine junge Mannschaft, die einige Spieler und einen neuen Trainer bekommen hat. Das muss erst zusammenwachsen. Daher bin ich mit dem bisher Erreichten zufrieden. Klar, wir haben auch zweimal mit einem Tor verloren, doch das passiert in dieser starken Liga.

Wie schätzen Sie den Gegner Melsungen ein? 

Jacobsen: Eine sehr gute Mannschaft, die sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert hat und über einen breiten Kader verfügt. Ich hätte sie in dieser Saison etwas höher erwartet. Trotzdem wird’s richtig schwer für uns.

Was halten Sie von Melsungens Mikael Appelgren? 

Jacobsen: Ein interessanter Mann, der sich relativ schnell zu einem der besten Torwarte der Liga entwickelt hat.

Können Sie sich ihn als Landin-Nachfolger vorstellen? 

Jacobsen: Da gibt es mehrere Kandidaten, die ich mir vorstellen kann.

Von Ralf Ohm

 

Zur Person:

Nikolaj Bredahl Jacobsen, geboren am 22. November 1971 in Viborg, kam über seinen Heimatverein GOG Gudme und Bayer Dormagen (1997/1998) zum THW Kiel (1998 bis 2004), mit dem der Linksaußen dreimal die Meisterschaft, zweimal den DHB- Pokal und zweimal den EHF-Pokal gewann. Nach Knieproblemen kehrte der 148-fache dänische Nationalspieler als Trainer nach Dänemark zurück. Von 2012 bis 2014 trainierte er den Erstligisten Aalborg und gewann mit ihm 2013 die dänische Meisterschaft. Es war sein 19. Titel, ehe er im Sommer bei den Rhein-Neckar Löwen Nachfolger von Gudmundur Gudmundsson wurde.

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