Handball-Bundesligist schafft Sportler-Appartement

MT Melsungen setzt verstärkt auf Talentförderung

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Mittagszeit im Sportler-Appartement: Die Handball-Talente Johannes Golla (links) und Florian Weiß.

Melsungen. Seit 2007 vergibt die Handball-Bundesliga einmal pro Jahr ein Jugendzertifikat. An all jene Bundesligisten, die sich durch herausragende Nachwuchsarbeit auszeichnen.

In der Liste der bisherigen Titelträger fehlt aus der höchsten Klasse unter anderem der Name MT Melsungen. Zwar haben die Verantwortlichen des Europapokal-Teilnehmers und erfolgreichen Bundesligisten MT bislang keinen entsprechenden Antrag dafür gestellt, der Verein hätte aber auch die Kriterien nicht erfüllt. Allein schon deshalb nicht, weil bestimmte Teams wie etwa die Reserve nicht in den entsprechenden Klassen beheimatet sind. Und es wurden auch noch zu wenig Talente über einen vorgeschriebenen Zeitraum so gefördert, dass sie in den Kader der ersten Mannschaft aufgenommen werden konnten.

Das soll sich nun endgültig ändern. Vor allem im Bereich Ausbildung tut sich einiges. „Wir sind jetzt mit Leistungszentren wie in Berlin oder Lemgo auf einer Stufe“, erklärt MT-Manager Axel Geerken nicht ohne Stolz. Um zu verhindern, dass einige Nachwuchshoffnungen aus dieser Region demnächst zu anderen Klubs wechseln, „haben wir einige Projekte vorgezogen“, wie Melsungens Jugendkoordinator Axel Renner betont. Vor ein paar Wochen wurde beispielsweise mit dem Aufbau von Sportler-Appartements begonnen. Die ersten Talente sind bereits eingezogen. Und auch die Zahl der qualifizierten Trainer nimmt stetig zu.

Ein Überblick über das Förderkonzept der MT.

Die Perspektive: Nun mehr Einheiten 

Bei den MT-Nachwuchsteams werden sich die Trainingsumfänge deutlich erhöhen. So soll die Reserve, die den Aufstieg in die Oberliga Hessen packen möchte, zukünftig vier Übungseinheiten pro Woche absolvieren.

Noch klarer die Verbesserung im Jugendbereich: Neben den normalen Einheiten in den Nachmittags- und Abendstunden werden die Spieler ab Sommer aus A-, B- und C-Juniorenbereich nun zusätzlich zweimal morgens trainieren - exakt in der Zeit, wo die anderen Schulkameraden im Melsunger Schulzentrum ihren regulären Sportunterricht abhalten.

Die speziell abgestimmten Sportstunden für die Handball-Übungsgruppen leitet der erfahrene Trainer Reiner Wagner. Wobei dieser auch den Lehrplan im Auge haben muss. „Leichtathletik, Turnen sowie einige Ballsportarten sind ein guter Ausgleich zum Handball“, weiß Jugendkoordinator Renner.

Der A-Nachwuchs soll sich bei der im Mai beginnenden Qualifikation erstmals einen Platz in der Bundesliga sichern. Für die B-Jugend ist die Oberliga das Ziel. Da muss das Team auch mindestens spielen, wenn es das Gütesiegel der Handball-Bundesliga erhalten möchte.

Die Trainer: Zwei pro Mannschaft 

Im Nachwuchsbereich tritt die MT als JSG Melsungen/Körle/Guxhagen an. Für jede Mannschaft stehen jetzt zwei Trainer zur Verfügung - viele mit guter Qualifikation. Um die Oberliga-A-Jugend kümmern sich Sead Kurtagic, der sogar die A-Lizenz hat, und Philipp Julius. Die B-Junioren werden von Björn Brede und jetzt neu von Sascha Henkel trainiert. Henkel arbeitete früher schon in Baunatal mit Brede zusammen. Für die C-Jugend sind Martin Geldmacher und Christian Dippel verantwortlich.

Michael Roth, der Chefcoach des Melsunger Bundesliga-Teams, ist in die Betreuung des Unterbaus nicht unmittelbar eingebunden. „Das taktische Konzept ist aber mit ihm abgesprochen“, erklärt Renner. Auch bei der MT-Reserve wird sich einiges tun. So soll unter anderem ein Torwarttrainer installiert werden.

Als Sportmediziner steht Frank Döring, früher einer der Teamärzte der deutschen Nationalmannschaft, den Talenten zur Verfügung. Ex-Zweitliga-Handballerin Juliane Kaspar unterstützt die Teams als Physiotherapeutin.

Die Talente-WG: Bald werden fünf Spieler dort leben 

Nicht weit vom Schulzentrum und damit von der Melsunger Stadtsporthalle entfernt hat die MT ein Appartement angemietet. Dort wohnen aktuell bereits zwei ambitionierte Handballer: die beiden Jugendlichen Johannes Golla und Florian Weiß. Golla stammt aus Wiesbaden und geht aktuell noch für seinen Heimatverein in der Jugend-Bundesliga auf Torejagd. Weiß kommt von Eintracht Baunatal. „Er ist eines der besten Talente in dieser Region“, sagt Axel Renner.

Als Nächstes wird Maxim Schalles, der aus dem Felsberger Ortsteil Niedervorschütz kommt, nach Ostern in die Wohngemeinschaft einziehen. Dieser spielt bereits für die MT. Es folgt noch Jan Grolla. Dessen Familie hat ihre Wurzeln in Bad Sooden-Allendorf. Auf Torejagd geht Grolla zurzeit noch für Eintracht Hildesheim. Wer als Fünfter im Sommer dazukommt, steht bislang noch nicht fest.

Die jungen Handballer organisieren ihren Alltag weitgehend selbst und müssen etwa ihre Wäsche selbst waschen, werden aber von Bärbel Deutschmann, seit mittlerweile 60 Jahren MT-Mitglied und Fan des Erstligisten, tatkräftig unterstützt. Sie kocht für die Spieler. Falls einer der Jugendlichen schulische Probleme haben sollte, kann er immer mittwochs zu einem Nachhilfeunterricht gehen.

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