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Kapitän Johannes Golla vor deutschem WM-Spiel gegen Norwegen im Interview: Es ist eine Euphorie entstanden

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Von: Björn Mahr

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Gute Stimmung: Kapitän Johannes Golla klatscht sich mit Andreas Wolff ab.
Gute Stimmung: Kapitän Johannes Golla klatscht sich mit Andreas Wolff ab. © Imago/KESSLER-SPORTFOTOGRAFIE

Johannes Golla, der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft, spricht im Interview dieser Zeitung über den vorzeitigen WM-Viertelfinaleinzug und das heutige Duell gegen Norwegen.

Kassel/Kattowitz - Das Viertelfinale ist bereits erreicht. Nach dem klaren 33:26 (15:12)-Sieg im zweiten Hauptrundenspiel gegen die Niederlande steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft sicher in der Runde der letzten Acht. Heute ab 20.30 Uhr (ARD) geht es für das Team gegen Norwegen um den Gruppensieg. Wir haben vor der Begegnung gegen die Skandinavier mit Kapitän Johannes Golla gesprochen.

Wenn Ihnen vor dem Turnier jemand gesagt hätte, dass das deutsche Team die ersten fünf Spiele mit jeweils mehr als 30 Toren gewinnt, wie hätten Sie reagiert?

Erst einmal ist es schön, dass wir die fünf Spiele zu unseren Gunsten entschieden haben und nun schon vor dem letzten Hauptrundenspiel in der Super-Situation sind, einen Platz im Viertelfinale zu haben. Dass es insbesondere im Angriff so gut läuft, gibt uns natürlich viel Selbstvertrauen.

Was waren die Schlüssel zum Sieg gegen die Niederländer?

Wir haben über 60 Minuten eine überzeugende Abwehr mit einem starken Andi Wolff im Tor hingestellt.

Wie fällt ein Zwischenfazit aus?

Bisher hat das gesamte Team eine sehr vernünftige Leistung geboten. Alle bringen sich voll ein. In den vergangenen Tagen ist schon eine gewisse Euphorie entstanden. Die gilt es nun, in den nächsten Spielen aufrechtzuerhalten.

Inwiefern hat die schwierige Situation von Bratislava die Entwicklung und den Zusammenhalt dieses Teams begünstigt?

Das Team ist in dieser Besetzung nun so seit eineinhalb Jahren zusammen. Es hat von Anfang an menschlich hervorragend gepasst. Sicher haben auch die Erfahrungen in Bratislava dazu beigetragen, dass der Mannschaftsgeist immer besser wurde. Seitdem haben wir aber auch die Lehrgänge gut genutzt. Wir verbringen viel Zeit miteinander und genießen die Atmosphäre im Team.

Ist der deutsche Angriff so gefährlich wie lange nicht?

Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem sich viele Spieler in diesem System wohlfühlen und wir uns gut eingespielt haben. Zudem hat uns Alfred (Bundestrainer Gislason, d. Red.) die Möglichkeit gegeben, eigene Vorschläge zu machen. So wurde das Spielsystem noch mehr auf die Stärken der jeweiligen Spieler angepasst. Und was auch zu erkennen ist: Etliche Spieler sind mit großem Selbstvertrauen aus ihren Klubs zur Nationalmannschaft gereist und konnten das zu unserem Glück in unser Team transferieren.

Was erwarten Sie vom Spiel gegen Norwegen?

Von den Mannschaften, auf die wir bislang getroffen sind, werden die Norweger der individuell stärkste Gegner sein. Das Team ist auf jeder Position weltklasse besetzt und hat viel entgegenzusetzen. Die Norweger pflegen ein extrem körperliches Spiel, sind stark in 1:1-Situationen, haben gute Torhüter und eine stabile Abwehr. Das wird eine Aufgabe auf Top-Niveau, in der wir einfach beweisen wollen, dass wir mithalten können.

Wie ist es nach fünf Turnierspielen um die körperliche und mentale Frische bestellt?

Insbesondere im letzten Vorrunden- und im ersten Hauptrundenspiel konnten wir die Kräfte gut verteilen und dafür sorgen, dass jeder Spieler bei uns richtig im Turnier angekommen ist. Dadurch bekamen gerade die Spieler, die viel Verantwortung tragen, die eine oder andere Pause. Ich kann deshalb sagen: Bei uns sind alle Akteure voller Tatendrang physisch und psychisch in guter Verfassung. Natürlich ist auch klar, dass bei solch einem Turnier vieles leichter von der Hand geht, wenn du erfolgreich bist. Gute Auftritte hinterlassen körperlich deutlich weniger Spuren als harte Kämpfe, aus denen du als Verlierer hervorgehst. (Björn Mahr)

Zur Person: Johannes Golla

Johannes Golla (25) spielt seit 2018 für die Handballer der SG Flensburg-Handewitt. Bei der MT Melsungen war der gebürtige Rüdesheimer zum Bundesligaprofi gereift. Seine Stationen in der Jugend waren Eltville, Dotzheim, Wallau und Wiesbaden. Sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gab der Kreisläufer 2019. Nach den Olympischen Spielen 2021 löste er den zurückgetretenen Uwe Gensheimer als Kapitän in der DHB-Auswahl ab. In bislang 55 Länderspielen gelangen ihm 183 Treffer. Golla ist verheiratet und Vater einer Tochter. 

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