„Kassel ist der bessere Standort“

Interview: Ex-Melsunger Trainer Robert Hedin erinnert sich an Umzug der MT 2007

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Das war die Premiere: Am 26. Dezember 2007 verlor die MT vor 4300 Zuschauern in der ausverkauften Rothenbach-Halle gegen den THW Kiel 31:36.

Melsungen. Im Dezember 2007 verabschiedete sich Handball-Bundesligist MT Melsungen aus der Meirotels-Halle in Rotenburg und zog in die Rothenbach-Halle um. Vor dem Heimspiel der MT am Sonntag haben wir mit dem damaligen Melsunger Trainer Robert Hedin gesprochen.

Wenn an den Umzug der MT Melsungen 2007 von Rotenburg nach Kassel erinnert wird, darf ein Name nicht fehlen: Robert Hedin. Der Schwede war seinerzeit der Trainer der Nordhessen und hatte die Idee, auf dem Messegelände zu spielen. Wir haben mit ihm über den Spielortwechsel und seine Zeit bei der MT gesprochen.

Hallo Herr Hedin, wo erreichen wir Sie gerade? 

Robert Hedin: Ich bin in Oslo unterwegs und stecke mitten in den Vorbereitungen zu unserem nächsten Spiel gegen Kristiansand.

Vor ein paar Monaten haben Sie noch den österreichischen Erstligisten Bregenz trainiert. Und jetzt? 

Hedin: Jetzt bin ich Geschäftsführer beim norwegischen Zweitligisten St. Hallvard. Trainer ist der frühere Bundesliga-Profi Glenn Solberg, und wir wollen spätestens in der nächsten Saison aufsteigen.

Wieso Norwegen? 

Hedin: Ich hatte auch ein Angebot aus Portugal vom FC Porto vorliegen, aber meine Frau und ich haben uns entschieden: Wir probieren es und gehen zurück nach Hause. Meine Frau hat bei einem Fernsehsender auch eine gute Stelle bekommen.

Nach Ihrem Abschied aus Melsungen waren Sie bereits norwegischer Nationaltrainer. 

Hedin: Ja, für mich schließt sich ein Kreis.

Wissen Sie noch, was vor zehn Jahren war? 

Hedin: Der Umzug mit der MT aus Rotenburg nach Kassel.

Genau, und Ihr Name ist eng damit verbunden. 

Hedin: Ich weiß nur noch, dass ich dafür war, dieses Vorhaben umzusetzen.

Sie gelten aber auch als Ideengeber. Können Sie sich denken wieso?

Hedin: Wir sind damals bei der Frühjahrsausstellung über das Messegelände spazieren gegangen. Und dann kam mir in einem Abschnitt der Gedanke: Das ist eine schöne große Halle. Da passen mobile Tribünen hinein, und ein entsprechender Spielboden lässt sich sicher auch verlegen. Zudem ist Kassel für die Ziele eines solchen Vereins einfach der bessere Standort. In Rotenburg war es auch schön, modernes Ambiente, aber wir waren zu weit von den Fans weg.

Was ist Ihnen aus der Zeit in Rotenburg besonders im Gedächtnis geblieben? 

Hedin: Es gab schöne Siege - wie etwa das 42:40 gegen die Rhein-Neckar Löwen.

Aber zum Abschied gab es am 21. Dezember 2007 eine Heimniederlage gegen Tusem Essen? 

Hedin: Wirklich? (lacht) Das habe ich vergessen.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Premiere in Kassel, an die Partie gegen Kiel? 

Hedin: War das gegen Kiel? Im Kopf habe ich noch das erste Spiel im Jahr 2008 gegen Lemgo. Da haben wir 41:37 gewonnen, und Vladica Stojanovic erzielte ein herrliches Tor nach eingesprungener Pirouette.

Was bekommen Sie überhaupt von der MT noch mit? 

Hedin: Kontakt habe ich nur noch zum damaligen Manager Alexander Fölker. Aber ich schaue schon immer in der Zeitung nach, wo die Melsunger in der Tabelle stehen. Ich weiß, dass die MT eine starke Mannschaft zusammengestellt hat und zurzeit etwa auf dem fünften, sechsten Rang steht.

Zur Person

Robert Hedin (51 Jahre) ist seit dem Sommer Geschäftsführer des ambitionierten norwegischen Handball-Zweitligisten St. Hallvard. Er war von Januar 2007 bis Juni 2009 Trainer beim Handball-Bundesligisten MTMelsungen. Danach war er Nationalcoach Norwegens. Große Erfolge feierte er auch als Spieler. Der 195-fache schwedische Nationalspieler gewann unter anderem zweimal Olympia-Silber und wurde 1994 Europameister. Hedin ist Vater von sechs Kindern. Sein 22 Jahre alter Sohn Amadeus ist Profi in St. Gallen. Dort war Robert Hedin einst selbst Spielertrainer. Mit seiner jetzigen Frau, der ehemaligen norwegischen Profi-Handballerin Kari-Anne Henriksen, hat er drei Kinder. Die Tochter ist sieben Jahre alt, die Söhne sind drei und zwei Jahre alt.

Hintergrund

„Die Stimmung war einmalig“, sagt Alexander Fölker. Noch gut kann sich der damalige Sportchef der MT an die Premiere in der Rothenbach-Halle gegen Kiel erinnern. Dabei denkt er nicht nur an die 4300 Zuschauer, sondern auch die 1700 Besucher beim Public Viewing nebenan.

Innerhalb von wenigen Monaten wurde die Messehalle zu einer bundesligatauglichen Spielstätte weiterentwickelt. 2007 hatte Trainer Robert Hedin die Idee zum Umzug, als er mit der Aufsichtsratsvorsitzenden Barbara Braun-Lüdicke, Fölker sowie Michael Homberger, früher stellvertretender MT-Geschäftsführer, die Frühjahrsausstellung besuchte.

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