Kraftpaket auf der Königsposition

MT-Neuzugänge: Julius Kühn will mit den Melsungern unter die ersten Fünf

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Ohne Fleiß kein Preis: Handball-Nationalspieler Julius Kühn im Trainingslager der MT Melsungen in Fleesensee. 

Melsungen. Es gibt solche Karrieren. Eine sportliche Laufbahn, in der es ausschließlich und rasend schnell bergauf geht. Wie die von Handballer Julius Kühn.

Mit 17 Jahren Deutscher A-Jugendmeister, in der gleichen Saison Debüt in der 2. Liga, mit 19 Jahren in der Bundesliga, mit 20 Führungsspieler des VfL Gummersbach, mit 21 das erste Länderspiel, mit 22 Europameister, mit 23 Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Rio. Da scheint der Wechsel zum heimischen Bundesligisten MT Melsungen nur logisch. Denn: Einsätze im Europapokal wären der nächste Karriereschritt des wurfgewaltigen linken Rückraumspielers.

Die muss sich Julius Kühn mit seiner neuen Mannschaft allerdings noch verdienen, nachdem das Roth-Team die Qualifikation für den EHF-Pokal in der abgelaufenen Saison knapp verpasste. Für den 24-Jährigen kein Problem. „Mit diesem Team ist einiges drin“, sagt er. Und meint einen Platz „unter den ersten Fünf“. Wobei nach oben alles möglich sei, denn „eine Übermannschaft gibt es nicht mehr“.

Ambitionierte Perspektiven, die den gebürtigen Duisburger dazu bewogen haben, sich schon ein Jahr früher - und damit vor Ablauf seines Vertrages in Gummersbach 2018 - nach Nordhessen aufzumachen. „Die Initiative ging von mir aus“, bekennt Julius Kühn, der sich selbst an den Ablösemodalitäten beteiligte, um den Widerstand des VfL, der seinen Top-Mann nur ungern ziehen ließ, zu brechen. Nicht ohne vorher den Altmeister noch zum Klassenerhalt zu werfen. Allein zwölf Treffer gelangen ihm beim 28:27-Schlüsselsieg in Berlin drei Spieltage vor Schluss, nachdem er kurz zuvor in nur drei Wochen einen Innenbandanriss auskuriert hatte.

Ein Hinweis auf Kühns außergewöhnliche Physis. „Er kommt stärker aus der Reha, als er vor der Verletzung war“, weiß sein früherer Mannschaftskamerad und Ex-Melsunger Chris Zufelde, „weil er Power ohne Ende hat.“ Der Hochgelobte, ein „Tier in der Kraftkammer“ (Zufelde), schmunzelt bei diesem Kompliment, sieht seine körperlichen Vorteile aber auch als Notwendigkeit, um Defizite („Ich bin nun mal nicht der Schnellste“) zu kompensieren.

Kein Zweifel, Melsungens Neuer auf der Königsposition geht mit seiner ungeheuren Dynamik dahin, wo’s weh tut. Auf die Schnittstellen der gegnerischen Deckung nämlich, ohne sich deshalb als reiner „Shooter“ zu sehen. Denn der Halblinke hat durchaus ein Auge für den Nebenmann und ist ein ausgezeichneter Abwehrspieler.  

Das hat auch Dagur Sigurdsson erkannt, bei dessen erstem Lehrgang als Nationaltrainer Julius Kühn debütierte und der den damaligen Gummersbacher überraschend für die EM 2016 nachnominierte. Zwei Wochen später war sein junger Schützling Europameister und konnte das erstmal gar nicht fassen: „Das war schon ein überwältigendes Erlebnis. Und ich habe einige Zeit gebraucht, das zu realisieren.“ Abheben ausgeschlossen, „denn als Europameister bin ich ja nicht automatisch ein besserer Mensch“ (Kühn).

Aber ein außergewöhnlicher Handballer. Bodenständig und ehrgeizig. Gewillt, weiterhin so fulminant durchzustarten, dass davon auch sein neuer Arbeitgeber MT profitieren dürfte

Zur Person Julius Kühn

Julius Kühn, geboren am 1. April 1993 in Duisburg, begann beim TV Aldekerk, ehe er 2008 zu HSG Düsseldorf wechselte. 2010 gewann er mit der A-Jugend den Deutschen Meistertitel und debütierte im Zweitliga-Team. 2014 stieg er mit Tusem Essen in die 1. Liga auf, ging dann zum VfL Gummersbach, wo er zum Führungs- und Nationalspieler aufstieg. Als Europameister schloss sich der Rückraumspieler nun der MT Melsungen an. Er wird mit Freundin Julia in Kassel wohnen. Parallel zu seiner Karriere absolviert er an der Fern-Uni Hagen ein Studium der Wirtschaftswissenschaften.

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