Nach kurzer Wettkampf-Pause beginnt Vorbereitung

Erst Hochzeit, nun wieder Handball: Julius Kühn und die deutsche Nationalmannschaft vor den letzten Olympia-Tests

Hochzeit in Kassel: Handball-Profi Julius Kühn (rechts) mit seiner Frau Mirlinda.
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Hochzeit in Kassel: Handball-Profi Julius Kühn (rechts) mit seiner Frau Mirlinda.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist in die Vorbereitung auf die Sommerspiele gestartet. Mit dabei sind auch sechs Profis des Bundesligisten MT Melsungen.

Kassel – Als sich Julius Kühn am Montag in Kassel auf den Weg Richtung Bahnhof machte, hatte der Handball-Nationalspieler der MT Melsungen gemischte Gefühle. Zum einen fiel ihm der Abschied von seiner Frau Mirlinda schwer. Erst ein paar Tage zuvor waren sie in Kassel standesamtlich getraut worden. „Natürlich wäre ich jetzt auch gern in die Flitterwochen geflogen“, sagt der 28-Jährige.

Doch in diesem Monat steht noch etwas Besonderes für ihn auf dem Plan: die Olympischen Spiele in Tokio. „Ich freue mich auf dieses Riesenereignis. Es gibt nichts Größeres für einen Handballer“, erklärt Kühn. Bevor es für ihn und seine Nationalmannschaftskollegen am 24. Juli in Japan mit dem Klassiker gegen Spanien losgeht, steht erst noch ein Lehrgang an.

Seit Montag bereitet sich die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in Herzogenaurach auf die Sommerspiele vor. Der Beginn der heißen Phase. Am kommenden Wochenende stehen dann beim Dreiländer-Turnier in Nürnberg zwei Tests auf dem Programm. Am Freitag ab 20.15 Uhr geht es für das Team von Bundestrainer Alfred Gislason gegen Brasilien, am Sonntag ab 15.05 Uhr gegen Ägypten (beide live bei Sport 1). Das heißt: Nur knapp zwei Wochen nach dem letzten Bundesliga-Spieltag stehen schon wieder Wettkämpfe an. Für den frisch vermählten Kühn kein Problem: „Es war super-schön. Wir hatten einen perfekten Tag, und ein bisschen Abstand vom Handball habe ich auch bekommen.“

So stürzte er sich im Frankenland zusammen mit seinen Mitstreitern in die Trainingsarbeit. „Wir kennen Alfred. Er trainiert gern viel und lange, aber er weiß auch, wie er die Belastung verteilen muss“, betont der Torjäger und Rückraumschütze aus Melsungen.

Deutscher Abwehrstratege von der MT: Finn Lemke.

Gislason kündigte bereits an, dass er „keine konditionellen Schwerpunkte setzen“ könne. Sein Fokus liegt insbesondere auf der Taktik. Insgesamt 17 Spieler stehen ihm zur Verfügung. Darunter sind sechs Profis von der MT: Neben Kühn bekamen auch Kai Häfner, Finn Lemke, Timo Kastening, Tobias Reichmann und Silvio Heinevetter einen Kaderplatz. Wobei Reichmann und Heinevetter in Tokio zunächst als Ersatzkräfte eingeplant sind und erst einmal nicht im Olympischen Dorf wohnen werden. 14 Akteure darf der DHB pro Spiel melden. Ein Wechsel mit einem 15. Spieler wird voraussichtlich nach jedem Auftritt möglich sein. Zudem ist ein Tausch pro Runde möglich. Sollte sich beispielsweise einer der beiden Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter verletzen, könnte Heinevetter nachrücken.

„Auch als Reservist gibt es mir ein gutes Gefühl, jetzt dabei zu sein. Ich sehe die Nominierung als echten Vertrauensbeweis des Bundestrainers“, betont Reichmann. 2016 gehörte der Rechtsaußen zu der Mannschaft, die bei den Sommerspielen in Rio Bronze gewann. Aus dem jetzigen Aufgebot waren noch neun weitere Spieler bereits in Brasilien dabei: Wolff, Kapitän Uwe Gensheimer, Steffen Weinhold, Häfner, Kühn, Lemke, Hendrik Pekeler, Paul Drux und Heinevetter.

Deutscher Rechtsaußen: Tobias Reichmann.

Abwehr-Hüne Lemke ist der einzige Spezialist im Team. „Er kann uns mit seiner Erfahrung bestmöglich helfen, den Innenblock zu entlasten“, sagt Gislason. Im Zentrum dürften ansonsten Pekeler und Johannes Golla gesetzt sein. Lemke ist dafür bekannt, dass er viel Stimmung in die Deckungsarbeit bringt. „Ich werde versuchen, die ganze Mannschaft mitzuziehen, auch wenn ich erst von der Bank komme“, erklärt der 2,10 m große Melsunger Profi.

Am Montag freute er sich darauf, die Kollegen im Nationalteam wieder zu treffen. Eine Woche hatte der gebürtige Bremer beim Familienurlaub in Griechenland abgeschaltet: „Wenn du zehn Stunden mit dem eigenen Nachwuchs im Pool bist, dann kriegst du den Kopf schon frei.“ Als er dann am Montag im Zug Richtung Nürnberg saß, schaute er sich erst einmal Fotos an – von der Hochzeit seines Teamkollegen Kühn versteht sich. (Björn Mahr)

„Große Vorfreude“

17 Spieler hat Bundestrainer Alfred Gislason seit Montag in Herzogenaurach um sich herum versammelt. Das Team residiert – anders als die deutschen Fußballer zuletzt während der EM – im Hotel Herzogspark. „Alle sind heiß. Man spürt eine große Vorfreude“, sagt DHB-Sportvorstand Axel Kromer. 

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