Melsunger Handballer im Trainingslager in Esslingen

MT-Neuzugang Häfner und sein Blick auf die schwäbische Heimat

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Jetzt nicht mehr nur Nationalmannschaftskollegen: Kai Häfner (Mitte) mit Tobias Reichmann (links) und Finn Lemke.

Wenn Kai Häfner nach seiner schwäbischen Heimat befragt wird, dann gerät er schon ein bisschen ins Schwärmen. „Wo ich herkomme – das ist Sommer, das ist gutes Wetter“, sagt der 30-Jährige. 

Solche Sätze sind dem Handball-Nationalspieler in den vergangenen fünf Jahren häufiger über die Lippen gekommen. Fünf Jahre lebte er in Norddeutschland. Fünf Jahre spielte er für den Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf. Fünf Jahre war er von seinem Geburtsort Schwäbisch Gmünd einige hundert Kilometer entfernt.

Wenn man so möchte, kommt Häfner dem Sommer ab dieser Saison wieder etwas näher. Er trägt künftig das Trikot der MT Melsungen – und der Weg von Kassel über die Autobahn 7 in Richtung Württemberg ist um einiges kürzer. Dass er mit der Aussage über das gute Wetter nicht geflunkert hat, wird in diesen Tagen deutlich, da die MT im Trainingslager in Esslingen am Neckar weilt. Viel Sonnenschein, Temperaturen von mehr als 25 Grad – und Nächte mit klarem Himmel, dass sogar die partielle Mondfinsternis aus den oberen Hotelzimmern bestaunt werden konnte.

„Wenn ich die Menschen hier reden höre, dann gibt mir dies schon ein vertrautes Gefühl. Ich fühle mich hier sehr wohl“, erklärt Häfner, der trotz seiner Zeit in Hannover immer noch etwas schwäbelt. „Ich habe mich an das Hochdeutsch gewöhnt, sobald ich aber mit meiner Mutter spreche, verstehen viele andere Leute nichts mehr.“

Dabei muss es für Häfner und seine Frau Saskia auch nicht immer Schwaben sein. „Ich mag Städtetrips sehr“, erklärt Häfner. Zwar sind freie Wochenenden während der Saison eher selten, im vergangenen Jahr schaffte er es aber trotzdem, sich einiges anzusehen: von Mailand, über Kopenhagen bis Amsterdam. Und als deutscher Nationalspieler gehört Reisen für ihn auch zum Geschäft.

Bei der MT sind ihm einige Spieler nicht fremd. Finn Lemke, Tobias Reichmann und Julius Kühn sind ihm sogar bestens bekannt. Mit dem Trio feierte der Rückraum-Rechte bereits beachtliche Erfolge in der deutschen Nationalmannschaft – bis hin zum Triumph bei der Europameisterschaft 2016 in Polen sowie dem Gewinn der olympischen Bronzemedaille in Rio. „Sportlich ist es allerdings etwas Anderes, ob du in der Nationalmannschaft oder im Verein zusammen spielst“, stellt der Linkshänder mit dem schnellen Armzug klar, „es braucht Zeit, um sich aufeinander abzustimmen. Ich bin jedoch optimistisch, dass wir das hinbekommen.“

Melsungens Kapitän Lemke ist davon überzeugt, dass Häfner ein großer Gewinn für das Team sein wird. „Er ist schon mal in seiner Laufbahn gewechselt und weiß, wie Integration laufen muss. Da muss nämlich immer auch etwas vom Spieler kommen.“ In Hannover hatte der Schwabe als Kapitän selbst eine verantwortungsvolle Rolle. Es wäre nur logisch, wenn er seine langjährige Erfahrung auch einfließen lässt und sich neben Lemke und Reichmann zu einer echten Führungspersönlichkeit entwickelt. Das aktuelle Trainingslager wird ihm helfen – noch dazu, wo es nur 40 Kilometer bis zu seiner Heimatstadt sind.

Hintergrund

Als er nach Hannover wechselte, bekam er von einem Handball-Fan ein Wörterbuch geschenkt: Hochdeutsch - schwäbisch/Schwäbisch - hochdeutsch. Er hat für diese Zeitung ein paar Worte herausgesucht, die ihn zu einem echten Schwaben machen. So sagt er für Haus nur Häusle und für Brötchen nur Weckle. Kurios: Für Spätzle verwendet er selbst oft den Begriff Spatzen - was jedoch ebenfalls typisch schwäbisch ist. Und das Wörtchen „ist“ ist bei ihm ein „ischt“.

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