Kreisläufer mit Dynamit in den Beinen

Marino Maric wird für die MT Melsungen immer wertvoller

Kaum zu halten: Kreisläufer Marino Maric, im zweiten Jahr bei der MT zu einem Leistungsträger gereift. Foto: Schröter

Melsungen. Es gibt Spielerwechsel, die haben eine richtig spannende Vorgeschichte. Wie der von Marino Maric, Kreisläufer der MT Melsungen.

Er spielt mittlerweile im zweiten Jahr beim heimischen Handball-Bundesligisten. Das Angebot, dass der Kroate ohne zu zögern annahm, bekam dieser im April 2013, wechseln konnte er aber erst zur Saison 2014/2015. Denn RK Zagreb, wo der Modellathlet noch ein Jahr vertraglich gebunden war, gab ihn nicht frei. Entdeckt wurde Maric 2009 bei der Jugend-Weltmeisterschaft in Tunesien, wo er mit dem kroatischen Team den Titel gewann, ins All-Star-Team gewählt wurde und die Aufmerksamkeit von MT-Trainer Michael Roth hervorrief: „Er hat uns mit seinem dynamischen Kreisläuferspiel sehr gut gefallen.“

Mittlerweile ein bewährter Bestandteil der Melsunger Auftritte. Und doch kein selbstverständlicher, wäre doch Marino Maric, der nach eigenen Aussagen schon mit 19 „unbedingt“ in die stärkste Liga der Welt wollte, nach einem Probetraining bei den Rhein-Neckar Löwen 2009 fast beim damaligen Klassenkameraden Düsseldorf gelandet, ehe dann Zagreb das Rennen machte. Keine schlechte Alternative, ging dort doch sein Stern so richtig auf, wurde er mit dem Traditionsklub viermal kroatischer Meister und sammelte sogar Champions-League-Erfahrung. Noch heute schwärmt der 1,96m-Mann davon, „wieviel ich von Weltklasseleuten wie Ivano Balic oder Mirza Dzomba gelernt habe“.

Noch wichtiger: Marino Maric setzte sich gegen hochkarätige Konkurrenz auf seiner Position durch. Auf dem Feld war daher der Sprung nach Deutschland „kein großes Problem“. Daneben schon. Die Hauptschwierigkeit die deutsche Sprache: „Ich konnte mich zunächst überhaupt nicht ausdrücken.“ Da waren ihm seine serbischen Mannschaftskameraden Nenad Vuckovic und Momir Rnic natürlich eine große Hilfe. Genauso wie die Familienzusammenführung im Oktober 2014, nachdem seine Frau zuvor in der Heimat ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte.

Seitdem sind sie gemeinsam in Melsungen schon ein bisschen heimisch und Marino Maric für die Mannschaft immer wichtiger geworden, bildet mit Felix Danner ein sich prima ergänzendes Kreisläuferpärchen. Denn während sein deutscher Kollege meist „oben“ anspielbar ist, taucht der 25-Jährige unten weg, wie Michael Roth sagt: „Er hat seinen Körperschwerpunkt im Abschluss wesentlich tiefer. Und dabei Dynamit in den Beinen.“ Das wiederum verhilft ihm zu einem explosiven Drehmoment, was in dieser Saison immer öfter zu bewundern war. Dazu kommt ein schneller Wurf aus dem Handgelenk, der den gegnerischen Torhütern kaum Zeit lässt, zu reagieren.

Ein Handwerkszeug, das sich Marino Maric noch in seiner Geburtsstadt Mostar angeeignet hat. Als 16-jähriger Jugendnationalspieler wurde er in die erste Mannschaft befördert – und als Kreisläufer ausgebildet. Den Ball mit einer Hand greifen und werfen, Gegner „im Nahkampf“ abschütteln, auf dem Boden abrollen, Sperren für seine Rückraumspieler stellen. Auch das gehört zur Vorgeschichte eines Wechsels, der für alle Beteiligten offensichtlich ein wahrer Glücksfall war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.