Melsungen besteht Charaktertest beim 27:26 in Gummersbach

MT Melsungen: Fahlgren clever und entspannt

Melsunger Jubelkreis: Nach dem Erfolg feiert das MT-Team mit Patrick Fahlgren (vorn links), der den Siegtreffer erzielt hatte. Foto: Arnold

Gummersbach. Wenn sich das Warten auf die Pressekonferenz im Anschluss eines Spiels der Handball-Bundesliga in die Länge zieht, ist das häufig ein Indiz dafür, dass deren Protagonisten einiges aufzuarbeiten haben.

Lesen Sie dazu auch: MT-Zittersieg nach Traumstart: 27:26 gegen Gummersbach

Und dazu erst mal „runterkommen“ müssen, also nervlich mehrere Gänge runterschalten, nachdem die Dramaturgie der 60 vorangegangenen Minuten genau das Gegenteil bewirkt hatte. Dass Gastgeber-Trainer Emir Kurtagic sogar noch später als sein Kollege Michael Roth in den Katakomben der Schwalbe-Arena erschien, war ebenso verständlich, schließlich hatte der Gummersbacher nach unvollendeter Aufholjagd an einer, aus seiner Sicht „sehr unglücklichen“ 26:27-Niederlage gegen Melsungen zu knabbern. 

Derlei Stress hätte ihm die MT durchaus ersparen können – wenn sie denn in ihrer starken Phase vor der Pause ihre Chancen konsequent genutzt hätte. „Wir hätten das Spiel bereits in der ersten Hälfte entscheiden können“, meinte Trainer Roth. Kurios: Da hatten seine Schützlinge Nationaltorhüter Carsten Lichtlein so richtig auf der Rolle gehabt, ihn quasi aus dem Tor geworfen, um dann den eingewechselten Matthias Puhle „heiß“ zu werfen.

Für Michael Allendorf eine „Frage der Konzentration“, nachdem der Linksaußen zunächst traumhaft sicher und danach nur noch vereinzelt getroffen hatte. So geriet das Duell zum befürchteten Kampfspiel, am Ende ja zur Charakterfrage. Die die Melsunger eindeutig beantworteten, indem sie „die letzten Körner mobilisierten“ (Roth) und damit laut Manager Axel Geerken eine „überragende Moral“ bewiesen.

Gepaart mit Sjöstrands Paraden und Fahlgrens Cleverness. Denn: Immer wenn der VfL dran war und die fast ausverkaufte Halle sich anschickte, sich in einen wahren Hexenkessel zu verwandeln, avancierten die Schweden zur Spaßbremse.

Besonders bei Florian von Gruchallas freien Wurfversuchen von recht saußen. Was wie leichte Zerfallserscheinungen der starken MT-Deckung anmutete, war in Wirklichkeit Strategie. „Wir haben versucht, den Angriffsdruck nach außen zu lenken“, erklärte der Appelgren-Nachfolger, bekanntermaßen bei Herausforderungen dieser Art einer der Besten seiner Zunft.

Gedankt wurde es ihm in der Offensive besonders von Patrik Fahlgren. „Er hat uns riesig geholfen“, lobte Michael Roth seinen Spielmacher, zuständig für Ruhe, Übersicht und Tore, als seinen Nebenleuten die Kraft auszugehen drohte. Auch psychisch ein Kontrapunkt: „Ich war einfach entspannter als die anderen.“ Weil der 30-Jährige von der Bank kam. Und weil der Schwede nach seiner schweren Verletzung erneut in einer heiklen Situation randurfte. „Dieses Vertrauen des Trainers hat mir gutgetan“, beschrieb er sein Glück, das in dem Siegtreffer 30 Sekunden vor Schluss gipfelte. Der wiederum eine Verspätung der Pressekonferenz zur Folge hatte.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.