Maric ist die Entdeckung, Appelgren der Spieler der Saison – die Melsunger Handballer unter der Lupe

Melsunger Saisonbilanz: Ein Juwel und ein Tausendsassa

Die Entdeckung: Den kroatischen Kreisläufer Marino Maric hatten vor der Saison nicht viele auf dem Schirm. Fotos:  Schachtschneider (2x) / Fischer (2x)

Kassel. Hinter den Bundesliga-Handballern der MT Melsungen liegen 49 Pflichtspiele. Wir ziehen nach dieser Mammut-Saison Bilanz und nehmen die Leistungen der Spieler unter die Lupe:

Der Tausendsassa: Torwart Mikael Appelgren.

• Der Teufelskerl: Mikael Appelgren (25). Der Torwart war der konstanteste Akteur. Unglaublich seine Quote: Oft hielt der Teufelskerl und Tausendsassa mehr als 20 Bälle pro Partie. Weltklasse. Wurde von den Fans zum Spieler der Saison gewählt. Sein Abschied tut weh. Kleiner Trost: Es gibt kommende Serie bei den Duellen mit den Rhein-Neckar Löwen ein Wiedersehen.

• Die Entdeckung: Marino Maric (25). Vor der Saison nur den eingefleischten Handball-Experten ein Begriff - mittlerweile wird der Kroate von den Gegnern und deren Torleuten gefürchtet. Hat der Kreisläufer den Ball gefangen, steigt er hoch, steht - gefühlt eine halbe Ewigkeit - in der Luft und schließt eiskalt ab. Maric ist so etwas wie die Entdeckung der Saison. Ein Juwel. Keine Überraschung, dass er wieder in die Nationalmannschaft des Weltmeisters von 2003 berufen wurde. Ergänzt sich im Angriff super mit Felix Danner.

• Die Unersetzbaren:  Patrik Fahlgren (29), Nenad Vuckovic (34), Michael Müller (30). Wie wertvoll ein Spieler ist, wird erst klar, wenn er mal ausfällt - siehe Regisseur Patrik Fahlgren. Der Schwede war nicht zu ersetzen. Er hatte bis zu seiner Verletzung im März großen Anteil daran, dass die MT vorn attraktiv agierte wie kaum ein anderes Team in der Liga. Ebenso schwer zu ersetzen ist Michael Müller. Wenn der MT-Motor im Angriff mal stockte, war Müller derjenige, der Verantwortung übernahm und mit Einzelaktionen die Mannschaft mitriss. Auf Nenad Vuckovic ist nicht nur als Ersatz für Fahlgren schwer zu verzichten. Der Kapitän war mit seiner Erfahrung eine wichtige Stütze - auch wenn er anfangs nicht so viel Einsatzzeit bekam. Hatte am Ende der Saison ein heftiges Pensum abzuspulen.

• Die Türme:  Felix Danner (29), Philipp Müller (30). Nach der Saison 2013/14 waren die Melsunger Anhänger um die Weiterentwicklung der Hintermannschaft besorgt - wegen des Karriereendes von Abwehrrecke Daniel Kubes. Doch alle Bedenken waren unbegründet. Danner und Müller sorgten für Stabilität. Zwei Türme im Mittelblock, an denen sich die Mitstreiter aufrichteten. Danner war ohnehin ein Dauerbrenner, weil er auch in der Offensive dorthin ging, wo es wehtat.

Bester Werfer: Linksaußen Michael Allendorf.

• Die Flügelzange: Michael Allendorf (28), Johannes Sellin (24). Es lief nicht immer rund bei den MelsungerAußenspielern. Wenn die beiden jedoch Fahrt aufnahmen, waren sie nicht zu stoppen. Mit 180 Toren war Linksaußen Allendorf bester Werfer der MT, im Ligavergleich landete er auf dem neunten Platz. Das Zusammenspiel der Flügelzange funktionierte in weiten Teilen prima - kann aber noch besser werden.

• Der Vulkan: Momir Rnic (27). In sportlicher Hinsicht war der Rückraumschütze wie ein Vulkan. An guten Tagen brach der ansonsten ruhige Serbe förmlich aus und warf Tore ohne Ende. Rnic steigerte sich im Verlauf der Saison. Er brachte eine unglaubliche Athletik und Durchsetzungskraft mit. An manchen Tagen allerdings versprühte der Vulkan keine heiße Lava, sondern nur ein laues Lüftchen.

• Die zweite Reihe:  Per Sandström (34), Malte Schröder (28), Christian Hildebrand (29), Jeffrey Boomhouwer (26). Wenn die Stammkräfte Verschnaufpausen benötigten, war auf sie Verlass. Die Spieler aus der zweiten Reihe setzten mal mehr, mal weniger wichtige Akzente. Schon nach seiner ersten Saison im MT-Dress lässt sich sagen: Linksaußen Boomhouwer ist auf bestem Weg zum Publikumsliebling. Wenn der Niederländer ins Spiel eingriff, dann ging die Post ab, dann wurde der Turbo gezündet. Das kam bei den Fans richtig gut an.

• Die Kurzarbeiter:  Jan Forstbauer (23), Sebastian Ullrich (23), Heiko Grimm (37).

EHF-Cup: Rang 6 ist keine Garantie 

Einige Wochen müssen sich die MT-Handballer noch gedulden. Im Juli werden sie wissen, ob sie wieder im Europapokal starten dürfen. Offiziell sind die ersten fünf der Bundesliga für eine Teilnahme vorgesehen. Da sich Berlin, Siebter der Abschlusstabelle, kürzlich den EHF-Cup sicherte und als Pokalverteidiger gesetzt wird, sind die Karten für die MT schlechter als 2014. Der DHB muss entscheiden, wen er für die internationalen Wettbewerbe meldet.

Das Melsunger Team in Zahlen

Ein fantastischer Torwart, tolle Erfolge in der Bundesliga und im Europapokal sowie Reisestress pur - Handball-Bundesligist MT Melsungen ist heute unser Team in Zahlen.

1 einziges Tor fehlte Melsungen, um beim Final Four im EHF-Pokal dabei zu sein. In der Runde der letzten acht gelang dem Team zwar ein 28:23-Sieg. Weil aber die Dänen aus Skjern mehr Treffer auswärts erzielten als die Nordhessen beim 20:25 bei den Skandinaviern, hatte die MT hauchdünn das Nachsehen - um EIN TÖRCHEN.

5 Nationalspieler stellte Melsungen im September bei zwei Länderspielen der deutschen Mannschaft gegen die Schweiz. Bundestrainer Dagur Sigurdsson berief Michael Allendorf, Michael und Philipp Müller, Felix Danner und Johannes Sellin. Michael Müller und Sellin waren später bei der WM in Katar dabei.

Lesen Sie hier ein Interview mit MT-Manager Axel Geerken zur Saison.

6 Pflichtspiel-Siege erzielten die Nordhessen im März dieses Jahres. Damit war dieser Monat aus MT-Sicht dererfolgreichste in dieser Spielzeit. Zumal es mit dem hochverdienten 31:24 gegen die Füchse Berlin den bemerkenswertesten Erfolg gab. Der einzige Makel: eine 25:27-Niederlage im EHF-Cup bei Eskilstuna Guif in Schweden. Trotz der Pleite war den Schützlingen von Trainer Michael Roth aber der Einzug ins Viertelfinale sicher.

37 Jahre alt war Heiko Grimm, als er Anfang Mai bei den Fuldastädtern anheuerte. Damit war er einer der ältesten MT-Profis in der Erstliga-Geschichte. Noch mehr Jahre auf dem Buckel hatten jedoch die Ex-Torleute Zoran Djordjic und Mario Kelentric, die im Alter von 40 beziehungsweise 39 noch für Melsungen aufliefen.

40 Tore in einer Partie warfen die Melsunger nur einmal in dieser Saison. Dies war beim 40:28-Heimsieg über die Löwen des Bergischen HC der Fall. Doch es war nicht der höchste Erfolg. Denn der glückte erst im Mai - beim 37:23 gegen Erlangen.

479 Paraden zeigte Torwart Mikael Appelgren in dieser Bundesliga-Spielzeit - mehr schaffte kein Kollege in der höchsten Klasse. Vor dem Hintergrund erscheint es etwas seltsam, dass „Apfel“ nicht zum besten Schlussmann gekürt wurde, sondern Niklas Landin von den Rhein-Neckar Löwen.

3040 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Heimspielen der MT in die Rothenbach-Halle. Im Vorjahr waren es 3215 Fans.

21.904 Reisekilometer hatten die Melsunger wegzustecken. Durch die Europapokal-Premiere mit Trips nach Frankreich, Slowakei, Schweden, Ungarn, Kroatien und Dänemark war die Zahl fast doppelt so hoch wie in den Jahren zuvor.

4.200.000 Euro betrug der Etat der MT für die abgelaufene Spielzeit. So hoch war er noch nie.

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