Interview

Für MT-Torwart Sjöstrand bleibt Qualifikation für Europapokal Maßstab

Freut sich auf seine Rückkehr nach Kiel: Melsungens Torwart Johan Sjöstrand, derzeit in überragender Form beim heimischen Handball-Bundesligisten. Foto: Schachtschneider

Kassel. Natürlich wirkt der Sieg noch nach. Der Melsunger 25:23-Triumph gegen die Rhein-Neckar Löwen, für den Spitzenreiter die erste Saisonniederlage überhaupt, die die Handball-Bundesliga wieder spannend gemacht hat.

Zwei Tage danach scheint Johan Sjöstrand, einer der Matchwinner, im HNA-Interview schon wieder recht geerdet. Und freut sich auf seine Rückkehr nach Kiel, wo für seine Mannschaft der nächste dicke Brocken am Mittwoch, 20.15 Uhr (live im TV bei Sport 1), in der Sparkassen-Arena wartet. Und wo sich der schwedische Nationaltorwart durchaus etwas ausrechnet.

Zwei Tage ist der Triumph her. Haben Sie und Ihre Mannschaft ihn schon verarbeitet? 

Johan Sjöstrand: Das Spiel hat ganz schön geschlaucht. Von daher war es gut, dass wir Sonntag frei hatten und am Montag nur locker trainiert haben. Natürlich waren das für uns zwei Extrapunkte, doch auch dieses Spiel müssen wir abhaken, schließlich folgen noch 20.

Also fahren Sie und Ihre Mannschaft nicht auf Wolke sieben nach Kiel, um dort auf der Euphoriewelle zu reiten? 

Sjöstrand: Nein, es gilt jetzt wieder runter zu kommen und sich neu zu sammeln. Unser Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen war gut fürs Selbstvertrauen. Das macht es einfacher, guten Handball zu spielen. Und wir fahren ohne Druck nach Kiel, denn der THW ist weiterhin der Favorit.

Apropos Kiel. Für Sie ist es eine Rückkehr an Ihre alte Wirkungsstätte, wo sie zwei Deutsche Meisterschaften feierten. Lässt sich diese noch recht gegenwärtige Vergangenheit so ohne weiteres ausblenden? 

Sjöstrand: Ganz klar, spätestens mit dem Anpfiff gibt‘s für mich nur noch Melsungen. Ansonsten freue ich mich auf die Rückkehr und die besondere Atmosphäre in der Sparkassen-Arena.

Kehren Sie vielleicht mit der Genugtuung zurück, dass Kiel mit der Entscheidung Sie nach Melsungen ziehen zu lassen, daneben lag? Schließlich wurde Ihnen aufgrund Ihrer Erkrankung ein Zurück-zur-alten-Form offensichtlich nicht mehr zugetraut. 

Sjöstrand: Das war in der Tat eine schwierige Zeit für mich. Aufgrund des Maltafiebers konnte ich vier Monate kein Handball spielen und bin froh, dass ich mich mittlerweile wieder heran gekämpft habe. Doch diese Vorgeschichte spielt bei meiner Rückkehr keine Rolle. Auch weil ich zu Spielern und einigen Personen aus dem Umfeld noch gute Beziehungen habe.

Sie kennen die Kieler wie kein anderer im Melsunger Team. Was ist der THW nach seinem personellen Umbruch, also ohne Filip Jicha, wert? 

Sjöstrand: Keine Frage, der THW hat einen enorm wichtigen Mann verloren. Seinen Kapitän, der das Team geführt hat, der in Abwehr und Angriff Schlüsselpositionen eingenommen hat. Deshalb war es für mich nicht überraschend, dass Kiel am Anfang der Saison Probleme hatte. Doch die neue Mannschaft ist mittlerweile zusammen gewachsen und hat sich stetig verbessert. Mit Kiel muss man im Titelkampf wieder rechnen.

Nun haben Sie und Ihre Mannschaft den Kielern mit dem Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen eine Steilvorlage geliefert, denn nun ist der Meister auf einmal wieder vielversprechend im Titelrennen. Ändert das die Ausgangsposition? 

Sjöstrand: Ich kann verstehen, dass sich der THW über unseren Sieg gefreut hat. Doch viel wichtiger ist, was wir daraus machen. Er hat unsere Moral nochmals gestärkt. Und mit einer ähnlichen Top-Leistung haben wir auch in Kiel eine Chance.

Die MT Melsungen siegt und siegt und macht dabei auch vor dem Spitzenreiter nicht halt, will aber kein Spitzenteam sein. Wie geht das? 

Sjöstrand: Unser Maßstab bleibt unser Saisonziel, das heißt die Qualifikation für den Europapokal und damit der fünfte Platz. Und da sind wir auf einem guten Weg.

Der aktuelle zweite Platz also nur eine Momentaufnahme? 

Sjöstrand: Ein bisschen schon. Es wäre jedenfalls unrealistisch, uns schon mit Mannschaften wie Flensburg zu vergleichen. Die haben mehr Stars, mehr Erfahrung als Spitzenmannschaft, während das für die meisten Spieler von uns noch eine recht neue Sache ist.

Wann sollten Mannschaft und Trainer vielleicht doch mal das eigene Selbstverständnis der rosigen Lage anpassen? 

Sjöstrand: Wir sind total zufrieden, wie es im Moment läuft. Aber wenn‘s denn sein muss, dann vielleicht vor dem letzten Spieltag. Wenn wir da noch Zweiter sind.

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