Handball

Kai Häfner: EM-Held mit vielen Erinnerungen

Das war im Januar 2016: Kai Häfner warf das deutsche Team ins EM-Finale.
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Das war im Januar 2016: Kai Häfner warf das deutsche Team ins EM-Finale. Foto: Sascha Klahn

Auf den Tag genau seit zehn Jahren ist Kai Häfner Handball-Nationalspieler. Da hat der Rückraum-Spieler der MT Melsungen viel zu erzählen...

„Es macht mich stolz, so lange dabei zu sein.“ Genau heute vor zehn Jahren begann für Melsungens Kai Häfner die Karriere im Handball-Nationalteam der Männer. Mit einer B-Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) gewann er bei einem Turnier im norwegischen Haugesund gegen eine Zweitvertretung Dänemarks 33:26. Häfner gelangen drei Treffer.

Damals kümmerte sich der spätere Bundestrainer Martin Heuberger um die Mannschaft, das A-Team von Heiner Brand trug ein paar Kilometer entfernt Tests aus.

Aus Anlass dieses kleinen Jubiläums blicken wir auf die bisherige Nationalmannschafts-Karriere Häfners, der inzwischen 90 Länderspiele absolviert hat.

Das wichtigste Tor

Noch zehn Sekunden sind in Krakau in der Verlängerung des EM-Halbfinales 2016 gegen Norwegen zu spielen: Kai Häfner agiert auf der Mitte-Position. Da seine Nebenleute Steffen Fäth und Fabian Wiede gut abgeschirmt werden, zieht er links an Widersacher Bjarte Myrhol vorbei und trifft mit einem platzierten Wurf ins rechte untere Eck – ein Geniestreich. Danach gibt es kein Halten mehr bei Häfner und seinen Mitstreitern. „Wir waren danach wie in Trance“, erinnert sich der mittlerweile 30-Jährige. Im Endspiel setzte er noch einen drauf: Mit sieben Treffern war er bester Schütze beim 24:17-Coup gegen Spanien.

Das Benefizspiel

Am 5. März 2013 gastierten Häfner und die deutsche Auswahl für einen guten Zweck in der Kasseler Rothenbach-Halle – die Partie gegen den Bundesligisten Melsungen fand zu Ehren der 2011 bei einem Autounfall tödlich verunglückten Vellmarer Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe statt. „Sie waren eines der besten Gespanne“, sagt Häfner rückblickend.

Für ihn war die Teilnahme an dieser Begegnung etwas sehr Ergreifendes, weil er für Balingen tätig war, als Methe/Methe auf dem Weg zu einer Partie auf der Schwäbischen Alb ums Leben kamen. Die beiden Nordhessen sollten damals ein Spiel der Süddeutschen gegen Magdeburg leiten. „Diese Tragödie vergisst du nicht“, betont der langjährige Bundesliga-Profi.

Die bitteren Momente

Häfner fallen drei Spiele ein, die er gern aus seinem Kopf verbannen würde – angefangen bei zwei Niederlagen gegen Frankreich. Bei der Heim-WM 2019 verlor die DHB-Auswahl das Spiel um Platz drei 25:26. „Das war krass“, sagt der Linkshänder. Drei Jahre zuvor hatte die deutsche Mannschaft das Halbfinale bei den Sommerspielen in Rio gegen die Equipe Tricolore 28:29 verloren.

Dazwischen war das schmerzhafte Achtelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen Katar. „Wir hatten in der Vorrunde alles gewonnen und sind dann in den letzten zehn Minuten völlig eingebrochen“, bedauert Häfner.

Die emotionalen Spiele

Gern zurück denkt er an die Auftritte in der näheren Umgebung zu seiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd. „Wenn wir in Stuttgart oder Göppingen zu Gast waren, dann war die ganze Familie dabei“, erklärt Häfner. Ähnlich ordnet er die Einsätze in Hannover ein, wo er fünf Jahre als Profi gelebt und beim Erstligisten Burgdorf gespielt hat. „Als Nationalspieler hast du zudem die Chance, in viele Länder zu kommen“, sagt der 30-Jährige. Vor einem Jahr gastierte er mit dem DHB-Team in Tel Aviv/Israel.

Die Freundschaften

Eine besondere Verbindung hat er zu Julius Kühn aufgebaut, weil sie 2016 bei der EM zur gleichen Zeit nachnominiert worden waren und sich am Flughafen in Breslau trafen. „Das bleibt natürlich hängen“, sagt Häfner. Die beiden inzwischen für Melsungen tätigen Torjäger teilen sich bei der Auswahl ein Zimmer. Aber Häfner hat zu vielen im Tross einen guten Draht – zu Kapitän Uwe Gensheimer genauso wie zu Physiotherapeut Peter Gräschus.

Die Bilanz

Seine ersten Länderspiele bestritt Häfner unter dem Bundestrainer Heuberger. Die ersten großen Erfolge feierte er unter Dagur Sigurdsson, bei dem er ebenso eine feste Größe war wie bei dessen Nachfolger Christian Prokop. Am kommenden Wochenende hätte er unter dem neuen Chefcoach Alfred Gislason die Olympia-Qualifikation bestreiten müssen. Das Turnier wurde aber wegen der Pandemie verlegt. So muss Häfner auf sein 91. Länderspiel noch einige Zeit warten.

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