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Kai Häfner und Julius Kühn von der MT Melsungen im Interview - „Es weht schon ein anderer Wind“

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Von: Björn Mahr

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Auf ins erste Punktspiel: Melsungens Kapitän Kai Häfner (Mitte) klatscht sich mit den Kollegen (von links) David Mandic, Andre Gomes und Arnar Freyr Arnarsson ab.
Auf ins erste Punktspiel: Melsungens Kapitän Kai Häfner (Mitte) klatscht sich mit den Kollegen (von links) David Mandic, Andre Gomes und Arnar Freyr Arnarsson ab. © Alibek Käsler

Handball-Bundesligist MT Melsungen steigt mit einem Spiel heute ab 20.30 Uhr bei den Rhein-Neckar Löwen in die Saison ein. Im Vorfeld haben wir mit Kapitän Kai Häfner und Rückraumschütze Julius Kühn gesprochen.

Kassel – Heute ab 20.30 Uhr steigt Handball-Bundesligist MT Melsungen ins Geschehen ein. Mit dem Auswärtsspiel in der Mannheimer SAP-Arena gegen die Rhein-Neckar Löwen erwartet die Nordhessen direkt ein echter Knüller. Vor der Partie haben wir mit Melsungens Kapitän Kai Häfner und Rückraumschütze Julius Kühn über die Aussichten für die neue Serie und gesprochen.

Es geht mit einer Auswärtsfahrt nach Mannheim los. Wie gut stehen die Chancen, dass Sie sich im Teamhotel ein Zimmer teilen werden?

Kai Häfner: Diese Konstellation gibt es nur bei der Nationalmannschaft. Bei der MT hat sie sich bislang einfach noch nicht ergeben.

Julius Kühn: Als Kai kam, war ich bereits mit Timm Schneider in einem Zimmer untergebracht.

Und in späteren Jahren wollten Sie beide nicht mehr?

Kühn: (schmunzelt) Wir müssen nicht jede Sekunde miteinander verbringen.

Häfner: (lacht) Erstens das, und zweitens ist das im Verein auch nicht so entscheidend. Da bist du eh meistens maximal nur eine Übernachtung zusammen.

Inwieweit tauschen Sie sich dennoch mehr miteinander aus als mit dem einen oder anderen Spieler?

Häfner: Julius ist natürlich bei wichtigen Fragen einer der ersten Ansprechpartner. Ich habe grundsätzlich das Gefühl, dass wir uns sogar mit weniger Worten verstehen, da wir uns schon länger kennen. Wir sitzen in der Kabine auch in derselben Ecke. Nur Timo (Kastening, d. Red.) sitzt noch zwischen uns.

Inwiefern war es ein Sommer der Veränderung?

Kühn: Kai kann dazu als Kapitän sicher noch mehr sagen. Aus meiner Sicht lässt sich festhalten: Es weht schon im Training ein anderer Wind. Alle sind ein bisschen galliger, mehr auf Erfolg getrimmt. Da sind schon Unterschiede zu den vergangenen Jahren erkennbar.

Häfner: Wenn du sieben, acht, neun neue Spieler im Kader hast, dann passiert das automatisch. Jeder will sich zeigen, alle Jungs geben Gas. Dazu hast du noch ein paar Talente, die auch noch aufs Gaspedal drücken. Und dann war es ja auch die erste komplette Vorbereitung mit unserem Trainer. Da merkst du schon, dass im Sommer ein Schnitt gemacht wurde.

Das klingt nach einer großen Herausforderung für alle Beteiligten.

Kühn: Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir aus einem neu zusammengestellten Haufen recht schnell zu einem Team werden. Bislang lief das alles sehr gut. Das hängt aber auch damit zusammen, dass da keine unerfahrenen Spieler zu uns gekommen sind, sondern international erprobte Profis, die genau wissen, wie das Geschäft läuft, und schon große Erfolge vorzuweisen haben.

Welche Auswirkungen haben die Neuverpflichtungen auf den Konkurrenzkampf im Team?

Häfner: Auf jeden Fall große. Allein durch die Anzahl und die Qualität der Spieler ist da eine deutliche Steigerung eingetreten.

Wie gut ist die Integration der Neuen bisher gelungen?

Melsunger Rückraumschütze: Julius Kühn.
Melsunger Rückraumschütze: Julius Kühn. © Andreas Fischer

Häfner: Das sind alles super Jungs, sie passen gut ins Teamgefüge. Der Prozess ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Da ist noch viel zu tun. Für die ersten Wochen kann sich das absolut sehen lassen.

Kühn: Man könnte ja meinen, dass die unterschiedlichen Sprachen eine Barriere wären. Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Obwohl es ein, zwei Spieler gibt, die weder Deutsch noch Englisch sprechen, schaffen wir es, uns zu verständigen – und wenn es mit Händen und Füßen ist.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass es besser läuft als in der vergangenen Saison?

Häfner: Nach den Erfahrungen aus den Vorjahren möchte ich da gar keine Prognosen ab- oder Marschrouten vorgeben. Es geht einfach darum, die Entwicklungsprozesse etwas zu beschleunigen, die Integration voranzutreiben, uns als Mannschaft zu finden. Wenn uns das gelingt, dann haben wir wirklich Qualität – die müssen wir auf die Platte bringen. Dann müssen wir schauen, wohin uns das führt. So eine Saison ist sehr lang.

Zu den Personen: Kai Häfner und Julius Kühn

Kai Häfner (33) spielt seit 2019 im rechten Rückraum der MT und kam aus Hannover. Der langjährige deutsche Nationalspieler zählt zu den EM-Helden von 2016. Im Sommer 2021 wurde er zum Kapitän erklärt. Häfner ist verheiratet und hat mit seiner Frau Saskia einen Sohn (Levi Hans).

Julius Kühn (29) trägt seit 2017 das Melsunger Trikot und ist damit neben Nebojsa Simic nun der dienstälteste Spieler im MT-Team. Der Halblinke war genauso wie Häfner am EM-Triumph der deutschen Mannschaft 2016 in Polen beteiligt. Kühn ist verheiratet und hat mit seiner Frau Mirlinda einen Sohn, (Lio Toni).

Sie gehörten in der vergangenen Serie zu den Vielspielern. Dürfen Sie sich nun auf etwas mehr Entlastung freuen?

Kühn: Ja, schon. Wobei ich auch betonen möchte: Die Serie hat noch gar nicht angefangen. Man wird sehen, wie das in der Saison aussieht. Durch die Vorbereitung kommen immer alle ganz gut durch. Die größeren Verletzungsproblemen treten zumeist erst während einer Spielzeit auf. Es wäre wichtig, dass wir von weiteren schwerwiegenderen Ausfällen verschont bleiben. Das ist ein Eckpfeiler. Es sollte nicht so enden wie in der letzten Saison.

Wie schätzen Sie die Auftaktaufgabe bei den Rhein-Neckar Löwen ein?

Häfner: Ich hatte in meiner Karriere schon alles dabei: von Spielen gegen Meisterschaftskandidaten, zu Hause und auswärts, bis zu Duellen gegen Aufsteigern. Ich denke, dass man für alle Varianten Pros und Kontras findet. Es ergibt keinen Sinn, darüber nachzudenken. Ich erwarte gegen die Löwen ein spannendes Kräftemessen. Die Löwen hatten auch ein, zwei schwierigere Jahre – und einen Schnitt im Sommer: neuer Trainer, ein etwas anderes Gesicht der Mannschaft, kein Andy Schmid mehr.

Inwieweit wird sich sein Abschied besonders auswirken?

Häfner: Andy war mehr als zehn Jahre der Spieler bei den Löwen, er hat alles gelenkt. Deshalb wird der Gegner auch sehr heiß auf das erste Saisonspiel sein.

Hintergrund: Kann MT Leistung aus der Vorbereitung bestätigen?

Bis auf die Langzeitverletzten Timo Kastening, Elvar Örn Jonsson, Domagoj Pavlovic und Finn Lemke hat Handball-Bundesligist MT Melsungen zum Saisonstart heute ab 20.30 Uhr (Sky) bei den Rhein-Neckar Löwen alle Mann an Bord.

„Ich würde mich freuen, wenn wir die guten Leistungen aus der Vorbereitung bestätigen“, sagt MT-Manager Axel Geerken, „denn dann haben wir auch die Chance auf zwei Punkte.“ Trainer Roberto Garcia Parrondo erklärt: „Ich hätte lieber ein Heimspiel zum Auftakt gehabt. Aber wir werden unser Bestes geben, um einen guten Start zu erwischen.“

Für einige Akteure in seinem Team wird es der erste Bundesliga-Einsatz sein – wie die beiden Spielmacher Agustin Casado und Aidenas Malasinskas. „Ich hoffe, dass sie zeigen können, welche Qualität sie besitzen“, betont Parrondo. Der Spanier ist mit dem Verlauf der Vorbereitung zufrieden: „Wir haben gut trainiert.“ Wozu das heute gegen die Mannheimer reicht, muss sich erst noch zeigen.

Bei den Gastgebern fällt der schwedische Rückraumschütze Lukas Nilsson aus. Hinter dem Einsatz von Niclas Kirkelökke steht noch ein Fragezeichen. Die Löwen haben einen neuen Kapitän: Patrick Groetzki löste den langjährigen Spielführer Uwe Gensheimer ab.

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