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„Mehr Druck haben die Melsunger“ - Alexander Petersson vergleicht vor Pokal Ex-Klubs MT und Rhein-Neckar Löwen

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Von: Björn Mahr

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Treffen morgen wieder aufeinander: Melsungens Agustin Casado (links) und der in Diensten der Löwen stehende Schwede Olle Forsell Schefvert.
Treffen morgen wieder aufeinander: Melsungens Agustin Casado (links) und der in Diensten der Löwen stehende Schwede Olle Forsell Schefvert. © Alibek Käsler

Ex-Handballprofi Alexander Petersson blickt vor morgigem Pokalhit auf seine Klubs MT Melsungen und Rhein-Neckar Löwen.

Kassel – Kurz vor Weihnachten dürfen sich die Handball-Fans in dieser Region auf einen Pokal-Kracher freuen. Am Mittwoch ab 19.30 Uhr empfängt die MT Melsungen im Achtelfinale den starken Bundesliga-Rivalen Rhein-Neckar Löwen.

Einer, der sich bei beiden Klubs gut auskennt, ist der in Lettland geborene Isländer Alexander Petersson, der in diesem Sommer seine Karriere beendet hat. Für diese Zeitung vergleicht der 42-Jährige die beiden Teams.

Alexander Petersson Ehemaliger Handballprofi
Alexander Petersson Ehemaliger Handballprofi © Fischer, Andreas

Tor

Die Melsunger Nebojsa Simic und Adam Morawski haben zuletzt überragende Leistungen gezeigt. Aber auch die Löwen sind mit Mikael Appelgren und Joel Birlehm gut aufgestellt. Es sind alles unterschiedliche Torwarttypen, wobei Simic und Birlehm von ihren Emotionen leben. Da Morawski und Birlehm noch recht neu bei ihren Klubs sind, arbeiten sie noch daran, die Herzen der Zuschauer zu erobern. Simic und Appelgren brauchen nichts mehr zu beweisen. Alle vier wollen sich im Dezember von ihrer besten Seite zeigen, weil sie die WM im Januar im Hinterkopf haben.

Abwehr

Die Löwen spielen in der Deckung sehr aggressiv und setzen auf viel Körperkontakt. Bei Melsungens Trainer Roberto Garcia Parrondo verteidigt das Team etwas schlauer und ist nicht so hart am Mann. Das System ist darauf angelegt, Bälle zu klauen. Die MT profitiert davon, dass Elvar Örn Jonsson wieder zurück ist. Gleb Kalarash bewegt sich sehr geschickt und nutzt seine Körpergröße voll aus. Die Löwen haben mit Olle Forsell Schefvert aus Wetzlar eine sehr gute Verpflichtung getätigt. Er ist nicht nur ein hervorragender Innenblocker, sondern setzt auch die Akzente für die zweite Welle.

MT-Ass: Elvar Örn Jonsson.
MT-Ass: Elvar Örn Jonsson. © Dieter Schachtschneider

Bitter für die Löwen, dass der Kroate Halil Jaganjac lange ausfällt – das ist ein schwerer Verlust für das Defensivzentrum. Seinen Part übernimmt nun Ymir Örn Gislason. Grundsätzlich können die Mannheimer variabler decken, auch mal in einem 3:2:1- oder 3:3-Verbund. Das hat Trainer Sebastian Hinze schon beim Bergischen HC mit Erfolg praktiziert. Melsungen präferiert eine 6:0-Formation.

Angriff

Im Positionsangriff trifft nicht nur der deutsche Mittelmann Juri Knorr die wichtigen Entscheidungen, sondern auch Albin Lagergren. Der Schwede spielt bislang eine überragende Saison. Beide schaffen es, ihre Nebenleute gut in Szene zu setzen. Nachdem Weltklasse-Regisseur Andy Schmid im Sommer in seine Schweizer Heimat zurückgegangen ist, hätte man denken können, dass das Spiel der Löwen über den Kreis vielleicht nicht mehr so gefährlich ist. Aber weit gefehlt: Nationalspieler Jannik Kohlbacher zeigt noch mehr seine Klasse – er bekommt von Lagergren und Knorr viele Bälle.

Löwen-Spielmacher: Juri Knorr.
Löwen-Spielmacher: Juri Knorr. © Andreas Fischer

Im Gegensatz zu den Löwen werfen die Melsunger nicht so viele Tore. Er läuft bei ihnen noch nicht rund in der Offensive. Man merkt, dass dort viele neue Spieler eingebaut werden müssen. Ivan Martinovic beispielsweise hat seine Rolle im Team noch nicht gefunden. Kapitän Kai Häfner präsentiert sich im rechten Rückraum sehr stabil. Agustin Casado ist ein typischer spanischer Stratege, er übernimmt viel Verantwortung. Er erinnert mich ein wenig an den früheren Bundesligaprofi Iker Romero. Casado fehlt aber für diese Liga noch etwas die erforderliche physische Stärke.

Personal

Beide Mannschaften verfügen über einen breiten Kader und haben einige Talente in der Hinterhand. Bei der MT kommen Julian Fuchs, Ben Beekmann und Florian Drosten auf den Außen zum Einsatz. Auch die Löwen haben ein paar gute Jungs dabei. Schon einige Male sein Können unter Beweis gestellt hat der junge Torwart David Späth.

Fazit

Es ist in dieser Saison verdammt schwer, gegen die Löwen Tore zu erzielen. Das Team tritt sehr selbstbewusst auf, hat sich freigespielt und schwimmt auf eine Welle. Trainer Sebastian Hinze hat einen guten Job gemacht – er hat den nötigen Spaß und ein bisschen Lockerheit gebracht.

Mehr Druck haben die Melsunger. Sie haben den kleinen Vorteil, dass sie ein Heimspiel haben – das ist für die Stimmung im Pokal eminent wichtig. Entscheidend wird sein, wer die bessere Abwehr- und Torwartleistung hat. Ich erwarte anders als beim 36:25 der Löwen in der Liga Anfang September ein ganz enges Spiel. (Björn Mahr)

Der Experte: Alexander Petersson

Alexander Petersson (42) trug in der Saison 2021/22 das Trikot des Handball-Bundesligisten MT Melsungen. Zuvor spielte er für etliche andere Handball-Bundesligisten: Rhein-Neckar Löwen, SG Flensburg-Handewitt, Füchse Berlin, TV Großwallstadt und HSG Düsseldorf. Der Halbrechte kam mit 18 Jahren aus seiner lettischen Geburtsstadt Riga nach Island und spielte auf der Atlantikinsel bei KR Grotta. Seine größten Erfolge: Deutscher Meister (2016 und 2017), DHB- (2018) und EHF-Pokalsieger (2013), EM-Dritter (2010) und Vize-Olympiasieger (2008). Petersson ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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