Melsunger Handballer kosten Erfolg in Wetzlar voll aus

MT-Torjäger Kühn nach Derbysieg gegen Wetzlar: Balsam für die Seele

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Sehr aggressiv: Die Melsunger Philipp Müller (Nummer 18) und Finn Lemke schirmen Wetzlars Nils Torbrügge (verdeckt) ab. Im Hintergrund: Torjäger Julius Kühn.

Kassel. Sie fielen sich glücklich in die Arme. Sie stimmten mit den mitgereisten Fans die Humba an. Sie nahmen die Ovationen entgegen. Die Handballer der MT Melsungen kosteten den klaren 34:26-Derbysieg im Prestigeduell bei der HSG Wetzlar in vollen Zügen aus.

Erst eine knappe Viertelstunde nach der Schlusssirene erreichte einer nach dem anderen die Mannschaftskabine.

Doch es blieb nur die Zeit, um sich ein neues, trockenes T-Shirt anzuziehen. Denn: Die Melsunger Anhänger wollten den ersten MT-Erfolg seit dreieinhalb Jahren in der Wetzlarer Rittal-Arena noch etwas länger mit ihren Helden genießen. „Wir wollen die Mannschaft sehen“, riefen sie unentwegt. Und so kehrten einige Akteure noch einmal für eine Zugabe aus den Katakomben zurück.

Es fehlten allerdings Spielmacher Domagoj Pavlovic und Abwehrchef Finn Lemke. Die Beiden mussten diesmal zur Dopingprobe. Dabei gehörten sie zu den Wegbereitern des dritten Melsunger Saisonsieges.

Die Faust geballt: Spielmacher Domagoj Pavlovic.

Der Stratege

Heiko Grimm geizte nicht mit Lob für Pavlovic. „Er hat genau so gespielt, wie wir uns das bei ihm vorstellen, und seine ganze individuelle Qualität eingebracht“, sagte der MT-Trainer über den kroatischen Neuzugang. Tatsächlich fand „Domba“, wie ihn seine Kollegen rufen, die Balance zwischen kluger Spielgestaltung und eigenem Tordrang. „Wenn wir als Team gut spielen, dann können sich auch schon mal Einzelne hervortun“, erklärte Pavlovic bescheiden. Sechs Treffer gingen auf sein Konto. Zudem rettete er einmal für Torwart Nebojsa Simic. „Ich mache alles das, was man mir sagt“, sagte der Regisseur schelmisch grinsend.

Mitte des zweiten Durchgangs war er verletzt vom Feld getrottet, gab aber später Entwarnung. Eine Rippe war nur leicht geprellt. Da er zudem bei der Dopingprobe keine Probleme mit dem Wasserlassen hatte, stieg er entspannt in den Mannschaftsbus ein.

Das Bollwerk

Bei Lemke dauerte es etwas länger, bis er den Test hinter sich gebracht hatte und damit die Anerkennung seines Trainers erhalten konnte. Grimm stellte erfreut fest: „Bei Finn war heute eine deutliche Aufwärtstendenz erkennbar. Man sieht, dass er den Rhythmus braucht.“ 

Zusammen mit Philipp Müller rührte der Hüne im Mittelblock Beton an. „Wir haben es geschafft, so viel Druck auf den Gegner auszuüben, dass dieser zu keinen freien Würfen kam. Unsere Abwehr war das Prunkstück“, sagte Müller. Und HSG-Coach Kai Wandschneider gab zu: „Wir haben uns an der Melsunger Deckung die Zähne ausgebissen.“

Das Kollektiv

Die MT war dem hessischen Rivalen in nahezu allen Belangen überlegen. „Wir wollten von der ersten Minute an den Sieg mehr“, sagte der achtfache Torschütze Julius Kühn. „Dieser Erfolg“, fügte der Nationalspieler mit Blick auf die bittere Niederlage im April hinzu, „war Balsam für die Seele.“ Nie entstand der Eindruck, die Begegnung könnte noch einmal kippen. Als „sehr diszipliniert und konzentriert“ adelte deshalb Melsungens Manager Axel Geerken den Auftritt seiner Mannschaft, die nun erst am kommenden Donnerstag wieder ran muss: Dann kommt der VfL Gummersbach nach Kassel.

Schon im ersten Abschnitt gingen die Gäste besonnen mit ihren Vorstößen um. Der Lohn war eine 16:11-Pausenführung. „Es war psychologisch wichtig, dass wir uns vor dem Wechsel etwas absetzen konnten“, erklärte Kreisläufer Marino Maric. Ärgerlich letztlich nur: Zwei Gegentore kassierte die MT Melsungen von HSG-Torwart Till Klimpke. Was Philipp Müller zu einer spaßigen Bemerkung veranlasste: „Der Junge hat jetzt mehr Tore erzielt als ich in dieser Saison.“

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